45.000 Thüringer im öffentlichen Dienst bekommen mehr Geld

  • Die Streiks scheinen sich gelohnt zu haben: In Thüringen profitieren rund 45.000 Beschäftigte bei Bund und Kommunen von den vereinbarten Steigerungen. Archivfoto: Michael Latz/dapd Die Streiks scheinen sich gelohnt zu haben: In Thüringen profitieren rund 45.000 Beschäftigte bei Bund und Kommunen von den vereinbarten Steigerungen. Archivfoto: Michael Latz/dapd
Arbeitgeber und Gewerkschaften vereinbaren eine Steigerung um 6,3 Prozent und die Übernahme der Auszubildenden.
Erfurt. Nach zähem Ringen und Dutzenden Warnstreiks ist im öffentlichen Dienst eine Tarifeinigung erreicht. Die rund zwei Millionen Beschäftigten bei Bund und Kommunen bekommen mehr Geld.

Die Gewerkschaften und die Arbeitgeber einigten sich am Wochenende darauf, dass die Löhne und Gehälter rückwirkend zum 1. März 2012 um 3,5 Prozent, ab 1. Januar 2013 um 1,4 und ab 1. August 2013 um weitere 1,4 Prozent steigen.

"Die Kolleginnen und Kollegen haben nach zehn Monaten 4,9 Prozent mehr Gehalt und nach 18 Monaten eine dauerhafte tabellenwirksame Lohnsteigerung von 6,3 Prozent", sagt Verdi-Chef Frank Bsirske in Potsdam. "Das ist beachtlich. Ein solcher Lohnabschluss ist so nicht häufig zu finden. Das war nur durch die Warnstreikbeteiligung der Beschäftigten der letzten Wochen möglich. Diese Beteiligung hatte eine Größenordnung und Mobilisierung, wie wir es lange nicht erlebt haben."

In Thüringen profitieren rund 45.000 Beschäftigte bei Bund und Kommunen von den vereinbarten Steigerungen. Damit sei endlich die Abkehr von den Reallohnverlusten der zurückliegenden Jahre erfolgt, zeigte sich der Verdi-Chef für Thüringen, Thomas Voß, mit diesem Teil des Abschlusses zufrieden.

Allerdings sei er enttäuscht darüber, dass es nicht einmal ansatzweise gelungen sei, die geforderte soziale Komponente durchzusetzen. Gerade untere Einkommensgruppen hätten über einen Mindestbetrag besser gestellt werden können, sagte Voß. Es gebe noch immer zu viele Beschäftigte, die von ihrem Einkommen nicht leben könnten und staatliche Hilfe in Anspruch nehmen müssten.

Als Erfolg wertete der Thüringer Verdi-Chef die vereinbarte Übernahme der Auszubildenden. Angesichts der Tatsache, dass bereits in vielen Verwaltungen ein Mangel an Fachkräften zu beobachten ist, muss man jungen Leute eine Chance geben. Daher sei die Weiterbeschäftigung derer, die ihre Ausbildung erfolgreich beenden, nur konsequent. "Das ist ganz ohne Frage ein Schritt in die richtige Richtung", erklärt Voß.

Mit einem Abschluss in dieser Höhe habe man nicht gerechnet, sagt Ralf Rusch, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Gemeinde- und Städtebundes Thüringen, auf Anfrage unserer Zeitung. Das werde die Kommunen vor große Probleme stellen. Natürlich habe jeder Bürgermeister im Freistaat ein Interesse an gut bezahlten und motivierten Mitarbeitern, aber man müsse immer die finanziellen Spielräume sehen.

"Allein das Einkommensplus von 6,3 Prozent bedeutet für Thüringens Kommunen eine Mehrbelastung von rund 100 Millionen Euro", sagt Rusch. Hinzu kommt der Finanzbedarf durch die Neuregelung der Urlaubsansprüche.

Er wisse noch nicht, an welcher Stelle jetzt gespart werde, um die nötigen Mittel aufbringen zu können. "Die Kämmerer stehen in den nächsten Tagen vor keiner leichten Aufgabe", ist Rusch überzeugt.

Die kommunalen Arbeitgeberverbände von Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt haben während der Verhandlungen gegen eine Annahme des Kompromisses votiert. "Das zeigt wie schwierig diese Verhandlungen waren", so Rusch.

Für die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes beim Land gibt es gesonderte Tarifverhandlungen. "Der Freistaat ist davon nicht betroffen. Jetzt muss man sehen, wie sich das in Thüringen auswirkt", sagt Innenminister Jörg Geibert (CDU).

