Bosse mit Bass dringend gesucht
17. März 2012 08:48
Manches weiß man. Wie der Alte seine Angebetete also die mit dem Kleid aus gelber Seide nun ja, umpflegt und "mehr Demboh" grunzt, das hat Bert Brecht in seinen Liebesgedichten unübertroffen geschildert.
Doch Grunzen allein reicht nicht. Der Mann muss brummen, lernen wir aus einer Untersuchung von Politikwissenschaftlern und Biologen an der Universität von Miami.
Zum Chef, gar zum führenden Politiker steigt man(n) nur auf bei ausreichender Höhe, großer Sprungkraft und Umgangsformen gegenüber Mitarbeitern. Klar. Und, dies gilt es nun nicht zu vergessen: mit guter Stimmlage! Nicht nur Männer, sondern auch Frauen bevorzugen jedenfalls Bosse mit Bass.
Die Forscher ließen eine Gruppe von Frauen und Männern zwischen 20 und 60 den Satz sagen: "Ich bitte Dich dringend, mich zu wählen." Das klingt vielleicht ein bisschen dick aufgetragen, so wie das eine oder andere Wahlplakat zur Thüringer OB- oder Landratswahl. Jedenfalls wurden hier elektronisch die Stimmlagen gesenkt. Würden nun Probanten eher die tieferen oder die hohen Varianten wählen?
Wie Frauen sexy klingen
Ergebnis: eindeutig zu Gunsten gebändigter Stimmbänder, also der tiefen Stimmen, egal ob Mann oder Frau.
Dass Frauen bei Heiserkeit sexy klingen, wow!, das weiß man(n). Deshalb lässt der Alte sie ja immer so lange unter der Dachrinne stehen, gell? (Flacher Witz, zugegeben.)
Doch (leider) haben die meisten Frauen eine höhere Stimme als Männer. Manche piepsen auch. Oder keifen. Oder »jabbeln«, oder »schrebbeln«, Sie wissen schon...
Entschlossen durchsetzen!
Doch beide Geschlechter verbinden mit tiefer Frequenz Stärke, Dominanz, also Entschlossenheit und Durchsetzungskraft. Bei Männern gehe die tiefe Stimme einher mit hohem Testosteronspiegel, der das Muskelwachstum fördert und sonst noch was bewirkt vielleicht auch "mehr Demboh".
Jedenfalls: Wer als Mann so spricht und das alles auch verkörpert, der gelte bei Frauen als ein lohnender Partner, schlussfolgern die Wissenschaftler. Also: Leistung muss sich wieder lohnen! Wussten wir es doch.
Eine tiefe Frauenstimme deuten polnische Anthropologen im Fachmagazin "Animal Behaviour" als souveränes, selbstbewusstes Auftreten der Sprecherin.
Soll nun Mike Mohring oder Birgit Diezel mit dem Kehlkopf eine Oktave nach unten rutschen? In der Pubertät rutscht die Stimme bei künftigen Männern deutlich, bei Mädchen jedoch nur um eine Terz. Hätten Sie nicht gewusst, gell?
Der Direktor der Klinik für Phoniatrie in Münster (was es alles gibt!) berichtet, regelmäßig kämen Frauen in Führungspositionen, die ganz bewusst versuchten, ihre Stimme abzusenken und unter dieser unnatürlichen Belastung leide dann der Kehlkopf... Da hilft tatsächlich nur ein Trost: Eine Frau kann auch mit hoher Stimme! Was sie kann? Sie kann daraus Vorteile ziehen zumindest wenn es um die Besetzung von Chefposten geht. Männer so wird gern behauptet fänden hohe Frauenstimmen attraktiver als sonores Gebrumme. Erklärung der Evolutionspsychologen: Die hohe Stimmlage womöglich noch mit diesem hellen Lachen, hach! lasse Männer an eine junge, fruchtbare Frau denken. »Das Weib soll sein an seiner Lust gemessen«, schreibt denn auch Brecht...
Kehlkopf statt Kopf?
Was lehrt uns dies mit Blick auf unsere 250 OB- und Landrats-Kandidaten und -Kandidatinnen? Kommt es womöglich tatsächlich mehr auf den Kehlkopf als auf den Kopf an? Grundstürzende Erkenntnisse!
Ein dembohreiches Wochenende allerseits!