John Degenkolb stürzt bei Flandern-Rundfahrt

  • Obwohl Kopfsteinpflaster ihn bei der Flandern-Rundfahrt zu Fall brachte, freut sich John Degenkolb auf den martialischen Kopfstein-Klassiker Paris-Roubaix: "Für dieses Rennen lebe ich". Archivfoto: Marco Kneise Obwohl Kopfsteinpflaster ihn bei der Flandern-Rundfahrt zu Fall brachte, freut sich John Degenkolb auf den martialischen Kopfstein-Klassiker Paris-Roubaix: "Für dieses Rennen lebe ich". Archivfoto: Marco Kneise
Der Erfurter Radprofi John Degenkolb fährt im Klassiker Flandern-Rundfahrt beim Sieg des Belgiers Tom Boonen mit Blessuren auf Rang 59. Tony Martins Erzrivale Fabian Cancellara muss mit Schlüsselbein-Brüchen um Saisonhöhepunkte bangen.
Oudenaarde. Der kleine goldene Koala-Bär an der Kette um seinen Hals brachte diesmal kein Glück. Radprofi John Degenkolb hatte ihn vor Kurzem von seiner Schwester nach deren Australien-Aufenthalt geschenkt bekommen. Doch der junge Erfurter Klassiker-Jäger wurde bei der legendären Flandern-Rundfahrt durch einen Sturz gestoppt.

38 Kilometer vor dem Ziel war am kopfsteingepflasterten Paterberg Beten angesagt: Mehrere Profis stürzten in der entscheidenden Rennphase. Der Thüringer, der bis dahin sehr aufmerksam fuhr, wurde umgerissen, zog sich Schürfwunden an Armen und Beinen zu. Vor allem verlor der 23-Jährige den Anschluss zur entscheidenden Gruppe. Aus der setzte sich wenig später ein Trio ab, das den Sieger unter sich ausmachte: Der Belgier Tom Boonen (Team Quickstep) gewann zum dritten Mal sein Heimspiel vor den beiden Italienern Filippo Pozzato und Alessandro Ballan.

Degenkolb kam als 59. mit 3:26 min Rückstand ein. Der Erfurter sprach zwar von einem regelrechten "Gemetzel" auf den letzten 80 Kilometern. Seine Liebe zu den Klassikern beeinträchtigt hat das aber nicht. "Es ist eine Mischung aus Oktoberfest und Rockkonzert an der Strecke", beschreibt der U-23-Vizeweltmeister die Atmosphäre. Die steckte Andreas Schillinger an. Der einst im Teag-Team Köstritzer ausgebildete Fahrer im Trikot des jungen deutschen Teams Netapp (Sportchef: Jens Heppner aus Gera) kurbelte lange in einer Spitzengruppe, ehe es im "Gemetzel" auf den extrem engen Straßen und giftigen Anstiegen ernst wurde.

Aus deutscher Sicht am besten zurecht kam damit Routinier Danilo Hondo (Guben), der 34. wurde. An einen deutschen Sieg wie 2004 von Steffen Wesemann war nicht zu denken.

"Es müssen bei diesen Rennen eben alle Dinge passen - aber ich bin noch jung", sagte Degenkolb, der sich nicht entmutigen lassen wird. Nächsten Sonntag nimmt er beim martialischen Kopfstein-Klassiker Paris-Roubaix erneut Anlauf. "Für dieses Rennen lebe ich", sagt er und verpflastert die Wunden.

Bei dem Weltcup-Rennen der Frauen in Flandern gewann die Leipzigerin Judith Arndt das Spurt-Duell gegen Kristin Armstrong (USA). Hanka Kupfernagel aus Neustadt/Orla wurde 16. mit 30 s Rückstand.

Der Berliner Radprofi Simon Geschke, wie Degenkolb vom Team Argos-Shimano, hatte tags zuvor beim Limburg-Classic in den Niederlanden hauchdünn hinter dem Russen Pawel Brutt (Katjuscha) seinen ersten Saisonsieg verpasst. Ex-Jenatec-Fahrer Rüdiger Selig, auch Katjuscha, wurde als Spurtsieger des Feldes passabler Sechster. Der einst in Erfurt ausgebildete Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin feilt indes ab Montag bei der Baskenland-Rundfahrt an seiner Form für die Tour de France und Olympia. Diese Höhepunkte aus dem Blick zu verlieren, droht indes Martins Erzrivalen Fabian Cancellara: Der Schweizer Ex-Weltmeister brach sich in Flandern bei einem Sturz in der Verpflegungszone 65 km vor dem Ziel dreifach das Schlüsselbein - und fällt damit für das komplette Frühjahr aus.


Michael Voß und Stefan Tabeling / 02.04.12 / TA
Z82C41N140168
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