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Alpha-Männchen mit Gesundheitssorgen

Sind eigentlich Tier-Menschen-Vergleiche politisch korrekt? Wir sind uns zugegebenermaßen unsicher, stellen deshalb vorsichtshalber voran, niemanden verunglimpfen zu wollen. Also, liebe Affen, bitte überschütten Sie uns jetzt nicht mit Beschwerdebriefen. Aber uns geht Folgendes nicht mehr aus dem Kopf:

 

Vor geraumer Zeit lasen wir über eine Studie von Wissenschaftlern der Princeton-Universität. Und seitdem machen wir uns ehrlich gesagt Sorgen, um die Gesundheit unserer männlichen politischen Elite. Oder zumindest eines Teils davon.

 

Die amerikanischen Wissenschaftler haben viele Jahre lang wild lebende Paviane in Kenia begleitet und dabei herausgefunden, dass vor allem die Gesundheit der Chefs arg gefährdet war. Zwar sei ihr Leben mit allerlei Privilegien behaftet: Sie dürfen als erste fressen, sich paaren... etc. Aber sie müssen sich eben auch immer ums Futter kümmern und auf der Hut sein, konkret also mit den vielen aufstrebenden Artgenossen kämpfen, um ihre Position zu wahren.

 

Am Donnerstag kamen uns diese Schilderungen aus unbegreifbaren Gründen wieder in den Sinn.

 

Kurz zuvor hatten wir erfahren, dass Matthias Machnig (SPD) bei der CDU-Landtagsfraktion antreten sollte, weil Fraktionschef Mike Mohring eine Entschuldigung für dessen verbale Entgleisungen erwartete. Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) hatte ihren Wirtschaftsminister dafür eigens angerufen und ihn "sehr recht herzlich" gebeten, seine Termine in Berlin (Boston oder Bangkok? Wir wissen es nicht mehr genau. Es hatte auf jeden Fall sehr viel mit Thüringen zu tun.) zu verkürzen.

 

Machnig musste den erbosten Christdemokraten erklären, warum er sie am Wochenende beschimpft hatte. Dabei hatte er doch nur einmal mehr wiederholt, was er immer sagt, wenn es um den lieben Koalitionspartner geht - dass er sich "intellektuell", "strategisch" und "machtpolitisch" überlegen fühlt.

 

Dieses Mal ging das der CDU dann doch zu weit. Also murmelte der Sozialdemokrat vor der Fraktion etwas von "aus dem Zusammenhang gerissen" und "nicht so gemeint".

 

Für Mohring war das ganz klar eine Entschuldigung, für Machnig mitnichten. Was aber keine Rolle spielte. Hauptsache der Glucocorticoid- Spiegel der Alpha-Männchen normalisierte sich wieder.

 

Der ist nämlich nicht ganz unerheblich: Eine hohe Konzentration dieses Stresshormons schwächt das Immunsystem und macht anfälliger für Krankheiten. Das haben die Princeton-Biologen bei den untersuchten Primaten festgestellt. Interessanterweise zeigten sich die Chef-Paviane am Ende sogar genauso gestresst wie die rangniedrigsten Mitglieder der Gruppe. Weshalb wir jetzt noch mehr mit den vielen Wirtschaftsministeriums- und CDU-Fraktionsmitarbeitern fühlen. In der weiblich regierten Staatskanzlei soll man die Studie übrigens auch mit Interesse gelesen haben...


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Elmar Otto

Porträt Elmar Otto

Landesredakteur Elmar Otto beleuchtet in seinem Weblog die Hintergründe des parlamentarischen Betriebs im Thüringer Landtag. 1968 in Dortmund geboren, fühlt er vor allem der politischen Klasse in Thüringen auf den Zahn. "Dass an der Redewendung, Feind, Todfeind, Parteifreund' etwas dran ist, konnte ich dabei häufig hautnah erleben", sagt Elmar Otto. Er ist seit Anfang 2000 in der Landeshauptstadt tätig.