Der zweite Versuch: 213 Millionen für Uniklinikum Jena
Porträt
Das ist ein Modell des Architekturbüros Woerner und Partner aus Dresden für ein Patientenzimmer
Bis zum Jahr 2018 soll in Lobeda-Ost in Jena das komplette Uniklinikum mit Ausnahme der psychiatrischen Abteilungen unterkommen. Die Bauarbeiten für den zweiten Abschnitt und das größte Bauprojekt in Thüringen beginnen 2013. Thüringen steuert zum 300 Millionen-Projekt 213,4 Millionen Euro bei.
Jena. Wissenschaftsminister Christoph Matschie
(SPD) überbrachte am Montag den Bescheid. Innerhalb der schwarz-roten Landesregierung hatte er lange für das Projekt kämpfen müssen.
Thüringens Wissenschaftsminister Christoph Matschie (SPD) hatte am Montag eine Zusage über 213 Millionen im Gepäck.
Schon im Wahlkampf 2009 hatte der damalige Ministerpräsident Dieter Althaus
(CDU) symbolisch den ersten Spatenstich gesetzt. Es sollte auf lange Zeit die einzige Erdbewegung auf dem Gelände bleiben. Laut Matschie war der Bau damals nicht "realistisch kalkuliert", der Finanzbedarf zu niedrig angesetzt. Zudem sah die frühere Variante noch einen dritten Bauabschnitt vor. Nun haben Land und Klinikum beide Abschnitte zusammengezogen. Matschie verhinderte seinen Worten zufolge eine Teilprivatisierung. "Ein Uniklinikum gehört in die öffentliche Hand", sagte der Minister. Das Klinikum selbst hat einen Eigenanteil von 85 Millionen Euro zu erbringen. Durch die Konzentration an einem Standort fallen Transportfahrten genauso weg wie Ausgaben für die Instandhaltung der alten Gebäude im Stadtzentrum. Zudem steige die Energieeffizienz, sagte Finanzvorstand Dr. Brunhilde Seidel-Kwem. Sie bezifferte die Einsparungen auf drei Millionen Euro pro Jahr, wovon der Eigenanteil finanziert werde. Zudem sei schon ein erheblicher Teil der angesetzten Eigenmittel für die Planung und ersten Arbeiten eingesetzt worden: 30 Millionen Euro sollen es bis Ende 2012 sein.
Der größte Teil floss in die Planung. Europaweit wird nun ein Generalauftragnehmer gesucht. Mit fünf bis acht Kandidaten rechnet das Klinikum, das aber "erheblich die regionale Bauwirtschaft einbeziehen will", sagte Seidel-Kwem. Im Frühjahr 2013 sollen die Arbeiten beginnen. Doch schon in diesem Jahr plant das Klinikum Umbauten etwa am Haupteingang oder am Dienstleistungszentrum, das erweitert wird. 2016 sollen die ersten Kliniken in neue Gebäude einziehen, sagte Dr. Karen Treuter, Leiterin des Geschäftsbereiches Neubau. Anschließend erfolge der Abriss der bestehenden Klinik für Innere Medizin, an deren Stelle weitere neue Versorgungszentren kommen.
Bei der Gestaltung sei aus den Erfahrungen des ersten Bauabschnittes gelernt worden. Es zeigte sich, das die Wege zwischen Bettenhäusern und Funktionsbereichen zu weit sind. "Stationen und Funktionsbereiche werden übereinander angeordnet, so dass Patienten geschützt auf kurzem Wege zu Untersuchungen und Behandlungen kommen", sagte Treuter. Bis zu sieben Etagen sollen die Neubauten haben. "Das wird ein großer Fortschritt für die Patienten", sagte Vorstandssprecher Prof. Klaus Höffken. Die Klinikumsleitung verspricht sich mit dem Neubau ein verbessertes Niveau der Krankenversorgung und entsprechend mehr Zulauf. Im vergangenen Jahr behandelte die Einrichtung 54 000 Menschen stationär und 120 000 ambulant, ein Plus von 2,6 Prozent. In den Neubau mit 730 Betten und zwölf Operationssälen ziehen 16 Kliniken und Institute ein. Für 2200 Studenten entstehen zwei Hörsäle und elf Seminarräume. Die Forscher freuen sich auf neue Labore. "Angesichts des Wettbewerbes ist das überlebenswichtig", sagte der wissenschaftliche Vorstand Prof. Klaus Benndorf. Noch ungeklärt ist, wer das Parkhaus mit 1300 Stellplätzen baut. Dieses Projekt soll in drei Jahren angegangen werden.