Die besten Pressefotos - World Press Photo: Ein Zwerg unter Riesen
Porträt
Aufbau der Ausstellung World press photo 2010 in der Goethe Galerie: Axel Kobler und Volkmar Röhrig (von links) schauen in eine der Kisten mit den Bildern. Foto: Lutz Prager
Zum zwölften Mal machen die 200 besten Pressefotos der Welt für drei Wochen Station in Ostthüringen. Ab heute bis zum 4. Juni sind die Preisträgerbilder der brandneuen World Press Photo 2010 in der Goethe Galerie ausgestellt. Volkmar Röhrig erklärt, warum die World Press Photo zum 12. Mal in Jena zu sehen ist.
Jena. Jena als mit Abstand kleinster Ausstellungort unter 45 Weltmetropolen wie Hamburg, Berlin, New York, Paris oder Tokio, ist neben Leipzig die einzige Stadt in den neuen Bundesländern, in der die bewegendsten Nachrichtenbilder des Jahres 2009 gezeigt werden. Eröffnet wird die World Press Photo 2010 heute Nachmittag um 17 Uhr in der Goethe Galerie von Thüringens Landtagspräsidentin Birgit Dietzel (CDU), Jenas Oberbürgermeister Dr. Albrecht Schröter
(SPD) und OTZ-Chefredakteur Ullrich Erzigkeit.
Aufbau der Ausstellung World press photo 2010 in der Goethe Galerie Projektmanagerin Femke van der Falk
Wir sprachen mit Volkmar Röhrig, Inhaber der Leipziger Agentur K, der die Schau von Anfang an betreut. Herr Röhrig, Jena ist mit 100 000 Einwohnern seit 1999 der Zwerg unter den Ausstellungsstädten. Wie kam die Saalestadt zu der Ehre? Durch einen kuriosen Zufall. Eigentlich sollte die Ausstellung in Weimar anlässlich der Kulturhauptstadt Europas gezeigt werden. Dort konnte man uns aber keinen angemessenen Ausstellungsort zur Verfügung stellen. Es gab lediglich eine dunkle Turnhalle, außerhalb des Stadtzentrums. Da machte mich jemand darauf aufmerksam, dass ich mir doch mal die Uni in Jena anschauen solle. Das Foyer am Campus Ernst-Abbe-Platz war aber gleichsam ungeeignet für unseren Zweck. Ich war frustriert und wollte erst mal etwas essen und trinken. Man gab mir den Tipp, in die Goethe Galerie zu gehen. Plötzlich stand ich in der riesigen mit Glas überdachten Halle und der erste Gedanke: Das ist es! Alles andere ging dann Schlag auf Schlag. Beim Centermanagement wurde ich mit offenen Armen empfangen und es gab auch gleich Unterstützung durch die Mieter. Einige kannten die Ausstellung und befanden: Das ist eine tolle Geschichte für Jena. Die große Medien- und Publikumsresonanz nach der ersten Schau gab den Ausschlag, auch für die Amsterdamer World Press Foundation, dauerhaft zu bleiben. Mit 12 Ausstellungen, immer am gleichen Ort, hat Jena europaweit sogar einen Rekord der Kontinuität aufgestellt. Wissen denn die Bildjournalisten aus aller Welt, die Sie bei der Eröffnung der diesjährigen Schau am 2. Mai in Amsterdam getroffen haben, überhaupt etwas mit dem Begriff Jena anzufangen?
Ja, und das ist wirklich nicht geflunkert. Die Stadt ist Fotografen natürlich vor allem bekannt durch den Namen Carl Zeiss und die erstklassigen Objektive dieser Firma. Einige haben lediglich ein paar geographische Probleme mit der Stadt. James Nachtway, einer der berühmtesten Fotografen weltweit, wähnte Jena ganz weit im Süden, bei Ingolstadt. Angesichts amerikanischer Dimensionen sicher ein verzeihlicher Fehler. Sie sind in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal mit der World Press Photo in Jena zu Gast. Im Januar mit der Exposition 2009 und nicht einmal ein halbes Jahr später mit der Schau 2010. Wie kam es dazu? Das ist ein Sonderfall. Es ist fast unmöglich, zeitgleich mit der Weltausstellung in Amsterdam eine Schau hierher zu bekommen. Der einzige gesetzte Standort in Deutschland ist Hamburg. 2010 ist eine Ausstellung kurzfristig frei geworden, weil in der betreffenden Stadt die Ausstellungshalle nicht rechtzeitig fertig wurde. Wir haben sofort zugegriffen. Eine Schau zu einem solchen frühestmöglichen Zeitpunkt bekommen wir nicht wieder. Schaut man sich den Ausstellungskalender an, sind Einkaufszentren wie die Goethe Galerie als Veranstaltungsorte der World Press Photo die absolute Ausnahme. Wieso setzen Sie all die Jahre auf dieses Konzept? In vielen anderen Ländern hängen die Bilder in Botschaften, Galerien, Museen und an repräsentativen Orten. In New York steht die Ausstellung etwa im riesigen Foyer der Vereinten Nationen. Wir als Agentur suchen ganz bewusst öffentliche Räume , die von vielen Menschen frequentiert werden. Pressefotos richten sich immer an die Masse und wir bauen so wenig wie möglich Barrieren auf, um die Bilder zu zeigen. Die Leute müssen nicht zu uns kommen, wir stellen ihnen die Bilder in den Weg. Dazu gehört auch, dass die Ausstellung hier keinen Eintritt kostet, was nur aufgrund treuer Sponsoren wie etwa der Goethe Galerie und Zeitungsgruppe Thüringen möglich ist.