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Winnetou-Erfinder Karl May musste mehrmals ins Gefängnis
Porträt
Vor 100 Jahren starb Karl May. Archiv-Foto: dapd
Den Apachen-Häuptling Winnetou kennen viele Menschen aus dem Fernsehen. Der deutsche Schriftsteller Karl May hat sich den Indianer und dessen Freund Old Shatterhand ausgedacht. Noch heute werden seine Bücher auf der ganzen Welt gelesen. Dabei lebt Karl May schon lange nicht mehr. Er starb am 30. März 1912 in Sachsen. Das ist am Freitag genau 100 Jahre her.
Bremen. Karl May konnte sich schon als Kind eine Welt vorstellen, die er nie gesehen hatte. Vielleicht lag es daran, dass er als kleiner Junge blind war, das hat er zumindest behauptet. Es ist aber nicht sicher, ob das stimmt.Später nutzte Karl May seine Fantasie und schrieb Geschichten. Seine berühmten Abenteuer spielen im Wilden Westen Amerikas. Darin beschreibt er die Wälder und Berge, in denen die Indianer lebten, so gut, dass die Leser ihn für einen viel gereisten Mann hielten. Doch Karl May kannte damals weder Amerika, noch Indianer. Trotzdem behauptete er: "Ich bin wirklich Old Shatterhand und habe erlebt, was ich erzähle." Karl May flunkerte gerne. In einem Interview sagte er einmal, dass er Hunderte Sprachen und Dialekte spricht. Außerdem sei er schon etwa zwanzig Mal in Amerika gewesen. Das stimmte nicht, aber vielleicht wünschte er es sich so sehr, dass er Fantasie und Wirklichkeit nicht mehr unterscheiden konnte.In Wirklichkeit wurde Karl May am 25. Februar 1842 in Ernstthal in Sachsen geboren. Die Familie war sehr arm. Er war das fünfte Kind. Karl May machte eine Ausbildung zum Lehrer, als er groß war. Doch weil er eine Taschenuhr geklaut hatte, musste er ins Gefängnis und durfte kein Lehrer mehr sein. Später gab er sich als Augenarzt oder Polizeileutnant aus, ließ sich Anzüge nähen und verschwand damit, ohne zu bezahlen. Karl May wurde wegen seiner Gaunereien immer wieder gefasst und landete mehrmals hinter Gittern. Acht Jahre saß er insgesamt im Gefängnis.
Im Gefängnis las Karl May Reiseberichte von Menschen, die nach Amerika ausgewandert waren. So schrieb er die Geschichten von Winnetou und Old Shatterhand auf, die ihn so berühmt machten. Als klar wurde, dass der Schriftsteller nicht Winnetous Blutsbruder Old Shatterhand war und er ganz schön viel am Kerbholz hatte, beschimpften ihn seine Kritiker als Betrüger und Hochstapler. Trotzdem wurden seine Bücher mehr als 200 Millionen Mal verkauft. Er gilt heute als der meist gelesene Schriftsteller, der auf Deutsch geschrieben hat. Übersetzt wurden seine Bücher in mehr als 40 Sprachen.
Pierre Brice bekommt noch Post von Karl-May-Fans
Der Schauspieler Pierre Brice ist bekannt, weil er in elf Filmen Winnetou spielte. Archiv-Foto: dapd
Schauspieler Pierre Brice hat vor der Kamera oft den Apachen-Häuptling Winnetou gespielt. In elf Karl-May-Filmen schlüpfte er in die Rolle des berühmten Indianers. Noch heute kriegt er deswegen Post von seinen Fans. Der Zeitung "Tagesspiegel" sagte er vor Kurzem: "Ich bekomme so viele Briefe und E-Mails, auch von Jugendlichen und Kindern, die die Karl-May-Filme kennen." Er hat die Rolle des Indianers gern gespielt. Pierre Brice ist ein Künstlername. Richtig heißt der Schauspieler Pierre Louis le Bris. Er wurde im Land Frankreich geboren. Gleich mit seinem ersten Winnetou-Film "Der Schatz im Silbersee" hatte er großen Erfolg. Damit ist er vor allem in Deutschland berühmt geworden.