Es gibt Landstriche, Orte und Ecken Thüringens, die fühlen sich ein bisschen (oder etwas zuviel) "abgehängt" - zu weit von der Landeshauptstadt Erfurt, zu weit von der nächsten Autobahn, zu weit von den allseits bekannten touristischen Anziehungspunkten. Aber es ist nicht alles (nur) Weimar, Jena oder Erfurt, was da glänzt, was sich lohnt, angesteuert, besucht oder gar erst entdeckt zu werden. Und es ist gut, wenn es Leute gibt, die sich Gedanken machen, die man schöne Ecken Thüringens, die nicht so sehr im Blickpunkt stehen, besser vermarktet, sie vielleicht durch gezielte Veranstaltungen für bestimmte Zielgruppen reizvoller, attraktiver, interessanter macht. Gestern wurd in der Musikstadt Sondershausen ein so genannter "Genussführer 2011" für Kultur, Kulinarik und Kunst für Nordthüringen, den Südharz und angrenzende Regionen wie etwa Unstrut-Hainich vorgestellt. Und eigentlich könnte man einfach den Picknickkorb nehmen und an vielen Tagen zu einer Genießertour in die Kyffhäuserregion, in den Südharz oder ins Eichsfeld aufbrechen. Ein solches Picknickmotiv vor der Sonderhäuser Schlosskulisse schmückt übrigens den Genussführer, dieses Foto hier hat aber Antje Burghardt gemacht...
Die Idee für den Genussführer kommt von der Jenaer Porzellan- und Glasdesignerin Christine Klauder und dem rührigen Geraer Unternehmer Bernd Jurke, und beide habe diese Idee nun auch realisiert. Bernd Jurke, der sonst Hotel- und Großküchenanlagen verkauft und vor einiger Zeit auch das Schlossrestaurant Sondershausen übernommen hat, um es mit gastronomischem Leben zu erfüllen, ist ein Mensch des Sportes. Nicht nur dessen Sponsor (Carl-Zeiss Jena), sondern einer, der weiß, dass man sich bewegen, etwas tun muss, um etwas voranzubringen, um andere mitzuziehen, zu begeistern. gerade Nordthüringen könnte mehr solcher Initiatoren gebrauchen...
Es ist vielleicht ein bisschen vermessen, den Genussführer quasi für das "Salz für die Suppe" zu halten, denn es gibt natürlich schon einige Broschüren und Schriften, die neugierig machen auf touristische Anziehungspunkt und gastronomisch interessante Lokalitäten. Der neue Genussführer, der auch von 137 Partnern unterstützt wird, bündelt - in Bildern und Text gut aufbereitet - Informationen zu Sehenswürdigkeiten, zu Museen und Ausstellungen, Baudenkmälern, Kirchen, Theater und Konzertangeboten. Und zu Künstlern, die zur Region gehören, wie der bekannte Maler Gerd Mackensen.
Der Genussführer enthält aber auch Infos und Adressen, wo man dekorative schöne Dinge bekommen kann, auch wenn man sich sonst in der Region kaum auskennt. Das sind nicht nur Läden, in denen Modisches oder Schmückendes angeboten und verkauft wird, sondern auch Geschäfte, wo es einfach mal Spaß macht, zu stöbern. Es gibt die Adressen der Läden, der Ateliers, der Künstler, und natürlich der Gastronomie - Restaurants, Cafes, Hotels, Pensionen, stets mit Öffnungszeiten, Telefonnumer, Internetadresse und so weiter. Es gibt die Infos zuParks, Wanderwegen, sehenswerten Höhlen. Und es wird für regionaltypische Produkte geworben, für die Firmen, Höfe und Einrichtungen, wo diese Spezialitäten hergestellt werden. Und wo und wann man diese Einrichtungen besuchen oder besichtigen kann. Sogar besondere Angebote für Kinder sind kurz und knapp gebündelt. Es fehlen auch nicht Infos zu Sport, Freizeit, Wellness, zu interessanten Veranstaltungen in den kommenden Wochen und Monaten. Alles kurz und knapp, aber vortrefflich gebündelt, gut aufbereitet.
Man soll mit seinen Pfunden wuchern - so etwa lautet ein Sprichwort. Das passt ganz gut zu der Region Nordthüringen, Südharz, Kyffhäuser. Die älteste befahrbare Kaligrube der Welt, das Erlebnisbergwerk Sondershausen mit Kegelbahn, Konzertsaal, Riesenrutsche und Laugensee, auf dem man unter Tage eine Kahnpartie machen kann. Oder der tiefste Brunnen, der am Kyffhäuserdenkmal zu finden ist. Der schiefste Turm der Welt, der nicht in Pisa steht, sondern in Bad Frankenhausen (Oberkirche). Schief ist auch der Kirchturm in nahe gelegenen Dorf Bendeleben, wo noch eine außergewöhnliche Orangerie und ein spektakulärer Schlosspark zu finden sind. Für Modelleisenbahnfreunde ist natürlich die riesige Modellbahnanlage in Wiehe unverzichtbar. Der Baumkronenpfad im Naturpark Hainich gehört eigentlich schon mehr zu Westthüringen, aber das ist doch egal, wenn es darum geht die attraktiven Ausflugsziele in einer Region zu bündeln. Touristen und Ausflügler, die so Infos gebündelt aufbereitet bekommen, werden sich freuen und dankbar sein. Das Bauernkriegspanorama in Bad Frankenhausen, die Funkenburg Westgreußen, der Tabakspeich Nordhausen und die dortig Traditionsbrennerei, die Wasserburg Heldrungen, das Schloss Heringen, der Affenwald Straußberg, der Schlosspark Ebeleben, die berühmte Barbarossahöhle oder der Rabensteiner Stollen. Was, noch nichts davon gehört? Dann wird es aber höchste Zeit!
Und natürlich sollen Feinschmecker das Gourmetschloss mit dem Sternekoch Ralf Kronmüller in der Musikstadt Sondershausen besuchen. Oder die Goethe Schokoladen Manufaktur Bad Frankenhausen, das traditionsreiche Weingut Böcking in Altengottern, die Kornbrennerei Nordhausen, den Ziegenhof Peter in Greußen oder ebendort die Prodiuktionsstätte der berühmten Greußener Salami, jener im Nadelstreifen wie es manche Leute betonen. Man könnten die Liste der Sehenswürdigkeiten und erlebbaren Genussangebote noch lange fortführen. Holen Sie sich einfach den Genussführer, der jetzt auf dem Markt ist. Am Freitag beginnen in Sondershausen die Thüringer Schlossfestspiele. Da ist der Genussführer auch zu haben. Aber auch im Gourmetschloss von Bernd Jurke und Ralf Kronmüller oder in den Touristinformationen der Region. Ich hoffe, Sie haben jetzt richtig Appetit bekommen...