Kernpunkte der Einigung

Lohnerhöhung

  • 6,3 Prozent verteilt über 2 Jahre; 3,5 zum 1. März 2012; 1,4 zum 1. Januar, 1,4 zum 1. August 2013
Auszubildende

  • Übernahme für 12 Monate garantiert, danach Entfristung bei Bewährung
  • 50 Euro mehr zum 1. März, weitere 40 zum 1. August
  • Übernahme der Fahrtkosten zur Berufsschule
Urlaub

  • 29 Tage für alle Tarifbeschäftigten
  • Ab 55 Jahren: 30 Tage
  • Besitzstandswahrung für alle Beschäftigten, die bereits 30 Tage haben
  • 27 Tage für Auszubildende
Sockelbetrag

  • Keine Erhöhung um pauschale Beträge über alle Lohngruppen
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Bernd Jentsch / 02.04.12 / TA
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Kommentare
04.04.12 - 23:08
arbeiter
ja da fühlt ihr ...[Teile des Kommentars gelöscht] ...euch wohl,wenn ihr kommentare von kritikern einfach löscht.aber deutschland wacht auf und sieht was hier passiert bzw wie ...[Teile des Kommentars gelöscht] ... wie ihr auf sed methoden setzen.einfach mal kritik zulasssen und dem sich stellen aber das kann weder ta noch die linke noch die sed. ich sage nur diktatur statt meinungsfreiheit
03.04.12 - 20:44
arbeiter
[Anmerkung der Redaktion: Der Kommentar wurde wegen Verstoßes gegen die Nutzungsbedingungen (Punkt 6.1) gelöscht. Bitte diskutieren Sie sachlich.]
03.04.12 - 08:51
rain
Tja, @nerz, auch wenn Sie sich als "arbeiter" tarnen, Ihre bescheuerte Interpunktion verrät Sie immer wieder. Da nützt auch die durchgehende Kleinschreibung nichts. I.Ü. kenne ich keine "meiner" Krankenschwestern oder Müllmänner, die mit einer Nobelkarosse heizen. Meines Wissens nach haben die eine Öl- oder Gasheizung :D.
03.04.12 - 07:15
arbeiter
was soll das gejammere im öffentlichen dienst?die arbeiten 37 stunden wenn überhaupt in der woche haben ein we sowie einen sicheren arbeitsplatz.ich arbeite 50 und mehr stunden unter der woche die dazu rollend ist also we fehlanzeige und das für unter 1000euro.ich fahre einen alten opel und diese jammerlappen heizen mit ihren nobelkarossen rum haben häuser usw. öd sollte endlich mal arbeiten gehn statt nur zu fordern und zu jammern
02.04.12 - 19:45
Demokrat
Hallo Nerz, du bist selbst offensichtlich eine Wertschöpfung im Hinblick auf Originalität und Intelligenz. Ohne ÖD funktioniert im Lande nichts, aber auch garnichts! Du solltes hier mal bekannt geben, wie du deine Brötchen verdienst.
02.04.12 - 15:32
rain
@nerz, Sie kommen natürlich als Sonderfall ganz ohne Krankenschwestern, Busfahrer, Kita-Erzieherinnen, Feuerwehrleute u.v.a. aus, um nur mal die unteren Chargen von der Bezahlung her zu nennen. Durch die Existenz eines ÖD ist in den meisten Fällen erst eine Wertschöpfung möglich. Darüber sollten SIE mal nachdenken. Ach so, selbstverständlich begrüße ich die Lohn- und Gehaltserhöhungen im ÖD. Kurbeln die Wirtschaft an und - man glaubt es kaum - die Wertschöpfung ebenso ;-).
02.04.12 - 12:32
Gerd
ich freu mich für die angestellten im öffentlichen dienst. ich selbst feiere nächstes jahr 10- jähriges jubiläum. 10 jahre ohne lohnerhöhung :-) ich erhalte also noch den selben lohn wie 2003. von 30 tagen urlaub oder fahrgeld kann ich auch nur träumen. einen tarif gibt es nicht und die bitte nach einer lohnerhöhung wird regelmäßig mit allen möglichen und unmöglichen argumenten (man wolle doch meinen arbeitsplatz nicht gefährden etc.) abgelehnt und so kann unsereins sehen wie er zurechtkommt.
02.04.12 - 12:25
nerz
Demokrat:Vielleicht mal nachdenken,was die von Ihnen genannten Beamten und der öffentliche Dienst zur Wertschöpfung in diesen Land beigetragen hat(bzw.nicht beigetragen hat)
02.04.12 - 11:32
Demokrat
Was soll das Gejammere vom fehlenden Geld! Solange die Kommunen sich noch Prachbauten und neue Fußballstadien leisten können ist die Lohnerhöhung mehr als gerechtfertigt, zumal in den letzten Jahren immer wieder im öffentlichen Dienst und bei den beamten gespart wurde.
 
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