Andreas Schlütter wird nicht Skilanglauf-Bundestrainer
Porträt
Ein erfahrenes Trio. Andreas Schlütter (links), der zurückgetretene Bundestrainer Jochen Behle (Mitte) und der Bad Lobensteiner Doppel-Weltmeister Axel Teichmann bei der Tour de Ski in Oberhof. Foto: Uwe Prinz
Der einstige Thüringer Olympia- und WM-Zweite Andreas Schlütter wird nicht Nachfolger von Langlauf-Bundestrainer Behle. Mit dem 39-jährigen Zella-Mehliser sprach Michael Voß über mögliche Kandidaten.
Nach dem Rücktritt von Jochen Behle sind Sie als Nachfolger im Gespräch. Was ist da dran?Ich war erstaunt. Es ehrt mich, dass sich einige Sportler für mich ausgesprochen haben. Die meisten kennen mich ja aus meiner aktiven Zeit. Aber ich sag es gleich: Ich werds nicht machen. Warum?Ich habe noch ein Semester meines Sport-Direktstudiums in Leipzig vor mir, fange in Kürze meine Master-Arbeit an. Bundestrainer ist jedoch ein Vollzeit-Job - gerade in dieser sensiblen Phase mit der WM 2013 in Val di Fiemme und danach Olympia 2014. Da ist so eine Aufgabenteilung nicht machbar. Das habe ich der Verbandsspitze in den Gesprächen auch so gesagt. Wie überrascht waren Sie von Behles Rücktritt?Sehr. Ich war ja bei der Klausur in Bad Griesbach dabei. Ich zolle seiner Entscheidung und auch dem Ablauf Respekt. Er hat immer gesagt: Wenn es eben nicht mehr geht, gehe ich. Da ist er sich treu geblieben. Was sind denn nun die hauptsächlichen Probleme?Der Wechsel zum Biathlon, den ja manche Frauen anstreben, jedenfalls nicht. Das ging doch früher, als zum Beispiel Katrin Apel zum Gewehr griff, ohne Tam-Tam vor sich. Auch wenn letzte Saison einige erhoffte Erfolge ausblieben: Der deutsche Langlauf hat Potenzial und vor allem im männlichen Bereich viele Talente in Thüringen. Bei den Frauen ist es problematischer, da muss man auch über neue Strukturen nachdenken. Haben Sie einen Favoriten als Bundestrainer-Nachfolger?Ja, aber den verkünde ich jetzt nicht. Es ist eine schwierige Situation, die der Verband bis Ende April gelöst haben sollte. Wir haben mit Janko Neuber, Stefan Dotzler, Cuno Schreyl, Bernd Raupach und anderen viele fähige, erfahrene Leute.
Wäre es nicht logisch, wenn nun der Altersbacher Cuno Schreyl dran wäre - der ja die ganze Erfolgsära hindurch im Hintergrund gearbeitet hat?Da bin ich befangen. Unter ihm hatte ich ja meine größten Erfolge. Die Frage ist aber: Was kommt dann? Er hat eine Vielzahl von jungen Leuten mit Tim Tscharnke und Thomas Bing an der Spitze zuletzt sehr gut entwickelt. Wer kümmert sich dann direkt um sie? Da wäre eine externe Besetzung der Chefposition vielleicht besser. Ist auch eine Variante mit Ex-Biathlon-Erfolgstrainer Frank Ullrich denkbar?Er wäre sicher ein sehr guter Kandidat - ist allerdings auch im Biathlon als Nachwuchs-Bundestrainer stark eingespannt. Eine Doppelfunktion auf solcher Ebene ist doch eher fraglich. Ullrich beriet zuletzt die sogenannte Ü-30-Truppe mit Axel Teichmann, Jens Filbrich und Tobias Angerer. Jochen Behle kritisierte, dass unter Ullrich Erfolge ausblieben und dass die Zuständigkeit zersplittere. Sehen Sie das ähnlich?Man muss erfahrenen Athleten auch zugestehen, neue Wege zu gehen. In dem Falle Reize bereits mit Blick nach Sotschi zu setzen. Man muss nun ohne Hektik das letzte Jahr analysieren. Fakt ist aber auch: Wir waren früher am harmonischsten und am besten, wenn bestimmte Trainingseinheiten auch zusammen bewältigt wurden. Werden Sie nach dem Studium beim DSV arbeiten?Gern. Der Verband hat mich sehr im Studium unterstützt - auch die Master-Arbeit kommt aus diesem Bereich. Ich hatte zudem im Sprintbereich als Trainer assistiert. Noch ist nichts fix - aber eine Chance wäre schön. Wie häufig stehen Sie selbst noch auf Skiern?Das letzte Mal am Rande des Weltcups in Oslo vor sechs Wochen. Aber ich trainiere täglich. Ja, ich muss es sogar: Als ich 2006 aufgehört hatte, bekam ich wegen zu wenig Bewegung große gesundheitliche Probleme. Deshalb musste ich dann auch mein Zahnmedizin-Studium aufgeben. Ich laufe und freue mich nun, wenn es warm wird, auf Rennrad-Einheiten. Schnee gibt es später wieder genug.
Andreas Schlütter wird nicht Skilanglauf-Bundestrainer
Kommentare
04.04.12 - 10:39
Jan Schmidt
Es läuft wie einst bei den Skispringern: Wenn Athleten der Erfolg in die Nase steigt, werden plötzlich Cheftrainer infrage gestellt und für deren Abgang gesorgt. Was danach kommt, muss man jetzt hier nicht weiter kommentieren - die Skispringer haben es vorgemacht.