ADAC: Jenaer Betonpoller widersprechen Straßenbau-Regeln

  • Die Poller-Allee im Rautal ist auf 80 Beton-Elemente angewachsen. Foto: Thomas Beier Die Poller-Allee im Rautal ist auf 80 Beton-Elemente angewachsen. Foto: Thomas Beier
Die Zahl der an der Landstraße nach Closewitz aufgestellten Poller hat sich auf 80 erhöht. Anlieger sprechen von Panzersperren oder der Mauer (wir berichteten). Inzwischen meldet sich der Allgemeine Deutsche Automobilclub (ADAC) zu Wort. Er sieht den Bau der Poller im Widerspruch zu einer Richtlinie.
Jena. "Feste Hindernisse im Seitenraum einer Landstraße sind immer potenzielle Gefahrenquellen", sagt ADAC-Sprecherin Katrin Müllenbach-Schlimme. Bei einem Abkommensunfall steige die Unfallschwere dramatisch an, wenn ein Fahrzeug mit einem Hindernis kollidiere.

Nach den gültigen Richtlinien für den passiven Schutz an Straßen (RPS 2009) müssen neue Hindernisse (auch Bäume) im Seitenraum von Landstraßen nach Möglichkeit vermieden und - falls unvermeidlich - durch Schutzeinrichtungen abgesichert werden. "Das hat hier natürlich überhaupt keinen Sinn!", sagt Katrin Müllenbach-Schlimme. Dem ADAC sei ein solcher Fall, in dem Poller auf der freien Strecke installiert werden, auch noch nicht untergekommen.

Wenn die Stadt an dieser Stelle unbedingt das Parken im Seitenraum durch physische Maßnahmen unterbinden will, sollte sie eine Schutzplanke aufstellen. Die ADAC-Sprecherin: "Besser wären vermutlich Kontrollen und noch besser ein Parkplatz!"

Diese Zeitung bat auch die ortsansässige Dekra-Niederlassung und die Verkehrsbehörde der Stadt um eine Stellungnahme. Beide Einrichtungen fühlten sich nicht zuständig für das Pollerproblem. Die Gestaltung des Randstreifens obliege dem Kommunalservice Jena. Dieser begründet die Aufstellung der Poller mit dem Schutz der Bäume am Randstreifen und den Gefahren durch das Parken am Fahrbahnrand. Ein Fürsprecher des Polleraufbaus ist auch Nord-Ortsteilbürgermeister Siegfried Ferge: "Wegen uneinsichtiger Autofahrer gab es keine andere Möglichkeit, das Parken zu verhindern."

Die Aufstellung der Poller hat nach Angaben des KSJ etwa 3000 Euro gekostet. Inzwischen meldeten sich Leser in der Redaktion, die mitteilten, wie die Stadt dieses Geld hätte sinnvoller investieren können. Genannt wurden neue Spielgeräte für einen Spielplatz oder Verbesserungen am Jenaer Nordfriedhof.


Thomas Beier / 29.03.12 / TLZ
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Kommentare
29.03.12 - 10:54
Gerald Schmidt
Als Jenaer bekomme ich echt Angst vor diesen Beton-komponisten sog. KIJ und KSJ! Dürfen die sich denn wirklich alles erlauben ohne Recht und Gesetz und Beschlüsse im Jenaer Stadtrat einhalten zu müssen? Unser OB nannte einst die Jenaer Kommunalen Eigenbetriebe eine geniale Lösung. Jetzt ist klar warum, weil die dürfen betonbuchstäblich, ohne vorherige Ausschreibungen, alles. Wo kein Bürgerwille für Abschreibungsojekte vorhanden ist, wird in Betonmanier nachgeholfen und zwar sofort. Vielleicht sind die Betonpoller schon die neue Abgrenzung fürs Neubaugebiet "Zu den Winterlingen" Frau Schwarz?? Voranträge für den Grundbucheintrag liegen sicher schon vor. 3000,-€ das ist doch bei unserem Stadtkämmerer nur Geld aus der Portokasse, oder? Der ADAC ist weit und kümmert sich meist darum, neue Mitglieder zu werben!
29.03.12 - 09:53
ein hoffnungsvoller
So wie der Ob , so seine Verwaltung .Es wird Zeit das man die Herren in die Wüste jagt .
29.03.12 - 08:27
Hank
Vielleicht sollten einige Beton-Köpfe, statt Beton-Poller aufzustellen, einmal überlegen, WARUM dort geparkt wird und evtl. einen Parkplatz einrichten. Mal nebenbei: für Motorradfahrer sind diese idiotischen Gebilde besonders "nett".
 
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