Abkürzung für sechs Millionen: Bau der Weststraße in Saalfeld gestartet

  • Bauarbeiten in der Rudolstädter Straße in Saalfeld. Foto: Klaus Moritz Bauarbeiten in der Rudolstädter Straße in Saalfeld. Foto: Klaus Moritz
In Saalfeld erfolgte gestern der symbolische erste Spatenstich für den Bau der innerstädtischen Weststraße. Sie soll den Rainweg mit der Beulwitzer Straße verbinden und mehrere Kreuzungen der B 281 entlasten.
Saalfeld. Den besten Blick auf den Akt hatten die, die wegen Abriss ihrer Wohnungen hier bald nicht mehr sein werden: Bewohner eines Plattenbaus am Rainweg, unterhalb der Thüringen-Klinken. Direkt vor ihren Balkons erfolgte gestern Vormittag der symbolische Spatenstich für den Bau der Weststraße. An die 100 Leute, mindestens die Hälfte Offizielle, wollten sich das nicht entgehen lassen.

Die Großbaustelle Weststraße wird, so der Zeitplan eingehalten wird, für die nächsten 18 Monate das Bild im oberen Stadtgebiet Saalfelds mit bestimmen. Aus der Luft kann man die Schneise, die in einem großen Bogen vom Gewerbegebiet Mittlerer Watzenbach zum Krankenhaus geschlagen wird, schon gut erkennen. Die Baufahrzeuge der Firma August Dohrmann als Hauptauftragnehmer haben beim Freimachen des Baufeldes bereits ganze Arbeit geleistet, auch wenn der offizielle Bauvertrag erst gestern von Bürgermeister Matthias Graul (parteilos) an Dohrmann-Geschäftsführer Uwe Bergemann übergeben wurde.

Am Anfang und am Ende der exakt 854 Meter langen Verbindung wird es Kreisverkehre geben. Der eine mit einem Durchmesser von 26, der andere von 30 Metern. So werden Rainweg und Beulwitzer Straße möglichst konfliktarm angebunden.

Graul ging in seiner kurzen Rede auf die außergewöhnliche Geschichte dieser Baumaßnahme ein und sagte wörtlich: "Nach Jahren eines überaus großen politischen, wirtschaftlichen und bürgerschaftlichen Engagements einschließlich eines Bürgerentscheides und schon fast obligatorischen gerichtlichen Auseinandersetzungen kann die Stadt Saalfeld, unterstützt durch den Freistaat Thüringen, eine ihrer wichtigsten Infrastrukturmaßnahmen umsetzen."

Die neue Verbindung, die als innerstädtische Straße deklariert ist, wird vor allem den Effekt haben, die B 281 im Bereich Fingersteinkreuzung und Meininger-Hof-Kreuzung zu entlasten. Dies haben Verkehrsgutachten berechnet, die Grundlage für die Entscheidung waren. Darüber hinaus ist sie für Fahrzeugführer, die aus Schwarza kommend in Richtung Saalfelder Höhe wollen, ein ganzes Stück kürzer als der Verlauf der Bundesstraße. Die Abkürzung, die man u.a. mit der besseren Anbindung der Thüringen-Klinik begründete, kostet alles in allem rund 6,1 Millionen Euro. In den reinen Straßenbau fließt allerdings nur etwas mehr als die Hälfte des Betrages, denn auch in Sachen Nebenkosten ist die Weststraße etwas Besonderes.

So werden 1,5 Millionen Euro für Lärmschutzmaßnahmen aufgewendet. Anwohner, die bisher die sprichwörtliche Friedhofsruhe genossen, werden durch eine meterhohe Gabionenwand an der Straße abgeschirmt. Und auch für die Fledermäuse hat die Stadt etwas übrig. Zwei potenzielle Quartiere werden saniert, ein Fledermausschutzzaun soll die Brücke über das Siechenbachtal zieren. Einschließlich Ersatzpflanzungen von Bäumen sollen die Ausgleichsmaßnahmen in Sachen Naturschutz rund 300 000 Euro kosten. Fast eine weitere halbe Million gingen für Grunderwerb und Entschädigungen drauf.

Ausgebaut wird die Straße auf einer Breite von 6,50 Meter. Ein drei Meter breiter kombinierter Geh- und Radweg gehört inzwischen zum Standard.


Thomas Spanier / 03.04.12 / OTZ
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