In Erfurt lassen sich junge Männer zu Priestern ausbilden

  • Diakon Christian Hecht (M.) und die Priesteramtsanwärter Phillip Janek (r.) und Florian Mross in Erfurt am Kreuzgang des Doms. Jeden Montagabend müssen die jungen Männer im Erfurter Priesterseminar die Stille aushalten. Foto: Jens-Ulrich Koch/dapd Diakon Christian Hecht (M.) und die Priesteramtsanwärter Phillip Janek (r.) und Florian Mross in Erfurt am Kreuzgang des Doms. Jeden Montagabend müssen die jungen Männer im Erfurter Priesterseminar die Stille aushalten. Foto: Jens-Ulrich Koch/dapd
Jeden Montagabend müssen die jungen Männer im Erfurter Priesterseminar die Stille aushalten. Dann sitzen sie in ihren Zimmern oder in der Kapelle und bleiben einfach nur allein.
Erfurt. Während des geistlichen Abends empfangen sie keinen Besuch, hören keine Musik, schauen keine Filme, sondern lesen, denken nach oder beten. Sie müssen lernen, wie es ist, allein zu sein, denn sie werden ein Leben ohne Ehefrau und ohne eigene Kinder führen.

Derzeit lassen sich 27 Kandidaten aus den ostdeutschen Bistümern Berlin, Dresden-Meißen, Erfurt, Görlitz und Magdeburg in Erfurt zum Priester ausbilden. Christian Hecht ist einer von ihnen. Der 27-Jährige hat das Studium bereits abgeschlossen und wurde vor einem Jahr zum Diakon geweiht. Derzeit sammelt er im Pastoralkurs praktische Erfahrungen und bereitet sich auf die Weihe zum Priester vor.

In den vergangenen Monaten arbeitete er in einer Gemeinde in Dresden, in der er Gottesdienste, Predigten und Taufen abhielt. Auch die Betreuung älterer Menschen gehörte zu seinen Aufgaben. "Die Krankenbesuche kosten viel Kraft, man muss genau hinhören, was die Menschen sagen. Aber sie geben mir so viel zurück, es ist ein toller Beruf", sagt Hecht.

Siebenjährige Ausbildung

Rund sieben Jahre dauert die Ausbildung zum Priester, fünf davon verbringen die Anwärter während des Philosophie- und Theologiestudiums in Erfurt, wo sie im Seminar eine sogenannte geistliche Prägung erhalten. Ein Jahr verbringen die Priesteramtskandidaten im Ausland und ein Jahr sammeln sie praktische Erfahrungen in einer Gemeinde.

Die Kandidaten sind in einem Wohnheim unweit des Erfurter Doms untergebracht. Jeder hat sein eigenes, etwa 13 Quadratmeter großes Zimmer, das mit Tisch, Schrank, Bett, Stuhl, Schreibtisch und Regalen ausgestattet ist. Vier Monate vor dem Papstbesuch ist das Wohnheim der Priesteramtsanwärter so geschützt wie nie zuvor. Externe dürfen das Haus, das Benedikt XVI. möglicherweise als Unterkunft dienen wird, nicht mehr betreten.

Es sei schon immer schwierig gewesen, Nachwuchs zu gewinnen, sagt der Leiter des Erfurter Priesterseminars, Wolfgang Ipolt. Neben dem Abitur brauchen die Interessenten eine Empfehlung des Bischofs. Zudem müssen sie sich ärztlich untersuchen lassen. «Priester wird man auf Lebenszeit», sagt Ipolt. «Wenn die Anwärter gesundheitlich angeschlagen, psychisch belastet, im Unreinen mit dem eigenen Leben sind und falsche Vorstellungen vom Priesterberuf haben, rate ich ihnen von der Ausbildung ab.»

