Die stellvertretende TLZ-Chefredakteurin Gerlinde Sommer kommentiert das Scheitern der Schlecker-Rettung.
Porträt
Natürlich: Es gibt im Handel ganz viele offene Stellen. Und außerdem ist die Branche im eigentlichen Sinne nicht systemrelevant. Das heißt: Das Land bricht nicht zusammen, nur weil Tausende Frauen nicht wissen, wie es jetzt für sie und ihre Familien weitergeht. Hinter all diesen Überlegungen steckt auch die fatale Überzeugung, es handele sich vor allem um Frauen, die sich wohl nur was dazuverdienen wollten. Sollen sie doch zur Arbeitsvermittlung gehen. Dann ist alles gut. Der Markt wird das regeln - für eine Handvoll Euro in der Stunde.So sehen das die einen, die letztlich das Sagen haben. Es geht hier aber nicht darum, ob für Anton Schlecker öffentliches Geld locker gemacht wird. Es geht um die Frauen, die schon bisher für eine nicht besonders attraktive, zugleich verantwortungsvolle und körperlich nicht immer leichte Aufgabe zu den Geringverdienerinnen gehörten. Ihnen hätte eine mehrmonatige Überbrückung in einer Transfergesellschaft gut getan. Ihnen würde auch helfen, wenn sie fit gemacht würden für einen Arbeitsmarkt, der mehr bietet als Geringverdienst im Handel.
Die Schleckerfrauen, die jetzt in die Arbeitslosigkeit geschickt werden, hätten zumindest verdient, dass endlich geregelt wird, was ihnen und anderen in ihrer Situation nicht zugemutet werden darf. Keine Hilfe sind Jobs, die von vorneweg so mies bezahlt werden, dass die Beschäftigten aufstocken müssen.