Aufbauspieler Tyler Kepkay war mit 24 Punkten bester Werfer der Basketballer von Science City Jena. Foto: Peter Poser
Der Kapitän von Science City Jena wusste es vorher. Christoph Roquette verfolgte die Schlusssekunden von draußen. Doch die Bank war im Bilde, der Physiotherapeuth hielt die Jenaer per Liveticker über den Spielverlauf in den anderen Hallen der 2. Bundesliga ProB auf dem Laufenden und posaunte es heraus.
Heidelberg verlor in Ehingen - auch im Falle einer Niederlage gegen Düsseldorf würde Jena auf Platz acht landen und in die Playoffs der 2. Basketball-Bundesliga ProB einziehen. "Wir wussten, es ging um was. Wir wussten, dass wir eigentlich gewinnen mussten", sagte der 29-Jährige. "Wir haben zu viele einfache Fehler gemacht." Der 2,03 Meter große Forward nahm sich nicht aus. "Ich war auch nicht relaxt, hab auch nicht meinen Stiefel heruntergespielt. Du hast den Ball, überlegst eine Sekunde: Werfe ich, werfe ich nicht doch dann ist es zu spät, ist die Situation weg, passieren Flüchtigkeitsfehler." Doch es ging noch einmal gut - dank Ehingen. Roquette pustete durch, etwas entspannter beobachte er wie Tyler Kepkay, der beste Jenaer am Sonnabend, fünf Sekunden vor der Sirene nur einen von zwei Freiwürfen zum 67:67 im Korb unterbrachte. Düsseldorf im Gegenzug in Ballbesitz. Marc Liyanage nutzte eine Lücke in der Jenaer 1:1-Verteidigung und kam zu einem bequemen Korbleger. Jena stand in der mit 1.505 Zuschauern ausverkauften Halle als Verlierer da und war dennoch ein Gewinner. "Ich bin schon frustriert, denn wir wollten das Spiel heute unbedingt gewinnen, haben die Woche hart dafür gearbeitet", sagte Trainer Georg Eichler. Er sei aber das ganze Spiel damit beschäftigt gewesen, den Druck von der Mannschaft zu nehmen. "Wir waren sehr nervös, haben mit zittrigen Händen gespielt und Fehler gemacht, die wir sonst definitiv nicht machen." Er sei umso glücklicher darüber, "dass wir dennoch weiter dabei sind".
Trainer-Kollege Murat Didin hatte leichteres Spiel, seine Düsseldorfer waren bereits vor der letzten Partie für die Playoffs qualifiziert. "Ich habe meinen Profis gesagt, ihr müsst nicht gewinnen, aber es wird gekämpft, bis zum Umfallen - egal, was die anderen Hallen machen. Das seid ihr eurer Ehre und den Jenaern schuldig." Der 57-jährige Türke lobte die Jenaer Mannschaft, die das Hinspiel 80:66 gewonnen hatte, Trainer Georg Eichler und erinnerte daran, dass er vor Jahren als Coach der Frankfurter Skyliners in der 1. Bundesliga (BBL) schon einmal in Jena zu Gast war. "Ich komme gern nach Jena. Das Basketballpublikum ist fantastisch." Die Jenaer Zuschauer können sich nun auf zumindest ein Heimderby am Sonnabend gegen den Tabellenführer Mitteldeutschen BC freuen. Am Gründonnerstag muss Science City Jena im ersten Playoff-Viertelfinale beim MBC antreten. "Die Weißenfelser liegen uns etwas besser, auch wenn sie ein Topteam haben, bis Position elf und zwölf überragend besetzt sind", sagte Eichler, "aber sie spielen Teambasketball wie wir. Im Heimspiel hatten wir sie ja schon einmal". Dem 76:69 folgte eine 73:81-Niederlage beim Tabellenersten. "Wir gehen nicht als Favorit in das Playoff-Viertelfinale - das ist klar", sagte Eichler, doch nun könne man sich bequem ins Auto setzen und die paar Kilometer nach Weißenfels fahren. "Was nun kommt, ist Bonus".