Jena wohl nicht mehr zu retten

  • Anfang vom Ende: Torwart Tino Berbig (FC Carl Zeiss Jena) ist beim 0:1 machtlos. Foto: Karina Hessland Anfang vom Ende: Torwart Tino Berbig (FC Carl Zeiss Jena) ist beim 0:1 machtlos. Foto: Karina Hessland
Drittligist FC Carl Zeiss Jena kann für die 4. Liga planen. Denn nach dem 0:3 beim VfB Stuttgart II haben die Thüringer bereits sieben Punkte Rückstand auf das rettende Ufer. Und es sind nur noch sechs Spiele zu absolvieren.
Stuttgart. Es klingt wie ein Abgesang. Das Lied vom festen Zusammenhalt und Kampf bis zum Schluss. An den Schlachtenbummlern liegt es nicht, dass der FC Carl Zeiss Jena weiter Richtung Regionalliga taumelt. Bei der bis dato schlechtesten Rückrundenmannschaft verliert der FCC mit 0:3.

Die Kluft zwischen stoischer Ruhe und purer Emotion beträgt zwei Meter. Während Jenas Trainer Petrik Sander eisern und kommentarlos den erbärmlichen Auftritt seiner Elf verfolgt, zetern jene Jenaer Fans auf der Haupttribüne Sodom und Gomorrha: "Was war das? Gar nichts! Feierabend war das!"

Elf Kämpfer wollte Petrik Sander im wiederholt Letzte-Chance-Spiel aufbieten. Doch von einer Koalition der elf Willigen sind die Thüringer weit entfernt, frappierend ist die augenscheinliche Grüppchenbildung auf dem Rasen. Der Rückstand kommt früh. Soufian Benyamina, einst mit Jena unter Trainer René van Eck Fünfter der Dritten Liga geworden, nickt ein. Manuel Janzer hat von links geflankt. Bewacher gibt es für den Torschützen nicht (7.). Drei Minuten später bringt Josip Landeka einen Standard aus der Distanz aufs Stuttgarter Tor, dessen Hüter André Weis zur Seite abwehrt (10.).

Danko Boskovic verzieht sogleich das Gesicht. Nach einem Zusammenprall schmerzt das Kniegelenk. Er muss raus. Nach 17 Minuten kommt Marlon Krause. Der schüttelt nur den Kopf, als Manuel Janzer einen Tobias-Rathgeb-Freistoßam langen Pfosten einköpfen darf, 2:0 (21.). Jena ergibt sich seinem Schicksal, die Anhängerschaft ruft zum Beistand auf: Nur Mamor, Stein und Eisen brächen, nicht aber die Treue zum Verein. Und: You'll never walk alone.

Jena stellt um. Pierre Dominick Becken wird zum dritten Angreifer umfunktioniert, Kai-Fabian Schulz leitet die Dreierkette an. Doch Chancen kreieren die Jenaer nicht. Stattdessen muss sich Tino Berbig nach dem Schuss von Raphael Holzhauser strecken (70.). Der FCC probiert es mit Nils Pichinot, dessen 17-m-Geschoss zur Ecke pariert wird (71.). Einen prächtigen Treffer erzielt Kevin Stöger nach 81 Spielminuten. Alexander Riemann hatte Jenas Außenverteidiger Christian Demirtas einfach stehen lassen, Flanke - und dann liegt Stöger quer in der Luft. An seinen Seitfallzieher kommt Berbig zwar noch dran, doch der Ball ist zu scharf geschossen, 3:0.

Petrik Sander ist bedient: "Das war erbärmlich. Es fehlt die innere Einstellung. So wie wir heute aufgetreten sind, gehen wir schweren Zeiten entgegen". Derlei Klartext tut Not. Jan Simak habe ihm am Freitag unter vier Augen gesagt, "froh zu sein, nicht spielen zu müssen", wie Sander verrät.

Ins Bild passt, dass sich Pierre Becken nach dem Schlusspfiff noch Gelb-Rot einhandelt, weil er mit Stuttgarts Antonio Rüdiger aneinander gerät. Rüdiger behauptet, rassistisch beleidigt worden zu sein. Becken reagiert geschockt auf derlei Anschuldigungen: "Das würde mir nie über die Lippen kommen. Klar haben wir uns ein bisschen beleidigt, aber das gehört dazu", sagt er unserer Zeitung. Rüdiger habe anschließend den "Körperkontakt" zu Becken gesucht, nicht anders herum.

Die Spieler schlurfen geschlagen und deprimiert in die Gästekurve. Jedes Spiel sind sie da, singen sie, die Schlachtenbummler. Nein, an ihnen lag es nicht. Sie jodeln trotzig: Vierte Liga, tut schon weh...

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Michael Ulbrich / 02.04.12 / TLZ
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