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Scheherazade Birgit und Sultan Heiko

Machen wir uns nichts vor. Nicht nur ein Bundespräsident, nein jeder Mensch hat seinen Preis. Der des TLZ-Landesredakteurs liegt bei einem Materialwert von geschätzten zwei Euro und ist aus Holz. Sollten Sie sich also wundern, dass diesen Zeilen in dieser Woche eine gewisse Milde zu Eigen ist, liegt das wahrscheinlich daran, dass ich eingekauft wurde.

 

Gestern wurde mir die "Bunte Landtagsente" verliehen, eine karnevalistische Auszeichnung, die bei aller augenzwinkernden Heiterkeit (Zeitungsente, haha) Verdienste um die Parlamentsberichterstattung (nicht zuletzt durch diese Kolumne) würdigt. Also gab es von Landtagspräsidentin Birgit Diezel jede Menge wohlwollende Worte, die es einem anschließend schwer machen könnten, mit der üblicherweise gebotenen kritischen Sicht ans Werk zu gehen.

 

Obwohl, lassen wir uns wirklich so leicht den Schneid abkaufen?

 

Die Versuchung ist zugegebenermaßen groß: Noch jetzt haben wir das Bild von Scheherazade vor Augen. Diezel höchstselbst hat sich nämlich tatsächlich in die Tochter des Wesirs des persischen Königs Schahrayâr verwandelt, der - das ergibt die schnelle Internetrecherche - doch glatt von seiner Frau mit einem schwarzen Sklaven betrogen wurde.

 

Aber das tut hier wohl weniger zur Sache. Zumal Sultan Heiko Scheherazade irgendwie den Rang abläuft. Dem sich im richtigen Leben gerne als SPD-Innenexperten und Landtagsvize verkleidenden Sozialdemokraten Heiko Gentzel passt sein Kostüm besser als die meisten seiner Anzüge.

 

Dafür wiederum hat Diezel eindeutig die bessere Redenschreiberin und gibt, paarreim erprobt, mit ihren Versen einen kurzen Einblick ins stressige Abgeordnetenleben:

"Tausend und eine Nacht hab'n wir im Parlament verbracht.

Von wegen Kaffee schlürfen, Unsinn plappern, im Parlament hört ihr die Hirne rattern!

Beim einen rattert's laut, beim andern nicht minder. Wir sind ein Parlament der Wunderkinder!"

 

Tätää und Tusch.

 

Da wiegt sogar der liberale Narrenkönig Thomas Kemmerich, gewohnt zurückhaltend, den gut behüteten Jeckenschädel. Der inzwischen mit gekappter Krawatte auf der Stelle wippende Christdemokrat Mario Voigt wirkt dagegen so dynamisch wie Aladin ohne Wunderlampe. Und wird nur noch übertroffen von Innenminister Jörg Geibert (CDU), der sich mit seinem Räuber-Hotzenplotz-Hut vermutlich im Märchen vertan hat.

 

Grünen-Fraktionschefin Anja Siegesmund, im Vorjahr noch als schunkelfreudiger Leopard auf Beutezug, glänzt unterdessen - wie diverse andere Volksvertreter - durch Abwesenheit. Was der Stimmung aber, ehrlich gesagt, keinen Abbruch tat.

 

Übrigens, was Diezel netterweise verschwieg, war, dass mit dem unscheinbaren Enten-Preis ein Fünfsternekuschelwochenende mit dem gesamten Landtagspräsidium in einem inzwischen republikweit bekannten Hotel auf Sylt verbunden sein soll. Den Betrag für die Luxussause werden wir aber selbstverständlich der Landtagskasse zuführen - in bar, versteht sich...


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Elmar Otto

Porträt Elmar Otto

Landesredakteur Elmar Otto beleuchtet in seinem Weblog die Hintergründe des parlamentarischen Betriebs im Thüringer Landtag. 1968 in Dortmund geboren, fühlt er vor allem der politischen Klasse in Thüringen auf den Zahn. "Dass an der Redewendung, Feind, Todfeind, Parteifreund' etwas dran ist, konnte ich dabei häufig hautnah erleben", sagt Elmar Otto. Er ist seit Anfang 2000 in der Landeshauptstadt tätig.