Harald Reiner Gratz lädt in Erfurter Galerie Rothamel ein

  • Harald Reiner Gratz stellt derzeit seine Werke sowohl in Weimar (Neues Museum) als auch in Erfurt (Galerie Rothamel) aus. Foto: Marco Kneise Harald Reiner Gratz stellt derzeit seine Werke sowohl in Weimar (Neues Museum) als auch in Erfurt (Galerie Rothamel) aus. Foto: Marco Kneise
In der Erfurter Galerie Rothamel entlässt der Künstler Harald Reiner Gratz "Die Familie" auf seine Malgründe.
Erfurt. Er will doch nur malen, Harald Reiner Gratz, der Wahl-Schmalkalder. Während er in Weimars Neuem Museum noch bis zum 15. April im Langzeitprojekt den "Spieler" Thomas Thieme bildnerisch beobachtet, lädt er seit dem Wochenende in der Erfurter Galerie Rothamel in seinen Mikrokosmos "Die Familie" ein.

Gratz, der Vollblutmaler, geboren 1962 in Schnellbach, Absolvent der Hallenser Burg Giebichenstein und Gastkünstler von der Villa Romana bis in die USA, entführt in Erfurt einmal mehr rasant in eine Bühnenwelt (erinnert sei hier an sein furioses Figurentheater "Penthesilea"). Dazu hat er die Leinwände in großen und kleinen Formaten zum Schauen mit Menschen, Tieren und Landschaften zu atmosphärischen Geschichten belebt.

Ein Rollenspiel wird unter seiner Regie aufgeführt, in dem ihm bekannte oder ersonnene Akteure ihre im spontanen Pinsel-Duktus bestimmten Plätze einnehmen. Wohl lautet das Oberthema Familie, doch legt Harald Reiner Gratz jenes in seinem Kopfkino so breit aus, dass ebenso expressiv Platz ist für Vater, Mutter, Schimpanse wie für Judith und den kopflosen Holofernes oder den Terroristen Carlos und eine der ihn schützenden Frauen.

"Ach", sagt der Maler mit einem bestimmten Lächeln, "ich stehe ganz auf Familie; sie ist für mich ein Labor für den Umgang mit der Welt, zwischen Geborgensein und Verletzung". Und manchmal wohl auch "Dschungel", wie ein zur Abstraktion neigendes Tableau heißt, das für ein Kommen und Vergehen alles Irdischen steht.

An dem Betrachter ist es, seine Erfahrungen einzubringen, wenn auf der "Bühne" ein Erhängter, ein Schneemann und eine nackte Femme fatale rätselhaft nachbarlich verbunden werden. Es macht Vergnügen, den vital vorgetragenen Assoziationen und Ansichten von Fremdem und Vertrautem nachzuspüren, in denen es bei allem Inhalt manchmal auch mehr um die Form, die Farbsetzung oder das Licht geht.

Schließlich werden im Kleinformat auch die weniger symbolträchtigen Orte eines stillen Lebens vorgestellt, die der Familie (gerade in der Karwoche) ein versöhnliches Umfeld mit Wohnung und Landschaft schaffen. Für das Blatt 3 der TA-Galerie bekannte Gratz schon 1997: "Mit geht es darum, Umbruchzeiten über Persönlichkeiten festzumachen." Daran hat sich nichts geändert.

Etwa im Dreijahresrhythmus darf man mit einer neuen Malphase bei ihm rechnen; sein "total von Energie und Inspiration" bestimmtes so facettenreiches Bühnenspiel geht weiter...

  • Die Ausstellung in der Kleinen Arche 1a ist bis 5. Mai zu besichtigen.
  • Dienstag bis Freitag von 14 bis 19 Uhr, Samstag von 11 bis 16 Uhr geöffnet.

Wolfgang Leissling / 02.04.12 / TA
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