Geraer Volleyball-Damen versöhnen mit starkem Endspurt

  • Die Geraerin Kailee May (schwarzes Jersey) schlägt den Ball über den Dresdner Block. Aus dem Spiel des Geraer VC gegen den Dresdner SC II (2:3). Foto: Klaus-Peter Hutzsch Die Geraerin Kailee May (schwarzes Jersey) schlägt den Ball über den Dresdner Block. Aus dem Spiel des Geraer VC gegen den Dresdner SC II (2:3). Foto: Klaus-Peter Hutzsch
Volleyball: Geraer VC nach dieser Saison auf Platz zehn im Elferfeld der Regionalliga. Deutliche Steigerung nach erfolgloser Hinrunde. Texanerin brachte frischen Wind in die Mannschaft.
Gera. Lässt man die ersten Runden einmal außer Acht, lagen die Damen des Geraer Volleyballclubs (GVC) in dieser Saison stets auf dem elften und letzten Platz der Regionalliga.

Erst am 20. und letzten Spieltag gaben sie die Rote Laterne durch ihren 3:2-Erfolg beim HSV Weimar an den SSV Fortschritt Lichtenstein ab. Also ist a der GVC ist am Ende Zehnter im Elferfeld. Gewiss keine berauschende Platzierung, aber es darf erinnert werden, dass Vorgänger Post SV Gera meist in den Kampf gegen den Abstieg verwickelt war. Platz drei unter neun Mannschaften in der Saison 2001/02 sowie Rang vier unter elf Teams 2002/03 waren rühmliche Ausnahmen.

Trainer Bork Immisch hatte zu Beginn des Spieljahres von einer "Saison des Lernens" gesprochen. Die Abgänge von vier Leistungsträgerinnen und einem Anschlusskader zu eben jenem HSV Weimar, den der GVC in der letzten Runde in dessen Halle 3:2 bezwang, rissen ein Loch, das nicht gestopft werden konnte. Mit "atmosphärischen Störungen" in der Geraer Mannschaft begründete ein Tribünengast, dessen "Name keine Rolle spielt", den schmerzlichen Vierer-Wechsel.

Die Spiele der Geraerinnen waren meist nicht schön anzusehen. "Keine Spielerin hat Regionalliga-Nivau", schrieb ein Anderer, der sich ebenfalls als Kenner des Geraer Volleyballs zu erkennen gab, ins Internet-Tagebuch des Vereins. Das klang brutal, war aber von der tatsächlichen Situation so weit nicht entfernt. Lange blieb das 3:2 über Lichtenstein der einzige Sieg. "Wir waren in der Hinrunde nicht konkurrenzfähig", bestätige Immisch, der in mancher Einschätzung auf dem Parkett sehr direkt werden konnte. Geradezu beschwörender Optimismus des jungen Trainers wurde über Wochen durch die Praxis widerlegt. Gera spielte erfolglos. Die Mängelliste wirkte schier endlos. Vor allem fehlender Druck über die Außenpositionen war ein Kritikpunkt.

Immisch verweist auf die Tatsache, dass sein "Minimalkader" noch dadurch geschwächt war, weil die jungen Anne Heinzl und Tina Kröber zunächst nicht spielberechtigt waren. Als sich nach abenteuerlich anmutendem Zulassungs-Gehabe des Verbandes endlich auch in der GVC-Ersten spielten durften, waren die "Jungschen" (Immisch) bald nicht mehr wegzudenken. Anne Heinzls Bänderriss unterbrach die starke Phase der jungen Frau.

Der Zugang von Kailee May zu Saison-Halbzeit gab Hoffnung. Beinahe überschwänglich begrüßt, brachte die US-Amerikanerin aus Texas frischen Wind in die Mannschaft. Bis in Volleyball-Kreise nach Berlin war man auf Miss May aufmerksam geworden, entsprechend groß die Erwartungshaltung. Doch das 1:3 gegen den VV Meiningen zeigte, dass eine Schwalbe keinen Sommer bringen konnte. "Es hat gedauert, bis alles eingespielt war", kommentierte Bork Immisch später. "Mit den ersten Siegen kam das Selbstvertrauen, wir wissen jetzt, dass wir gewinnen können."

Immisch hatte aber selbst noch in der Rückrunde beim 2:3 beim SSC Leipzig geschimpft: "Wir sind nicht regionalligatauglich, weil wir keine fünf Sätze hintereinander das gleiche Niveau bringen." Gera hatte eine 2:0-Führung aus der Hand gegeben. Immerhin, das Rückspiel in Lichtenstein (3:0), das Match in der kleinen Halle des Geraer Liebe-Gymnasiums über den Dresdner SSV (3:2) und eben das 3:2 von Weimar stockten das Geraer Punktkonto auf letztlich acht auf. Das ließ sich angesichts des schlechten Beginns sehen. Sehen lassen konnte sich vor allem das Heimspiel in der Panndorfhalle gegen den Dresdner SC II, als die Geraerinnen ihre beste Saisonpartie boten und 2:3, im Tiebreak 14:16, unterlagen. Gäbe es einen Volleyball-Gott dieses Match kann er nicht gesehen haben. "Eine Superleistung" bescheinigte Isabel Schwabe, die Dresdnerin aus der Geraer Volleyball-Schule, ihren einstigen Gefährtinnen. Das war nicht nur Höflichkeit einer Ex-Geraerin, die Reaktionen der Zuschauer bewies, hier wurde Volleyball auf erstaunlichem Niveau geboten. Rätselhaft, dass die bis auf Kailee May und zunächst Tina Kröber gleiche Mannschaft aufspielte, die in der Hinrunde dermaßen enttäuscht hatte.


Peter Langenhagen / 29.03.12 / OTZ
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