Nur jeder zweite bringt die Ausbildung zu Ende

Bevor die Kandidaten ins Priesterseminar kommen, müssen sie ein Jahr das sogenannte Propädeutikum in Bamberg ableisten. In dieser einjährigen Vorphase des Studiums wohnen die Anwärter bereits unter einem Dach und sollen darüber nachdenken, ob sie dieses Leben wirklich führen wollen. "Die Kandidaten setzen alles auf eine Karte, sie setzen alles auf Gott", sagt Ipolt. Dies bedeutet auch ein Leben im Zölibat. Etwa die Hälfte aller Priesteramtskandidaten bringt die Ausbildung zu Ende. Manche erkennen, dass es doch nicht ihre Berufung ist, Priester zu werden, andere schreckt die Lebensweise der Geistlichen ab.

Der Tagesablauf der Priesteramtsanwärter ist klar durchstrukturiert. Jeden Morgen um sieben Uhr versammeln sich die Kandidaten zu einer Heiligen Messe, dann frühstücken sie gemeinsam. Bis zum Mittag haben sie Zeit zum selbstständigen Lernen oder für Seminare und Vorlesungen an der Universität. Um 12.15 Uhr treffen sie sich zum Mittagsgebet, anschließend essen sie zusammen. Bis zum Abendessen haben die Priesteramtskandidaten wieder Zeit für ihre Studien. Hinzu kommen Bibelkunde sowie Sprech- und Gesangstraining.

An den Wochenenden gestalten sie entweder Gottesdienste mit, besuchen andere Pfarreien, um die Arbeit des dortigen Priesters kennenzulernen oder kommen zur Einkehr zusammen. Finanzieren müssen sich die Priesteramtsanwärter wie andere Studenten auch - über Bafög, die Eltern oder Nebenjobs. Für Vollpension und Unterkunft zahlen die jungen Männer 260 Euro im Monat.

Trotz des strengen Tagesprogramms, der wenigen Freizeit, der zölibatären Lebensweise und der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche ist sich Diakon Christian Hecht sicher, diesen Weg gehen zu wollen. Obwohl ihn die jüngsten Skandale schockiert hätten, habe er weiter Vertrauen in die Kirche. "Einige sind schuldig geworden, aber deswegen kann ich den Verdachtsfall nicht auf alle ausweiten". Bald ist seine Ausbildung abgeschlossen. Zu Pfingsten wird Hecht zum Priester geweiht.


Kristin Haug / 16.05.11 / dapd
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Kommentare
18.08.11 - 09:57
Alex Erfurt
...und Finger weg von kleinen Jungs!!!
25.05.11 - 16:21
TOM
Ich ziehe den Hut vor Jedem, der sich "auf den Weg macht", um Priester zu werden - das ist eine Lebensentscheidung, die Respekt verdient (dies an die vorherigen "Kommentatoren"). Jeder ist seines Glückes Schmied und Gottvertrauen hat noch keinem geschadet; im Gegenteil: es gibt vielen Menschen Mut und Halt; so auch diesen jungen Priesteramtanwärtern. Sich beim Kommentieren auf Details wie Kosten für Unterkunft und Verpflegung zu stürzen, geht meiner Meinung nach völlig am Tenor dieses Artikes vorbei und zeigt, wess Geistes Kind man ist... Und zu "Evangelischer" sei gesagt: Sippenhaft existiert nicht! Und ein Leben wider die Natur sieht m. E. nach ander aus.
18.05.11 - 10:24
Freier Christ
Für Unterkunft und Vollpension 260,-¿. Soviel zahlen Eltern für einen Kindergartenplatz mit Mittagessen. Ein Medizinstudent, der später mit Sicherheit mehr für die Menschheit leistet als ein Priester hat dies Vorteile nicht. Warum diese himmelschreiende Ungleichbehandlung?
16.05.11 - 18:47
Thorsten Berger
Zwei Dinge sind unendlich: menschlliche Dummheit und das Universum. Wobei sich Einstein beim Universum nicht sicher war. Insofern ist wohl für alle Zeiten für Nachwuchs gesorgt.
16.05.11 - 17:56
Evangelischer
Ein Leben wider der Natur. Und sich dann wundern, wenn Priester sich "vergreifen". Oh Gott, wie fern bist Du, dass Du so etwas zuläßt!
 
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