Bekannte Eichsfelder gründen Band für ein Benefiz-Konzert
Porträt
Schwester Theresita ist "guter Dinge, dass das nächste Woche ein hörbares Ergebnis gibt". Sie wird mit der Querflöte zu "Boxer" von Simon and Garfunkel spielen. Foto: Elisabeth Hartleb
Was haben eine Nonne, ein Pfarrer, ein Jugendclubleiter, zwei Lehrer und zwei Politiker gemeinsam? Sie machen Musik, alle zusammen, im Eichsfeld. Wie das klingt? Das wird am 22. Januar zu hören sein. Aber vorher gibt es noch einiges zu tun.
Heiligenstadt. Erste Bandprobe, Montagabend, 18 Uhr im Konferenzraum des Jugendzentrums der Villa Lampe in Heiligenstadt, zwölf Tage vor dem Konzert: So nach und nach trudeln die Musiker ein, der eine mit, der andere ohne Koffer. Einiges an Equipment, ein Mischpult, ein Keyboard, Lautsprecher und diverse Kabel stehen schon bereit. "Der antiquierte Bass wird mit der Kneifzange gestimmt!", ruft Thomas Holzborn, Leiter der Villa Lampe, und lacht laut los. Tatsächlich, am alten Bass von Claudius Hille, Kreistagsfraktionsvorsitzender bei den Grünen, sind zwei Stimmflügel abgebrochen. Um den Bass auf die richtige Note zu stimmen, behilft sich Hille mit einer Zange. Er überlege schon länger, sich einen neuen E-Bass zu kaufen, dieser hier habe ihn aber schließlich schon seit seiner ersten Schülerband begleitet. Pfarrer Ralf Schultz von der evangelischen St.-Martin-Gemeinde Heiligenstadt haut sogleich am Keyboard in die Tasten. Die Lehrer Patrick Barton (Sänger bei den Funk-Roll-Brothers) und Rudolf Haase haben ihr "Instrument" dabei: ihre Stimme. Mit zwei ungewöhnlichen Koffern betritt Schwester Theresita Maria Müller, Leiterin der Berufsbildenden Bergschule, den Probenraum. Darin versteckt ein Schifferklavier und eine Querflöte. "Was will sie denn damit?", denkt sich der unbeteiligte Zuschauer, "Wollten sie hier nicht Rockmusik machen?" Und ob! Schnell finden die Musiker in ihre Rolle und zu dem passenden Instrument. "Wir haben viele Multiinstrumentalisten", lacht Thomas Holzborn, "je nachdem, wer den Griff am besten drin hat, spielt." Er selbst greift erst einmal zur E-Gitarre, zwischendurch gibt er aber auch mal den Schlagzeuger; trommelt, greift zum Tambourin oder spielt rhythmisch das Cajon, eine so genannte Kastentrommel. Erwin Hunold, Kreisfraktionsvorsitzender der CDU Eichsfeld, wird zum Auftritt die Gitarre spielen.
Die Idee, gemeinsam Musik zu machen, ist nicht ganz so neu. Pfarrer Schultz und Holzborn spielten bereits zum jüdischen Gedenken an der Synagoge am 9. November gemeinsam mit zwei Jugendlichen von der Villa. Bei der Organisation mehrerer Benefiz-Konzerte für die Aktion "Baustein Haiti" kamen Holzborn und Schwester Theresita erneut auf die Idee, zur "Alte-Leute-Prominentenband", wie Holzborn scherzhaft sagt. Er kenne einige Leute, die Musik machen. Denen sagte er Bescheid und schon kammen ganz spontan einige lokale Berühmtheiten zu Proben zusammen. "Wann sieht man schon mal einen Pfarrer abrocken", lacht Holzborn über die Idee. Einen kurzen treffenden Bandnamen hat Schwester Theresita parat: "Allstarband". Schnell einigen sich die passionierten Musiker auf die Musikrichtung: Rockmusik aus den 70ern. "Lasst uns erstmal alle Lieder anspielen, die wir dann in die engere Auswahl nehmen", schlägt Holzborn vor. Für Schwester Theresita muss "Boxer" von Simon and Garfunkel unbedingt ins Repertoire. Ganz klassisch spielt sie dazu die Querflöte. "Statt "d" ein "c"" korrigiert Schultz die Notenblätter, damit alles harmonisch klingt. Vier oder fünf Songs werden es am Ende sein, die die "Allstarband" beim Konzert nächste Woche zum Besten gibt. Ein Lied müsse unbedingt Schwester Theresita auf E-Gitarre spielen, findet Pfarrer Schultz. Ob sie das wirklich macht? Ist eine Überraschung am 22. Januar in der Stadthalle. Ach ja, das eigentliche Konzert geben die bunt schillernden "Sweety Glitter". Wer dann der wirkliche Hauptakt des Abends ist, das entscheidet das Publikum.