Dichterfürst, Majestäten und die Gaumenschmeichler
31. August 2011 08:58
"Frankenwein ist ganz gewiss - ein Vorgeschmack aufs Paradies" betont ein Weinvers, den ich irgendwo - ganz sicher in der fränkischen Weinregion - eingesammelt habe. Das 22. Weimarer Weinfest "Auf einen Schoppen bei Goethe" ist gerade beendet, buchstäblich Weinfest-Geschichte, davon berichte ich gerne, denn es waren tolle vier weinselige Tage. Zwar ganz schön anstrengend, doch am Ende gab es überaus zufriedene Gesichter bei den Winzern und Gastronomen. Kein Wunder, denn einigen Weinanbietern gingen am letzten Weinfesttag im Weindorf einzelne Weine aus - sie waren schlichtweg ausverkauft. Die Leute vom Weingut Elfenhof aus Rust am See aus dem österreichischen Burgenland fuhren quasi leer zurück nach Hause, so sehr hatten Besucher deren feien Weine genossen. Und auch dem Dichterfürst dürfte es gefallen haben - zumindest bei seinen Auftritten, umringt von zahlreichen Majestäten (Foto: Jürgen Langhammer) oder neugierigen Besuchern...
Zum Auftakt durfte ich auch in diesem Jahr ein Riesenaufgebot von Weinmajestäten willkommen heißen. Nur ein lieber Freund fehlte - der "Kitzinger Hofrat" Walter Vierrether, gerade von einer Operation genesen. Mein Freund Walter wurde durch den "Kitzinger Hofrat junior" Stephan Baier vertreten, und der machte seine Sache ausgezeichnet (hier mit mir und einigen Majestäten auf der Bühne / Foto: Jürgen Langhammer). Und merke - ein "Kitzinger Hofrat" kommt niemals allein und niemals ohne Wein zum Goethe-Weinfest in die Klassikerstadt: Weinhoheiten und Gaumenschmeichler sind immer dabei!
Diesmal gab es sogar einen Besuch in der TLZ-Zentrale, wo ich den fränkischen Majestäten unsere Redaktion und den Arbeitsalltag am Newsdesk vorstellen konnte (Hier im Bild am Regiodesk / Foto: Jürgen Langhammer). Die Kiolleginnen und Kollegen der Redaktion hätten dabei sicher schon gerne einen Gaumenschmeichler probiert, doch das wurde nach Dienstende verschoben, sie durften allenfalls die Hoheiten mit anerkennenden Komplimenten umschmeicheln. Jedenfalls mussten wir dann ja auch bald ins Weindorf am Goethehaus und dorft auf die Bühne. Schließlich wollten wir den Dichterfürsten doch nicht warten lassen...
Der "alte Charmeur" - er wurde am Sonntag 262 Jahre jung - war wieder hellauf begeistert, als die Majestäten auf dem "Frauenplan" (ja so heißt der Platz vor dem Goethehaus in Weimar wirklich) anrückten. Da ging doch der Dichterfürst sogar spontan in die Knie (Foto: Jürgen Langhammer) um seine illustren Gäste willkommen zu heißen. Mit dem "Kitzinger Hofrat junior" Stephan Baier und dem Kitzinger "Hoffotografen" Jürgen Langhammer kamen in diesem Jahr folgende Weinprinzessinnen nach Weimar: Corinna aus Kitzingen-Sickershausen, Ramona (Bullenheim), Carolin (Nenzenheim), Steffi (Wiesenbronn), Tina (Sommerhausen), Regina (Albertshofen), Esther (Großlangheim), Michelle (Hüttenheim), Franziska (Rödelsee), Margarete (Buchbrunn) und Laura (Mainstockheim). Aber auch Sophia, Weinprinzessin aus Seinsheim, war mit dabei und durfte sogar in der Jury mitwirken, die die "Goethe-Weinfest-Weine 2011" in den Kategorien Rotweine und Weißweine kürten. Dazu später mehr.
Zurück zu den Majestäten, die ich einzeln vorgestellt habe (Bild: Peter Michaelis) Mit dabei waren auch Theresa, die Spargelprinzessin aus Großlangheim, und Sabrina, die Gärtnerkönigin aus Kitzingen-Etwashausen. Sabrina, die in ihrer ehrenamtlichen Funktion auch jüngst über Wochen die "kleine" Landesgartenschau Bayerns in Kitzingen begleitet hatte (siehe eine früheren Blogbeitrag), brachte der Schirmherrrin unseres Landes, Ministerpräsidention Christine Lieberknecht, übrigens einen riesigen Gemüsestrauß - super-dekorativ - mit und überreichte denselben. Die Überraschung war perfekt!
