Drei Wochen Eier aufhängen: Ostereierbaum in Saalfeld längst international berühmt
Porträt
Volker Kraft hängt in seinem Garten Ostereier in einen Apfelbaum. Foto: dapd
Der Saalfelder Ostereierbaum ist längst eine internationale Berühmtheit. Von einst 18 ist die Zahl der selbst gestalteten Schmuckstücke auf 10 000 gewachsen. Dabei soll es bleiben, finden die Krafts.
Saalfeld. Es ist vollbracht: Volker Kraft hat sich seinen Traum erfüllt. 10 000 Ostereier, darunter etliche Kunstwerke der filigranen Malerei, zieren den größten Obstbaum in seinem Garten im thüringischen Saalfeld, einen Klarapfelbaum. Die Zielmarke 10 000 sei ihm irgendwann in den Sinn gekommen, als er sah, wie der Baum von Jahr zu größer wurde, sagt der 75 Jahre alte Rentner. Vor fast einem halben Jahrhundert hatte alles mit 18 Eiern begonnen.
10.000 Ostereier hat das Ehepaar Kraft an den größten Obstbaum in ihrem Garten gehangen. Foto: dapd
Auch beim Aufhängen kommen Kraft und seine 74-jährige Frau Christa inzwischen an ihre Grenzen. "Das artet jetzt in Arbeit aus", sagt der "Eiermann" während des Schmückens. Auf der Leiter reichen sie gerade noch so an die oberen Äste. Da das Gelände abschüssig ist, müssen sie die Leitern mit Gurten fixieren. Drei Wochen lang dauert das Anhängen. Durch die jahrelange Übung und Routine schafft das Ehepaar etwa zwei Eier pro Minute. An guten Tagen kommen bis zu 1400 Eier an den Baum. "Wir fangen um 9 Uhr an und arbeiten bis zur Dämmerung", berichtet Kraft. Die Energie für den Schmückmarathon schöpfen sie aus dem Ergebnis. "Wenn der Baum fertig ist, setzen wir uns hin und es macht Spaß, ihn anzugucken", sagt Kraft. "Andere entspannen, wenn sie ins Aquarium schauen, und wir entspannen, wenn wir in den Baum schauen." Die Belohnung folgt auf dem Fuße: Das Strahlen der Kinderaugen ist für die beiden das Größte. Immer wieder drängen sich die Kinder am Zaun.
Mit dem Baum und der Eierzahl wuchs über die Jahre auch die Zahl der Besucher. 1995 entdeckten die lokalen Medien den Osterbaum mit damals 850 Eiern. 2003 erlangte er überregional Bekanntheit: Zeitungen aus Holland, Kuweit, später aus Österreich, Spanien, Australien, Thailand, USA und Südafrika berichteten. Für die Krafts war die Ruhe nun vorbei. "Wir konnten nur mit den Köpfen schütteln, was wir da angerichtet hatten", schreibt die Familie auf ihrer Internetseite. Allein im vergangenen Jahr seien weit über 8000 Schaulustige gekommen. Der Ostereierbaum hat sich inzwischen zu einer Touristenattraktion entwickelt. Sogar Reisebusse quälen sich die steile Straße "Auf den Rödern" hinauf. Die Tourist-Information des 30 000 Einwohner zählenden Städchens hat den Osterbaum als Sehenswürdigkeit aufgenommen. Manche Gäste der nahe gelegenen Reha-Klinik buchen ihre Aufenthalte laut Kraft vorzugsweise in der Osterzeit. Auf Holzbänken liegen Sitzkissen bereit, in der Laube bietet die Familie Ansichtskarten und kleine Andenken an. Eintritt nehme er hingegen aus Prinzip nicht, sagt Kraft. "Wir wollen, dass jeder Zugang zu dem Baum hat, unabhängig vom Geldbeutel." Angefangen hat alles einmal ganz klein: Mit 18 Plastikeiern und einem nicht mal mannshohen Apfelbäumchen im Jahr 1965. Der Baum wuchs und mit ihm die Anzahl der Eier. Die Familie begann, Eier auszublasen. Die drei Kinder bemalten sie. "Die ältesten Eier sind um die 40 Jahre alt", erzählt Kraft. "Die Ersten haben wir mit Fußbodenfarbe gestrichen oder was im Haushalt eben da war." Später kam die Tochter, Gabriela Rumrich, als Malerin hinzu. Unter ihrer Hand entstanden wahre Kunstwerke, Sehenswürdigkeiten der Welt und der Region en miniature: Das Saalfelder Rathaus, die vier Stadttore, der Eiffelturm, die New Yorker Twin Towers, die Freiheitsstatue, die Tower Bridge. Diese Gemälden gleichen Unikate liegen heute allerdings unter Glas, damit sie sicher vor Stürmen sind. 2003 gingen durch Frühlingsstürme 500 Eier zu Bruch, die gesammelte Charge eines ganzen Jahres. Über 400 Eier verloren die Krafts, als sie die nassen Eier nach dem Abschmücken zum Trocknen aufhängten und die Leine riss. Ihren Enthusiasmus dämpften diese Rückschläge jedoch nicht. "Solange wir noch können, gibt es diesen Osterbaum mit den 10 000 Eiern", verspricht Kraft. Mehr werden es wohl nicht mehr, denn die Lagerkapazitäten sind ausgeschöpft.