Diskussion zum Bauhaus-Museum: Ein Ort, der mitreißen kann
Porträt
30/03/2012 Foto:Peter Michaelis Klassik Stiftung Weimar, Diskussion Neubau Bauhaus Museum, Audimax, Jörg Friedrich
Engagiert, aber unaufgeregt diskutierten am Freitagabend die Zuhörer im gut gefüllten Audimax der Bauhaus-Universität Weimar über die vier vom Preisgericht bestimmten Entwürfe für das neue Bauhaus-Museum. Die Fragen an das Podium kreisten um den Geist des Bauhauses und den Kostenrahmen fürs Museum.
Weimar. Zwar begleitete mindestens ein Kopfschütteln jede Äußerung auf dem Podium oder aus dem Auditorium, doch die emotionalen Wogen schossen dank der - nur scheinbar redundanten - Einleitung des Moderators nicht allzu hoch: Andreas Postel, Leiter des ZDF-Landesstudios, hatte um kulturelle und intellektuelle Redebeiträge aus dem Publikum gebeten. Adressiert waren sie an den Juryvorsitzenden Professor Jörg Friedrich, Architekt u.a. der Erfurter Oper, die Direktorin des Bauhaus-Archivs Berlin, Annemarie Jaeggi, an Hans-Rudolf Meier, Professor für Denkmalpflege und Baugeschichte der Bauhaus-Universität, und an den Leiter des Stadtentwicklungsamtes Jena, Matthias Lerm. Mit der Hinwendung einerseits zur Stadt und andererseits zum Weimarhallenpark seien zwei klare Positionen in den Entwürfen auszumachen, fasste Jörg Friedrich eingangs zusammen. Auf die Frage hin, welchen "Strang" er persönlich bevorzuge, blieb Friedrich diplomatisch: Er habe in Bezug auf die Außenanlage Verbesserungswünsche geäußert, könne aber letztendlich alle Arbeiten vertreten. Auch betonte er mehrfach, dass keiner der Entwürfe wirklich "reif" gewesen sei, sondern alle Nachholbedarf hätten, und die Jury daher nicht den Fehler machen wollte, "auf Hauruck" einen ersten Platz zu küren. Den Geist des Bauhauses in allen Entwürfen vermisste Olaf Weber, Professor der Ästhetik (em.), ebenso wie eine Gruppe Studenten der Bauhaus-Universität. Müsste nicht die Avantgarde des Bauhauses Grundlage für dieses Museum sein, und sei Weimar überhaupt reif dafür, fragte Weber. Annemarie Jaeggi antwortete, dass die Kraft des Bauhauses gerade in seinen vielen Facetten spürbar sei. Das Bauhaus selbst wollte in die Zukunft hinein wirken, und exakt dieser Haltung sei die Jury gefolgt, um nicht dem Historismus zu verfallen. Weimar könne stolz sein auf dieses neue Bauhaus-Museum, sagte sie, denn das bisherige, kleine Haus genüge weder der Sammlung noch der Stellung des Bauhauses.
Das neue Haus biete die Chance, die Stadt mitzureißen und eine Art Anker der Stadtentwicklung zu sein, sagte Matthias Lerm. Als Scharnier und Kreuzpunkt zwischen den Zeitschichten könnte es den zwiespältigen Standort Minolplatz/Am Weimarhallenpark prägen. Nicht nur einmal wurde aus dem Publikum der Kostenrahmen hinterfragt. Die Jury habe dafür zu sorgen, dass damit gearbeitet werden kann, sagte Kulturminister Christoph Matschie
(SPD), selbst im Auditorium sitzend. Jörg Friedrichs Antwort, dass für die veranschlagten 14,5 Millionen Euro sehr wohl der Museumsbau zu bewerkstelligen sei, kommentierte ein Architekt aus dem Publikum lapidar mit "Viel Glück!".