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Ein (alb-)traumhaftes Führungstandem

Gut dass die Thüringer CDU die SPD hat. Ohne den sich in schöner Regelmäßigkeit selbst schwächenden Partner müsste die von Christine Lieberknecht geführte Partei sich doch glatt mit den eigenen Unzulänglichkeiten beschäftigen. Es ist ja nun mal nicht wirklich so, dass in der freistaatlichen Union alle über die Arbeit der Partei- und Regierungschefin in Jubelstürme ausbrechen. Da ist zum einen die Parteibasis, die sich allerdings auch unter Dieter Althaus nur selten richtig eingebunden fühlte - aber deshalb nicht als dauerquerulante Randgruppe unterschätzt werden sollte.

 

Da ist zum anderen die Landtagsfraktion mit ihrem ambitionierten Vorsitzenden Mike Mohring, der selbst offen sagt, dass er kein Interesse daran habe, Minister zu werden. Freundlicher und unverblümter kann man seine Ambitionen auf den Ministerpräsidentenposten kaum in Worte fassen.

 

Dass Lieberknecht das einst konservative CDU-Profil inzwischen für den einen oder anderen bis zur Unkenntlichkeit sozialdemokratisiert hat, kommt noch erschwerend hinzu. Allerdings auch für Christoph Matschie. Denn mittlerweile machen manche Genossen lieber das Kreuzchen bei der "roten Christine" (O-Ton: "Ich finde, die Farbe steht mir gut."). Anmerk. d. Red.: "Wir auch."

 

Bei SPD-Chef Matschie, spotten einige, sind inzwischen nicht mal mehr die Haare richtig rot. Nun gut, dass der Mann schneller grau wird als gedacht, "habt ihr selbst verbockt", möchte man den Kritikern zurufen. Aber wenn es allein um die Optik ginge, müsste Matschie sich angesichts des Herausforderers auch kaum Sorgen machen.

 

Doch Matthias Machnig besticht eben nicht nur durch schlecht sitzende Anzüge und windschiefe Krawatten. Nein, er ist ein Typ, eine Marke, ein unendlicher Quell an Ideen, mit denen er seine Mitarbeiter in den Wahnsinn treibt. Und ganz nebenbei auch noch die CDU. Die sich längst um den Bestand ihrer Koalition ernste Sorgen macht.

 

Im Prinzip ist der wirbelnde Wirtschaftsressortchef deshalb als SPD-Vize die ideale Ergänzung zum bedächtigen Bildungsminister. Andere Parteien können von so einem Tandem nur (alb-)träumen.

 

Matschies schwerwiegendes Problem ist dabei: Machnig will nie hinten sitzen, wenig treten, aber permanent lenken.

 

Aus diesem Grund wird es künftig noch schwerer für den Vize-MP seine Erfolge ("bessere Kitas, längeres gemeinsames Lernen, vielfältige Kultur") auch wirklich als die eigenen zu verkaufen. Zur Not macht Machnig das nämlich auch noch mit.

 

Selbst in der als dünnes Heftchen erschienenen "Zwischenbilanz der SPD-Regierungsarbeit" bringt es Machnig locker auf eine Seite mehr als der Rest der SPD-Kabinettsriege.

 

Und wenn es ganz dumm läuft, beim Parteitag am Samstag in Erfurt, dann schlägt kurzfristig ein Delegierter den "lieben Matthias" einfach gleich als Vorsitzenden vor.

 

Eigentlich ein Job, wie geschaffen für Erfurts Oberbürgermeister. Also, Herr Bausewein, wie wär's...?


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Elmar Otto

Porträt Elmar Otto

Landesredakteur Elmar Otto beleuchtet in seinem Weblog die Hintergründe des parlamentarischen Betriebs im Thüringer Landtag. 1968 in Dortmund geboren, fühlt er vor allem der politischen Klasse in Thüringen auf den Zahn. "Dass an der Redewendung, Feind, Todfeind, Parteifreund' etwas dran ist, konnte ich dabei häufig hautnah erleben", sagt Elmar Otto. Er ist seit Anfang 2000 in der Landeshauptstadt tätig.