FDP vermisst klaren Vorstellungen zum Pumpspeichern

  • "Die Landesregierung hat noch keine klaren Vorstellungen zum Bau neuer Pumpspeicherwerke im Freistaat", stellt Uwe Barth (FDP) fest. Archiv-Foto: Peter Michaelis "Die Landesregierung hat noch keine klaren Vorstellungen zum Bau neuer Pumpspeicherwerke im Freistaat", stellt Uwe Barth (FDP) fest. Archiv-Foto: Peter Michaelis
Die Erwiderung der Landesregierung auf die drei parlamentarischen Anfragen ist umfangreich. Auf immerhin 13 Seiten wird zum Thema Pumpspeicherwerke Stellung genommen. Der Gehalt der Antworten lässt aus der Sicht von Uwe Barth allerdings zu wünschen übrig. Sie seien lückenhaft oder äußerst vage, stellt der FDP-Fraktionsvorsitzende fest.
Erfurt. "Die Landesregierung hat noch keine klaren Vorstellungen zum Bau neuer Pumpspeicherwerke im Freistaat", resümiert er. Auffällig ist für den Liberalen nicht zuletzt die offenkundige Zurückhaltung des Umweltministeriums.

Doch die hat einen einfachen Grund. Die Federführung in diesem Bereich liege beim für Energie zuständigen beim Wirtschaftsministerium, heißt es aus dem Hause von Umweltminister Jürgen Reinholz (CDU), das sich um Umwelt- und Naturschutzbelange zu kümmern hat.

Der Freidemokrat befürchtet indes einen möglichen "Flurschaden" zum Beispiel im Bereich wasserwirtschaftlich wichtiger Talsperren. Die aufgeworfenen Fragen in diesem Zusammenhang seien nach Aussage der Landesregierung jedoch "vorerst zweitrangig und folgen im verfahrensrechtlichen Abwägungsprozess". Durch die im jetzigen Verfahrensstand getroffenen Entscheidungen könnten unumkehrbare Sachstände geschaffen werden, warnt Fraktionschef Barth.

13 potenzielle Standorte

13 potenzielle Standorte für Pumpspeicherwerke werden vom Wirtschaftsministerium aufgelistet. Darunter befinden sich die Talsperren Schmalwasser bei Tambach-Dietharz im Landkreis Gotha im Thüringer Wald mit einem Leitungspotenzial von 560 Megawatt sowie im ostthüringischen Landkreis Greiz: Hohenleuben (100 MW) und Weida (59 MW).

Eine Bewertung der Standorte bleibt die Regierung jedoch schuldig, was bei der FDP auf Unverständnis stößt. Für den Abgeordneten Dirk Bergner , selbst Diplom-Ingenieur für Bauwesen, sind die Äußerungen sogar "ingenieurtechnisch substanzarm". Bei der Planung von Pumpspeicherwerken sei die Lage von Ober- und Unterbecken durch topographische Zwangspunkte bestimmt, erklärt er. Diese Werte müssen vorliegen und könnten benannt werden, aber die Regierung bleibe dies schuldig.

Ohratalsperre nicht geeignet

Unterdessen scheint innerhalb der Koalition Einigkeit drüber zu bestehen, dass die von Südthüringer Unionspolitikern favorisierte Ohratalsperre als Speicher ungeeignet ist. Ex-Bauminister und Unionsvize Andreas Trautvetter und der Landrat des Ilmkreises, Benno Kaufhold , liebäugeln mit einem Skigebiet am Nordhang des Schneekopfes und würden es gerne sehen, dass das dort ausgewiesene Wasserschutzgebiet der Vergangenheit angehört. Doch Reinholz lehnt es zum einen selbst für Parteifreunde ab, seine Kräfte mit dem Umweltverbänden zu messen, weil die das dort weiter ausgewiesene Landschaftsschutzgebiet verteidigen dürften. Zum anderen hat eine nochmalige Prüfung ergeben, dass durch eine Abkoppelung der Ohratalsperre vom Fernwassernetz zu viel Kapazität für die Trinkwasserversorgung verloren gehe und die Umnutzung der Wasserquellen eine Bauzeit von etwa zehn Jahren bedeuten würde, so ein Ministeriumssprecher.

Trianel, der voraussichtliche Betreiber eines Schmalwasser-Pumpspeichers, dessen Kosten auf 500 Millionen Euro geschätzt werden, gibt eine Inbetriebnahme mit Ende 2021 an. Für die Liberalen ist das unrealistisch. Aus der Erfahrung mit der Talsperre Leibis und dem Pumpspeicherwerk Goldisthal fehle in dem optimistischen Zeitplan der Landesregierung in der Bauphase der Erkundungszeitraum, sagt Bauexperte Bergner. Dies könne zu Verzögerung und Verteuerung führen.


Elmar Otto / 03.04.12 / TLZ
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