DVAG: Nur wenige bieten eine Rendite über der Inflationsrate

Erfurt. Wer im Augenblick in Deutschland Geld anlegen will, der hat es schwer. "Angesichts der Zinslage und der Inflationsraten gibt es nur wenige Anlagen, deren Rendite über der Inflation liegt", sagt Ralf-Joachim Götz. Er ist Direktor und Chefvolkswirt bei der Deutschen Vermögensberatung (DVAG), die in Thüringen auch im vergangenen Jahr ihren Kundenstamm deutlich erweitern konnte. "Fast alle Anlageformen unterliegen der realen Geldentwertung", stellt Götz fest. Eine Ausnahme bilden nach seinen Angaben gute Lebensversicherungen, die immer noch eine Rendite von mehr als vier Prozent abwerfen können.

Bei den Menschen spielt nach der Finanzkrise die Sicherheit bei der Geldanlage eine große Rolle, hat Götz festgestellt. Und gerade deshalb erleben Klassiker wie die Lebensversicherung derzeit eine Renaissance bei den Anlegern. Und was ist mit dem Goldboom? Götz: "Gold glänzt in Krisenzeiten. Es kann aber auch anders kommen. Der Goldpreis schwankt mitunter recht stark."

Viele suchen ihr Heil derzeit in Immobilien. Auch hier rät Götz zur Vorsicht, vor allem im Hinblick auf die demografische Entwicklung. "Es wird immer schwerer, sein Eigenheim zu verkaufen, wenn es nicht eine ausgesprochene Top-Lage hat." Deshalb sollten bei der Entscheidung für eine Wohnimmobilie nach seinem Rat drei Fragen im Mittelpunkt stehen: "Habe ich einen sicheren Job? Kann ich die Rückzahlung gewährleisten? Wie stabil ist meine Beziehung?" Denn: "Eine Immobilie ist immer so etwas wie eine Lebensinvestition."

Ein Ende des Euros sieht Götz noch nicht gekommen. "Die Regierungen haben kein Interesse an einem Zurück in die Kleinstaaterei." Das gelte auch für die großen Investoren. "Der Zusammenhalt des Euros muss uns auch einen gewissen Preis wert sein", wirbt Götz nachhaltig für die Gemeinschaftswährung. Allerdings hält er es auch für wichtig, dass sich die europäischen Länder an die Prinzipien der Haushaltsdisziplin halten. Das Misstrauen in den Euro hält er nicht für gerechtfertigt: "Die Geldentwertung ist geringer als zu D-Mark-Zeiten." Allerdings seien die Zinsen so niedrig, weil Deutschland trotzdem ein attraktives Anlageland ist.


Hartmut Kaczmarek / 27.03.12 / TLZ
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