Aber auch Majestäten aus unserer Region fehlten nicht. Natürlich war die amtierende Zwiebelmarktkönigin Weimars, Luise Lubk aus Neumark, dabei. Die amtierende Saale-Unstrut-Weinkönigin, Elisabeth Born aus Höhnstedt oberhalb des "Süßen Sees" bei Halle, maachte eine gute Figur, war sachkundig - etwa in der Jury und bei unserer Prominenten-Weinprobe - und schlagfertig. Etwa als sie auf der Bühne zum besten gab: "Wenn Gott gewollt hätte, dass wir nur Wasser trinken, hätte er nicht 85 Prozent davon versalzen" scherzte Elisabeth in Anspielung auf die Weltmeere. Ja, die junge Dame aus Höhnstedt hat das Zeug zur Deutschen Weinkönigin, die demnächst gewählt wird. Und auch die neue Thüringer Weinprinzessin aus Bad Sulza, Anne Meinhardt, fehlt nicht beim illustren Auftakt im Goethe-Weinfest-Dorf auf dem Frauenplan.
Angesichts solch geballter weiblicher Weinkompetenz bleib mir die Frage gestattet, wieso es eigentlich im Zuge der Emanzipation keine Weinprinzen und Weinkönige gibt!? Keine Angst - ich "alter Knabe" habe da keine Ambitionen. Weinmajestäten - das ist und bleibt eine Sache der Jugend aus den Weinanbauregionen. Für die Herren der Schöpfung bleibt da "nur" der Posten eines Weinbau-Präsidenten. Der von Saale-Unstrut ist seit vielen Jahren bestens besetzt - von Siegfried Boy - hier im Bild mit mir bei einer gepflegten Fachsimpelei rund um den Wein zur Eröffnung des Goethe-Weinfestes 2011 (Foto: Jürgen Langhammer).
Fazit schließlich: der Dichterfürst und ich hatten eine Menge gekrönter Häupter zu begrüßen, aber das machte uns "alte Knaben" viel Spaß. Kompliment einmal mehr an unseren Goethe, denn das ist seit Jahren der Schauspieler und Kabarettist Hans-Peter Körner aus Plaue (Bild: Jürgen Langhammer). Redegewandt und belesen, ein echter Goethekenner eben, hatte er nicht nur schöne Weinsprüche und andere Zitate des Dichterfürsten im Gepäck, sonderns wusste auch eine Menge Histörchen und Anekdoten zu erzählen.
Bleibt noch die Hervorhebung der diesjährigen Siegerweine, die von der fachkundigen Jury nach verdeckter Probe vermittelt wurden. Bei den Weißweinen wurde ein trockener Welschrieling des Jahrgangs 2010 vom Weingut Elfenhof aus Rust am See / Burgenland, Österreich zum "Goethe-Weinfestwein 2011" gekürt. Hier rangierten das Weingut Dettweiler (Rheinhessen) mit einem Weißen Riesling 2010 und das Weingut Edwin Pauly als Palzem / Obermosel) mit einem Grauburgunder Classic 2010 auf den folgfenden Plätzen. Bei den "Roten" wurde eine Merlot Spätlese trocken des Jahrgangs 2009 vom Weingut Katharinenhof (Pfalz), Edition Hauenstein, im Eichenfass gereift, zum "Goethe-Weinfestwein 2011" gekürt. Hier folgten das Weingut Pauly (Mosel) mit einem trockenen Spätburgunder des Jahrgangs 2010 und das Weingut Lambertushof (Rheinhessen) mit einemBechtheimer Rosengarten, Rebsorte Dornfelder trocken aus dem Jahrgang 2009, auf den nächsten Plätzen. Alle Preisträger (hier im Bild / Foto: Peter Michaelis) - und auch alle Majestäten und Symbolfiguren, die uns beim diesjähriegn Weinfest unterstützten, wurden mit schönen Erinnerungspräsenten, etwa Feinschmecker- und Rezeptbüchern der Zeitungsgruppe Thüringen, belohnt...