Erfurter Stasiknast erhält eine Polizeiwache

  • Stasiknast: Thomas Deufel will einen Ort des stillen Gedenkens.  Foto: Marco Schmidt Stasiknast: Thomas Deufel will einen Ort des stillen Gedenkens. Foto: Marco Schmidt
Wie umstritten der Umbau des Stasi-Knastes in der Erfurter Andreasstraße zu einer Gedenkstätte ist, zeigte jüngst eine TA-Diskussionsrunde. Am Montag lud das Thüringer Wissenschaftsministerium auf die Baustelle ein. Von den Opferverbänden war dazu niemand erschienen.
Erfurt. Die Blümchentapete ist derart bieder, dass man sich kaum vorstellen kann, dass dies ein Gefängnis war. "Das war Abteilung 9, das Verhörzimmer", berichtet Andrea Herz, die im Büro von Hildigund Neubert , der Thüringer Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen arbeitet. Von dieser Seite kam bislang die schärfste Kritik am Gedenkstättenkonzept für die Andreasstraße.

Nun wird hier ein Museum gebaut, dessen endgültige Nutzung ungeklärt ist. Gestern lud das Thüringer Bildungsministerium zum Rundgang ein, um über den 5,6 Millionen teuren Umbau zu informieren. Denn der Terminplan lässt kaum Spielraum zu, erklärt Ralph Holeschovsky, Niederlassungsleiter der Firma OFB Projektentwicklung.

Am 2. Mai wird mit dem Fundament für den Neubau begonnen. Während der markante Klinkerbau in den nächsten Wochen zum Bürohaus umgebaut werde, entsteht im Zellentrakt ein Museum. Auf dem Hof soll der Freigangbereich für die einstigen Häftlinge in Ansätzen wieder sichtbar gemacht werden. Dies werde der Ort für das stille Gedenken, sagte Bildungsstaatssekretär Thomas Deufel (SPD). Fest steht auch, dass das ehemalige Kommandantenhaus zu einer Polizeiwache umgebaut werden soll, führt Ralph Holeschovsky aus.

Um die Bauarbeiten gegenüber Kritikern transparent zu machen, soll es bis zur Eröffnung der Gedenkstätte im Juni 2012 öffentliche Führungen geben. Von den Opferverbänden, wie dem Verein "Freiheit", war zumindest am Montag niemand erschienen.


Karsten Jauch / 12.04.11 / TA
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Kommentare
13.04.11 - 16:06
mistergrossi
Zunächst finde ich es gut, dass eine Gedenkstätte eingerichtet wird, egal, ob groß oder klein. Seit Menschengedenken wurde in Gefängnissen fast immer auch Unrecht an Menschen begangen. Wenn man aus jedem Gefängnis eine große Gedenkstätte gemacht hätte, wäre es eng im Land geworden.
13.04.11 - 11:38
empört euch
@ Gustav Rust: "Warum werden die Gedenkstätten immer von weltfremden Bürokraten, also Außenstehenden gestaltet und die Vertreter der Verbände dürfen zusehen bzw. sollen alles abnicken?" --- Weil auf dem Gebiet der Ex-DDR größtenteils dieselben Herren und Damen am Ruder sind, welche schon vor 22 Jahren mehr oder weniger das Sagen hatten? Egal ob Ex-SEDler oder Ex-Blockflöte. Schauen Sie sich doch einmal um, wer da in Land und Kommune das Sagen hat.
13.04.11 - 09:42
Gustav Rust
Peter, warum ist es Dir offensichtlich peinlich, daß Geld für eine Gedenkstätte an die bolschewistische Diktatur bereitgestellt wird? Es ist ja möglich, daß Du Dich angepaßt hast, mitmarschiert bist. Mich befremdet nur, daß möglichst alle Spuren beseitigt werden, wie z.B. der Knast in Altenburg, mein Aufenthalt im dortigen HAL 1961. Am Mo., 14.8.61 erfuhren wir auf der Kippe vom Bau der Schandmauer in Berlin. Ich regte mich auf, konnte nach dem Einrücken gleich in Einzelhaft gehen und wurde nach Waldheim verlegt. Warum werden die Gedenkstätten immer von weltfremden Bürokraten, also Außenstehenden gestaltet und die Vertreter der Verbände dürfen zusehen bzw. sollen alles abnicken? Ist das die vielgepriesene Demokratie? Dann danke ich dafür! Freundliche Grüße, Gustav Rust, www.gustav-rust.de
12.04.11 - 16:12
Peter
Hier werden wieder Steuergelder sinnlos verpulvert! Viele Thüringer Kommunen müssen die Kita-Bebühren erhöhen, weil die Landeszuschüsse gestrichen werden! Aber dafür sind Gelder da!
 
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