In Mühlhausen entstehen Bürger-Photovoltaikanlagen
Porträt
Gegen Interessenten wie Boreas, SRU Solar oder hiesige Planungsbüros wollen sich die Stadtwerke durchsetzen und hier Solaranlagen errichten lassen. Foto: Nico Kiesel
Die Sondershäuser Stadtwerke wollen in der Schachtstraße Bürgersolaranlagen errichten, in die jeder investieren kann. Erschlossene Hanglagen im Gewerbegebiet, die nicht verkauft werden können, werden bebaut.
Sondershausen. Einstimmig winkten die Abgeordneten des Sondershäuser Stadtrates in ihrer jüngsten Sitzung die Errichtung einer sogenannten Bürger-Photovoltaikanlage im Gewerbegebiet Schachtstraße durch die Stadtwerke durch, für die eigens eine Unter-Gesellschaft gegründet werden muss. Geplant ist, auf 3,6 Hektar erschlossener Gewerbegebietsfläche Solarmodule zu installieren, die spätestens am 30. Juni dieses Jahres Strom liefern. Der Termin ist so eng gesetzt, weil die Bundesregierung ständig ihre Fördersätze für Solarstrom nach unten korrigiert. Will man damit noch Geld verdienen, muss das Ganze bis Mitte des Jahres in trockenen Tüchern sein, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Wilhelm Schreier. Für den Aufbau der Photovoltaikanlage nutzt man nur sehr hangige Flächen, die bis heute nicht verkauft werden konnten, bestätigte Uwe Dönhoff von der Wirtschaftsförderung der Stadt auf eine entsprechende Anfrage von Nubi-Stadtrat Gerhard Axt. Weil man die Flächen nicht an den Mann bringen konnte, waren sie in den vergangenen 15 Jahren an Landwirte verpachtet. Für die nächsten 20 Jahre dienen sie nun als Standort für die Bürgersolaranlage. Gewerbegebietsflächen seien damit aber nicht knapp, man halte 35 erschlossene Hektar vor, die man interessierten Investoren jederzeit anbieten könne, schob Dönhoff nach. Ganz versiegelt werden die 3,6 Hektar Hanglage nicht, denn nur auf 26 Prozent der Fläche werden Solarmodule aufgebaut, erläutert Wilhelm Schreier.
Das man in diesem Fall von Bürgersolaranlagen spricht, hat mit dem angestrebten Geschäftsmodell zu tun. In der Vergangenheit haben viele Bürger der Stadt die Möglichkeit genutzt, ihre Dächer mit Solarmodulen zu bestücken und die Einspeisevergütung zu kassieren. Hausbesitzer, die sich die Investition selbst nicht leisten können, haben ihre Dächer zur Nutzung des Sonnenstroms an die Stadtwerke verpachtet. Nun gibt es aber auch viele Bürger, die zu kleine Dächer oder gar kein Haus haben, beziehungsweise im Sanierungsgebiet der Stadt wohnen, wo Solaranlagen verboten sind. Um all jenen auch die Möglichkeit zu bieten, in erneuerbare Energien zu investieren, wurde der Wunsch der Stadtverwaltung erfüllt, so etwas anzubieten, sagt Schreier. Die Stadt will damit vermeiden, dass irgendwelche Investoren aus Hamburg oder München hier in Sondershausen so etwas tun und mit geschlossenen Fonds verhindern, dass sich die Bürger vor Ort daran beteiligen können. Geplant ist, dass die Stadtwerke die Flächen kaufen, darauf die Photovoltaikanlagen von einer Fachfirma installieren lassen, um sie im Anschluss an investitionsfreudige Bürger zu verkaufen. Es ist an Anteile gedacht, die bei ein bis zwei Tausend Euro beginnen. "Die Rendite soll auf alle Fälle höher sein als man derzeit Zinsen für sein Gespartes auf dem Bankkonto bekommt", sagt Geschäftsführer Wilhelm Schreier. Einzige Haken sind der Zeitfaktor und die Tatsache, dass das Vorhaben öffentlich ausgeschrieben werden muss. Natürlich werden sich die Sondershäuser Stadtwerke an der Ausschreibung beteiligen und hoffen, dass sie den Zuschlag erhalten. Erst danach wird der gleichzeitig von den Abgeordneten bewilligte Kredit für das Vorhaben aufgenommen. "Weil wir ein guter Kunde sind, bekommen wir natürlich auch Top-Konditionen", sagt Wilhelm Schreier optimistisch.
In Mühlhausen entstehen Bürger-Photovoltaikanlagen
Kommentare
04.04.12 - 18:32
wei
wer da einsteigt hat schon verloren,oder macht dann Gewinn wenn sie Abbruchreif ist.
04.04.12 - 12:01
peter unlustig
ich kann in dem artikel nirgendwo das wort "Mühlhausen" lesen, außer in der überschrift...fragt man sich wer hier arbeitet und solche laienfehler macht und dafür auch noch bezahlt wird?!
03.04.12 - 14:44
Untergesellschaft
Die Aussage ist entlarvend: "Will man damit noch Geld verdienen, muss das Ganze bis Mitte des Jahres in trockenen Tüchern sein" "weil die Bundesregierung ständig ihre Fördersätze für Solarstrom nach unten korrigiert". Der ganze Solarmist ist nur eine einzige Umverteilung, wo jeder zulangen will. Aber doof sind die nicht, die Jungs von den Stadtwerken: Untergesellschaft gegründet und damit das unternehmerische Risiko ausgelagert. Und wenn sich tatsächlich genug Deppen finden, die da ihr Geld hintragen, dann sacken sie die Knete halt ein. Null Risiko also. Ich hoffe nur, dass alle, die da mitmachen, so richtig auf die Fresse fliegen.