Ehemaliger Kriegsgefangener besuchte Stätten in Russland

  • Der Diedorfer Arthur Göbel war mit seiner Enkeltochter Caroline und der Familie auf historischer Spurensuche in der erblühten russischen Stadt Nowgorod. Foto: privat Der Diedorfer Arthur Göbel war mit seiner Enkeltochter Caroline und der Familie auf historischer Spurensuche in der erblühten russischen Stadt Nowgorod. Foto: privat
Nach 63 Jahren kehrte Arthur Göbel nach Nowgorod zurück, wo er als Kriegsgefangener der Roten Armee am Wiederaufbau der stark zerstörten russischen Stadt mitgeholfen hatte. Als sogenannter Spätheimkehrer war für den Diedorfer der Krieg erst am 22. September 1948 zu Ende.
Diedorf. Mit gerade einmal 18 Jahren musste der Eichsfelder 1943 in den Krieg ziehen. Ein Jahr später geriet er in Gefangenschaft.

Weil der heute 85-Jährige im Familienkreis oft von den schlimmen Kriegsereignissen erzählt hatte, baten ihn seine Kinder und Enkel, sein Leben niederzuschreiben. So entstand im vorigen Jahr das 350 Seiten dicke Buch "Chronik meines Lebens" mit einer bewegenden Geschichte voller Erinnerungen. Nicht weniger bewegend waren für Arthur Göbel und seine Familie jetzt die Eindrücke während der Reise an die Stätten der dunklen Vergangenheit.

Mit seiner Frau Hildegunde, den beiden Söhnen, Schwiegertöchtern und Enkelkindern unternahm der Eichsfelder Senior eine Reise nach Sankt Petersburg und in das etwa 180 Kilometer südlich liegende Nowgorod. "Ich wollte noch einmal das Haus sehen, das ich damals wieder mit aufgebaut habe", sagte Göbel.

Interessiert habe ihn natürlich auch, was aus dem damaligen Gefangenenlager geworden war. Wie das gesuchte Haus zu orten sei, dazu konnte er nur eine vage Beschreibung liefern. "Wir brauchten immer eine Stunde Fußmarsch vom Lager, haben den Kreml gesehen, gingen über eine Brücke und waren kurz danach an der Baustelle", erinnerte er sich an die Zeiten als Kriegsgefangener.

Da zuckten die russischen Reiseführerinnen mit den Achseln. Auch die Tatsache, dass es einst zwei Gefangenenlager für die deutschen Wehrmachtssoldaten in Nowgorod gab, machte die Suche nicht gerade leicht. "Vor 15 Jahren hat hier schon einmal jemand das Lager gesucht. Gehen sie da lang", sagte ein Einheimischer. Und plötzlich stand Arthur Göbel an dem früheren Gefangenenlager.

Es handelte sich um ein zerfallenes Viertel, aber die Gebäudestruktur und der Appellplatz von einst seien noch auszumachen gewesen. Zwei Jahre habe er dort verbringen müssen. Zuvor war er in drei anderen Lagern. Wie durch ein Wunder fand sich auch das Eckhaus an der Uliza Moskowskaja 44, an dessen Aufbau Arthur Göbel als Maurer mitgearbeitet hatte. Weil der junge Deutsche von den Sowjets als Spezialist anerkannt war, musste er unter anderem das beschädigte Gesims an dem Wohnhaus reparieren.

Besonders dankbar ist Arthur Göbel seiner Enkelin Caroline für die Vorbereitung der Tour, die drei Generationen Einblicke in die Geschichte gewährte.


Reiner Schmalzl / 25.07.11 / TA
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