EM-Qualifikation: Landeka spielt für Kroatien gegen England
Porträt
Kroatinnen: Julia Simic (links) vom FC Bayern München und Iva Landeka vom FF USV Jena spielen in der Frauen-Bundesliga. Simic hat sich aber für die deutsche Nationalelf entschieden. Foto: Jürgen Scheere
Der Blick geht stets zur Flagge, eine Tricolore in Rot-Weiß-Blau, darauf geschacht in Rot und Silber das Wappen, das die fünf historischen Regionen des Landes trägt. Die rechte Hand geht auf das Herz. Dann erklingt die Melodei des heldenhaften lieben Landes, des alten Ruhmes Vätererbe. - Wir Kroaten sind schon ein stolzchen Völkchen. Sagt Iva Landeka und lacht.
Jena. So stolz, dass sie nicht verstehen kann, warum man nicht für Kroatien spielen möchte. "Verräter", sagt sie und lacht herzhaft. Adressat ist Julia Simic. "Hey, ich kann nicht mal kroatisch", sagt die 22 Jahre alte Mittelfeldspielerin des FC BayernMünchen. Nach deren Sieg in Jena brachte unsere Zeitung beide Spielerinnen zusammen. "Meine Mama ist Kroatin, mein Papa Deutscher", erzählt Simic. Den Dress der Nationalmannschaft der mütterlichen Heimat anzuziehen, sei ihr bisher nicht in den Sinn gekommen. Klar, es gab mal eine Anfrage. "Aber wenn man die Chance hat, für Deutschland zu spielen, dann sollte man die nutzen", sagt Simic. Der kroatische Frauenfußball hinkt hinterher, die Liga ist eher auf Freizeitbasis organisiert, die Nationalelf spielt im europäischen Vergleich kaum eine bedeutende Rolle - es mangelt schlicht an professionellen Strukturen. Eine wie Iva ist die große Ausnahme. Über das österreichische Klagenfurt und das polnische Radibor schaffte sie nun den Sprung in die beste Liga der Welt, die deutsche Frauen-Bundesliga. Iva Landeka ist zum Vorbild für viele Mädchen in Kroatien geworden: Seht her, wer fleißig trainiert, kann es packen.Hrvatska, wie die Nation in der Muttersprache heißt, ist eingestickt auf dem Dress der 22 Jahre alten Spielführerin, die seit Januar für den FF USV Jena spielt. "Wir sind vielleicht keine große Fußballnation. Aber wir arbeiten hart und ehrlich, um uns stetig zu verbessern", sagt Landeka. Am Samstag, 14.30 Uhr, steigt in Vrbovec, 30 Kilometer nordöstlich von Zagreb, das EM-Qualifkationsspiel gegen England. "Da drücke ich natürlich die Daumen und werde verfolgen, wie sich Iva schlägt", sagt Simic. Die Partie wird direkt im kroatischen Fernsehen übertragen - es ist erst das zweite Spiel der Landeka und Co. überhaupt, das derlei Ehre zu Teil wird.
Nach der Länderspielpause geht es für beide wieder zu ihren Vereinen. Die Bayern sind nach dem Sieg samt Simic-Lupfer im Abbesportfeld gerettet, der FF USV Jena selbst muss noch ein paar Punkte sammeln. "Aber die schaffen das", sagt Simic. Diesen Zuspruch nimmt Iva Landeka als Motivation. Viel gebe es noch zu verbessern - viel harte Arbeit sei vonnöten; in Verein und Nationalmannschaft. England morgen zu schlagen, das wäre schon ein Traum. "Dann wären die Kroaten wohl noch ein bisschen stolzer", sagt Landeka und lacht.