Das neue, schmucke Anwesen mit seinen 20 Wohnplätzen auf dem Gänseried in der Gemeinde Körner steht immer noch leer. Foto: Daniel Volkmann
Noch immer ist das Demenz-Zentrum in Körner unbewohnt. Erste Mietverträge sollen aber vor dem Abschluss stehen. Der Landesverband des freien Trägers, die Awo, sieht die ländliche Struktur als ein mögliches Problem an.
Körner. Walter Pilger
, der Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt Mühlhausen (Awo), hört die Frage nicht gern. "Ich weiß, aus welcher Ecke sie kommt. Da wollen welche im Dorf, dass das Projekt scheitert", gibt er sich leicht zerknirscht auf die Frage nach der Zukunft der Wohnungen für Demenenzkranke in Körner. Schon im Januar 2011 war es übergeben worden. Doch die Wohnstätte schien am Bedarf vorbei geplant und gebaut worden sein. Am Leerstand hat sich nämlich nichts geändert. Jedenfalls nichts, was von außen sichtbar ist. Schnell hatte es anfangs zwar erste Interessenten gegeben, eingezogen aber ist noch niemand. "Inzwischen sind wir aber einen wichtigen Schritt weiter", meint Pilger. "Es ist nun geklärt, dass wir keine Einrichtung nach dem Heimgesetz sind." Die Entscheidung teilte Anfang des Jahres das Landesverwaltungsamt des Freistaates mit: Die Wohngruppen erhielten den Status als Haus, in dem ambulante Pflege stattfindet. Die Behörde unterstreicht so den Wohngruppen-Charakter dieses 2010 ins Leben gerufenen Projekts. Das heißt, dass die Mieter Anspruch haben auf Leistungen bei nachgewiesener pflegerischer und sozialhilferechtlicher Bedürftigkeit nach Sozialgesetzbuch. Damit ist für die Bewohner auch die Finanzierung geklärt, müssen sie keinen langen Kampf mehr vor Sozialgerichten befürchten. Davon, dass das Haus mit seinen zwei Wohngruppen und den 20 Plätzen bis zum Sommer belegt sein soll, wie man zur feierlichen Übergabe Anfang des Jahres noch hoffte, davon redet Pilger inzwischen nicht mehr. Das Ziel ist neu terminiert: Bis Ende 2012 wolle man eine Gruppe in dem Haus wohnen haben. Allerdings schränkt Pilger erstmals ein: "Gelingt das nicht, müssen wir uns eine andere Nutzung überlegen."
Inzwischen sollen die ersten Mietverhältnisse vor dem Abschluss stehen. Allerdings noch zu wenige: "Ich habe das Problem wohl unterschätzt", sagt Pilger und meint damit die Beschäftigung mit dem Thema Demenz. "Die setzt wohl doch erst ein, wenn die Krankheit bereits fortgeschritten ist und es einer schnellen Lösung bedarf."
Schlüsselübergabe vor über einem Jahr mit Walter Pilger, Sozialministerin Heike Taubert (SPD), Awo-Geschäftsführer Manfred Wiesler, Planer Jan Listemann (v.l.). Foto: Daniel Volkmann
Dass das Konzept der Betreuung auf dem Lande nach wie vor erfolgversprechend ist, davon rückt er nicht ab, will aber das Werben für sein Haus ausdehnen: "Die Nutzer müssen in einem Umkreis von 80 bis 100 Kilometer rekrutiert werden." Allein die Unstrut-Hainich-Region sei bei Weitem nicht ausreichend. So wolle man die Werbung bei Ärzten verstärken. "Viel versprechen wir uns auch von einer Awo-Aktionswoche im Frühsommer, wo wir in allen Einrichtungen auf die Wohngruppe in Körner hinweisen", so der Kreisvorsitzende. Übrigens gibt es bisher auf der Internetseite der Awo Mühlhausen und auch auf der des Landesverbandes nicht einen einzigen Hinweis auf das Haus. Der Thüringer Landesverband selbst, so sagt sein Pressesprecher Dirk Gersdorf, könne aufgrund der föderalen Struktur der Awo nur nach Aufforderung unterstützend tätig werden. Woran es liegt, dass das Haus in Körner noch immer leer steht, darüber könne er nur mutmaßen - "womöglich aber an der ländlichen Struktur; in Erfurt ist derzeit ein ähnliches Projekt in der Vorbereitung - und bereits gibt es Nachfragen."
Zahlen und Fakten
Eine Million Euro hat der Neubau direkt an der durch Körner führenden Bundesstraße gekostet.
200.000 Euro hat der Kreisverband der Awo Mühlhausen der Awo selbst investiert.
300.000 Euro kamen aus den unterschiedlichsten Fördertöpfen.
Nur acht Monate brauchte es vom ersten Spatenstich bis zur Übergabe des neuen Gebäudes.
Zwei Wohngruppen und 20 Plätze im Haus für Demenzkranke könnten sofort belegt werden.
Awo-Aktionswoche im Frühsommer soll für das Projekt werben.
Wohlfahrtsverband? Da sieht man mal diese trügerischen Bezeichnungen unter denen sich einzelne Personen persönlich unter dem Deckmantel der Gemeinnützigkeit ihren Lebensunterhalt selbstherrlich sichern. Wie kann ein gemeinnütziger (nicht gewinnorientierter nach dem Gesetz) Verein 200000 Euro einfach so in ein Luftschloß investieren? Woher kommt die nicht erläuterte andere halbe Millionen? Welchen Unternehmen wurde die Millionen für den Bau zugeschustert? In regulären Unternehmen gebe es bei solch einer Mißwirtschaft den Geschäftsführer schon nicht mehr. Warum merkt denn keiner, dass der AWO-Verein, genauso wie z.B. das Priorat einerseits die Kindergärtenbeiträge erhöhen und sich ihre Einrichtungen durch die Kommunen schön machen lassen und andererseits einfach mal so zigtausende Euro in den Sand setzen? Ist das der Vorteil freier Träger? Sicher nur für die dort Verantwortlichen, die sich bereichern.
03.04.12 - 21:03
t
Listemann und Pilger, ein Lehrbeispiel an Vetternwirtschaft und Ämtermißbrauch.
03.04.12 - 07:56
Stinkstiefel
Die haben sicher schon vergessen, dass sie das Haus gebaut und sicher auch wohin sie es gebaut haben....