Althaus' Start in der Wirtschaft holpert. Foto: Marco Kneise
Der Autozulieferer Magna will wohl eine Autodesign-Firma kaufen was Vizepräsident Althaus zumindest indirekt bestätigte. Doch danach distanzierte sich der Konzern von der Aussage. Der frühere Regierungschef wirkt blamiert.
Erfurt. Eigentlich begann die Woche ganz gut für Dieter Althaus
. Am Montag saß er auf dem riesenhaften Parteitags-Podium in der Karlsruher Messehalle, zwischen all den Größen der CDU - so wie einst, als er noch Ministerpräsident von Thüringen war. Die Bundeskanzlerin fand ein paar warme Sätze des Abschieds, der Saal applaudierte, und wenig später, mit der Wahl des neuen Parteipräsidiums, war ganz offiziell die politischen Karriere vorbei. Am Dienstag saß Althaus schon wieder in seinem Büro, in einem Gewerbegebiet am Rande vom Wolfsburg. Als sogenannter Vice President Sales dient er dort dem österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna als eine Art Chefverkäufer für den Großkunden Volkswagen. Nebenbei soll er wohl auch in den Diensten des Konzerns seine politischen Kontakte pflegen, was Althaus aber auf Nachfrage regelmäßig weit von sich weist. Am Mittwoch äußerte sich der Vizepräsident der Nachrichtenagentur Bloomberg News zu angeblichen Plänen von Magna, das italienischen Autodesign-Unternehmen "Pininfarina" zu übernehmen. Der Kauf einer Firma dieses Typs, wurde Althaus zitiert, würde Magna " zusätzliche Kompetenzen in Entwicklungsangelegenheiten verleihen" - was man durchaus als Bestätigung der Spekulationen interpretieren durfte. Daraufhin rief die "Financial Times Deutschland" in der Europa-Zentrale von Magna im österreichischen Oberwaltersdorf an. Dort hieß es, man kommentiere die Aussagen des eigenen Vize-Präsidenten nicht, wobei man fein anfügte: "Herr Althaus hat keine Sprecherfunktion." Gestern nun interpretierte die Wirtschaftszeitung den Satz mit dieser Überschrift: "Magna demontiert Cheflobbyist Althaus", worauf "Spiegel-Online" in gewohnter Griffigkeit titelte, das Magna Althaus "vorführe". Spätestens da hatte der Politik-Betrieb ein Gesprächsthema.
Tatsächlich dürfte man im Unternehmen nicht amüsiert sein. Denn nach der Bestätigung der Kaufabsichten durch Althaus lege die Aktie von Pininfarina an der Börse in Mailand um immerhin 12 Prozent zu. Als schließlich der Handel mit dem Papier ausgesetzt wurde, war das Unternehmen innerhalb weniger Stunden um mehr als zehn Millionen Euro teurer geworden. Wie Althaus selbst die Angelegenheit reflektiert, bleibt vorerst im Ungewissen. Der Alt-Ministerpräsident war gestern nicht erreichbar. Er habe mehrere aufeinanderfolgende Termine, ließ seine Assistentin ausrichten und verwies auf die Konzernzentrale. In Oberwaltersdorf sagte eine Sprecherin, die Reaktion des Konzerns sei "nicht despektierlich" gegenüber Althaus gemeint, von einer Demontage könne erst recht keine Rede sein. Man habe nur eben mitgeteilt, dass man die Aussagen des Vize-Präsidenten nicht bestätigen können, und dass sowieso nur die Geschäftsführer - also die richtigen Chefs - befugt seien, dazu etwas zu sagen. Im Übrigen, sagte die Sprecherin, habe Althaus ja die Zuständigkeit für VW. Wenn er sich zu Geschäften in Italien äußere, dann sei das in etwa so, "als würde ich mich zum US-Raumfahrtprogramm äußern".
@nauz1 Meist wird mit dieser Art und Weise des Rückpfiffes das Ende eingeläutet. Die Interferenzen dabei aus dem Hause MAGNA zeigt die geringe Reputation des Althaus in diesem Hause. Laudite Jesus Christus
19.11.10 - 19:22
nauz1
Der Kommentar von Wolfgang Reinhardt trifft den Nagel auf den Kopf! Ein Ministerpräsident a.D. mit 100 T¿/a "Übergangsgeld" auf Lebenszeit (nach dem Thür. Ministergesetz, dass unter seiner Verantwortung aktualisiert und so eine Steuerverschwendung festschreibt) hat doch für die Vorgänge in der Wirtschaft gar keine Kompetenz! Typisch Politiker, sich überall "reinhängen", aber keine Ahnung haben! Der "Zurückpfiff" von MAGNA zeigt: "Jeder findet seinen Meister"!!!!!!!
19.11.10 - 10:01
rain
Also, Herr Debes, lese ich da eine gewisse Häme aus Ihrem Beitrag heraus? Das Umfallen eines Sackes Reis in Beijing hat für mich einen wesentlich höheren Sensations-Faktor. Na gut, einen gleichwertigen ;-.
19.11.10 - 08:41
Wolfgang Reinhardt
Hier zeigt sich wohl, dass Herr Althaus, gestützt durch die Kanzlerin und Herrn Vogel, zwar politische Strippen in Thüringen ziehen konnte, aber auf sich allein gestellt in der freien Wirtschaft nicht recht überlebensfähig ist. Wie denn auch? Was könnte denn einen ehemaligen Lehrer, der weder technische noch ökonomische Kenntnisse hat, dazu befähigen eine wesentliche Rolle in einem Autozuliefererbetrieb zu übernehmen? Für ihn galt und gilt das, was Herr Thomas Wieczorek in seinem Buch "Die Stümper" trefflich beschrieben hat. An den Schaltstellen der Politik (und z.T. auch der Wirtschaft) sind Leute anzutreffen, die vom Tuten und Blasen keine Ahnung haben. Wer einen Klempnerbetrieb eröffnen möchte, muss Meister des Faches sein, aber in der Politik kann man als Müllermeister Wirtschaftsminister oder als Lehrer Finanzminister werden usw. usf. Das kann doch für Deutschland nicht gut sein.