Fête de la Musique: Erfurt und Weimar feiern Sommerbeginn

  • Das groovt: Amray tat sich im vorigen Jahr bei der Fête de la Musique in Erfurt keinen Zwang an - und tanzte. Archiv-Foto: Sascha Fromm Das groovt: Amray tat sich im vorigen Jahr bei der Fête de la Musique in Erfurt keinen Zwang an - und tanzte. Archiv-Foto: Sascha Fromm
Alles, was in seiner Macht stand, hat Wolfgang Beese getan: Der Erfurter SPD-Stadtrat - Spiritus Rektor für die Fête de la Musique in Erfurt - hat sogar eine Genehmigung zum Lärm-Immissionsschutz in der Tasche für den Fall, dass ein Anwohner klagt, weil er sich durch das Live-Musik-Fest zur Sommersonnenwende gestört fühlt.
Erfurt/Weimar. Eine entsprechende Drohung zumindest gab es schon. Doch sie dürfte die absolute Ausnahme sein, wenn sich Erfurts Altstadt heute wieder in ein musikalisches Quartier verwandelt und auf 25 Plätzen Künstler verschiedenster Musikrichtungen von 15 bis 22 Uhr Kostproben ihres Könnens bieten. Zum dritten Mal beteiligt sich die Landeshauptstadt an dem 1992 vom damaligen französischen Kulturminister Jack Lang initiierten Festival, mit dem inzwischen weltweit 340 Städte den längsten Tag des Jahres feiern. In den 90er Jahren war der frankophile Erfurter Beese bei einer Reise nach Frankreich zufällig in eine Fête de la Musique geraten und sofort schwer begeistert.

Doch es sollte noch Jahre dauern, bis er die Zeit fand, das Fest auch in Erfurt zu etablieren. Er wandte sich an die Stadtverwaltung, die zunächst kein Interesse bekundete beziehungsweise "auf vielen Seiten ausführte, warum und wieso das alles nicht geht. Das hat meinen Ehrgeiz angestachelt", bekennt der passionierte Musikfreund. Wolfgang Beese ließ nicht locker, bis die Fête de la Musique schließlich per Stadtratsbeschluss auf den Weg gebracht wurde. 2010 erlebte sie ihre Erfurt-Premiere - damals auf dreizehn Plätzen. Anders als die Veranstalter in Weimar, wo der Sommer heute Abend schon zum sechsten Mal musikalisch willkommen geheißen wird, legt der Erfurter Beese Wert auf die "reine Lehre". Und er bekennt sich auch dazu, in dieser Sache Dogmatiker zu sein.

So konterkariert aus seiner Sicht die Tatsache, dass die Musiker in Weimar gegen Honorar spielen, die der Fête zugrunde liegende Idee: nämlich dass Musiker ohne Gage open air auftreten und die Passanten "unvermittelt hinter jeder Ecke mit Musik überfallen". Solche Zufallsbegegnungen sind aus Beeses Sicht wichtig, wenn die Künstler ein neues Publikum für ihre Arbeit interessieren wollen. "Denn es sind doch sonst immer die gleichen, die wie ich zum Beispiel zum Sinfoniekonzert gehen." Musik sei ein Kosmos, "den viele nicht wahrnehmen". Zur Ursprungsidee gehört für Wolfgang Beese ferner, dass auch Kindern ein Podium geboten wird. Deshalb startet das Erfurter Festival bereits um 15 Uhr, während Weimar erst um 19 Uhr loslegt, dafür aber bis Mitternacht und damit zwei Stunden länger feiert. "Das ist zu spät, um Kinder spielen oder zuhören zu lassen", meint Wolfgang Beese, der zudem aus gutem Grund keinen Programmablauf veröffentlicht hat: Zwar erfahren die Erfurter, wo welcher Musik-Act zu erwarten ist, aber nicht zu welcher Zeit.

Sie sollen sich eben einfach überraschen lassen, sich auf Neues einlassen, als Klassik-Fan vielleicht plötzlich über eine Punk-Band stolpern. Denn auch die wird natürlich bei der Fête de la Musique vertreten und manches, wie Beese sagt, "schon ganz schöner Krach sein. Aber wem s nicht gefällt, der geht eben einfach weiter." Beese ist stolz darauf, dass sich das "Baby", das 2010 geboren wurde, so prächtig entwickelt hat noch dazu fast ohne Geld. Das geringe Budget, das es überhaupt braucht und das es dank einiger Sponsoren wie der Sparkasse Mittelthüringen gibt, wird unter anderem für Flyer und Plakate - beispielsweise 400 in ganz Thüringen verteilte im DIN-A1-Format -, benötigt, für Gebühren und auch für Toiletten.

"Dieses Jahr sind wir nämlich zum ersten Mal auch im Luisenpark, und dort mussten eben Toiletten aufgestellt werden." Was indes nicht in Beeses Macht steht ist, für das richtige Wetter zu sorgen. "Bei Regen gibt es kein Festival", sagt er - hegt aber die Hoffnung, dass es so kommt wie im Vorjahr: Auch da war s zum Sommeranfang ziemlich trübe - doch gegen 14 Uhr riss der Himmel auf und Erfurts Fête de la Musique durfte in Sonne baden.

Donnerstag, 15-22 Uhr, in der Erfurter Altstadt und 19 bis 24 Uhr in der Weimarer Innenstadt.

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Sibylle Göbel / 21.06.12 / TLZ
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