Gothaer Paar wegen Mordes vor Gericht

  • Weil sie einen 44-jähringen Mann zu Tode misshandelt haben, steht ein Paar aus Gotha in Karlsruhe vor Gericht. Foto: Peter Michaelis Weil sie einen 44-jähringen Mann zu Tode misshandelt haben, steht ein Paar aus Gotha in Karlsruhe vor Gericht. Foto: Peter Michaelis
Wegen eines grausamen Verbrechens stehen derzeit ein 32-jähriger Mann und eine 30-jährige Frau aus Gotha vor dem Karlsruher Landgericht. Den beiden wird vorgeworfen, einen 44-jährigen Ukrainer, Juri A., gemeinschaftlich ermordet zu haben.
Karlsruhe/Gotha. Die Frau soll das spätere Opfer, das zuletzt im badischen Pforzheim lebte, am 7. Januar 2011 nach Gotha gelockt haben. Dort habe der Angeklagte den Ukrainer misshandelt und ihm mit Fäusten ins Gesicht geschlagen. Seine Komplizin soll Juri A. schließlich mit einem Fleischhammer mehrfach auf den Kopf geschlagen haben. Anschließend soll das mit dem Tod ringende Opfer von dem Duo heftig gewürgt worden sein. Noch in der Nacht habe sich das Paar ins Auto gesetzt, um den Schwerverletzten zu einem Arzt nach Pforzheim zu bringen.

In der Stadt am Rande des Nordschwarzwalds hätten sie einen Bekannten getroffen, der sie schließlich überredet habe, zur medizinischen Versorgung des Schwerverletzten zu einem Verwandten ins nahe Frankreich zu fahren. Jener Bekannte sei schließlich mit dem stark blutenden Opfer ins Elsass gefahren und sei nach etwa einer Stunde wiedergekommen - alleine und mit dem Hinweis, es sei alles erledigt.

Oberstaatsanwalt Christoph Reichert bezweifelte diese Tatversion der beiden Angeklagten erheblich. Der von dem Duo beschuldigte "dritte Mann" habe eine Beteiligung bestritten und sich zum Tatzeitpunkt nachweislich an einem anderen Ort aufgehalten. Den Toten fand die Polizei in einem Gebüsch im elsässischen Lauterbourg - kurz hinter der Grenze, unweit von Karlsruhe.

Zunächst tappte die Gendarmerie einige Zeit im Dunkeln - das Opfer konnte nicht sofort identifiziert werden. Erst als die französische Polizei Kontakt mit den Kollegen in Baden-Württemberg aufnahm, klärte sich die Identität des Opfers. Der in Pforzheim lebende Juri A. war kurz zuvor von seiner geschiedenen Frau vermisst gemeldet worden.

Die Tatversion des Angeklagten hielt der Oberstaatsanwalt für alles andere als glaubhaft. In gebrochenem Deutsch hatte der Verdächtige das Geschehen Anfang 2011 äußerst ausführlich beschrieben. Er gab zwar an, das Opfer geschlagen zu haben; für seinen Tod wolle er aber nicht verantwortlich sein. Für den Mord sei der Bekannte aus Tonna - der jedoch ein Alibi vorweisen konnte - verantwortlich.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hätten jedoch vielmehr der 32-jährige Tatverdächtige und die Frau den 44-Jährigen ermordet, den Toten in den Kofferraum ihres Autos gelegt und die Leiche anschließend unweit der Grenze in Frankreich "entsorgt", um die Tat zu verschleiern.

Das Duo habe die Hoffnung gehegt, dass in dem anderen Land der Fall nicht so schnell aufgeklärt werde. Der 32-Jährige, der bereits fünf Jahre wegen Totschlags im Gefängnis saß, beschwörte vor der Schwurgerichtskammer in Karlsruhe weiter seine Unschuld.

Die Schuld suchte er beim späteren Opfer, dass gegenüber der Frau aus Gotha anzügliche Bemerkungen gemacht und sie beleidigt haben soll. "Wir haben viel Bier getrunken und ziemlich lange gefeiert. Wir sind immer wieder zum Supermarkt gefahren", sagte der unscheinbar wirkende Mann mit Halbglatze in einem seiner Monologe. Irgendwann sei die Situation schließlich eskaliert. Keinerlei Angaben zur Tat und zu ihrer Person wollte die zierliche Frau aus Thüringen mit dem zum Pferdeschwanz geflochtenen, schwarzen Haar machen.

Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt. Insgesamt sind acht Verhandlungstage terminiert. Ein Urteil ist für Ende April vorgesehen.


Volker Knopf / 04.04.12 / TLZ
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