Kaum noch bezahlbarer Wohnraum in Innenstädten

  • Bezahlbarer Wohnraum vor allem in bester Lage in den Innenstädten wird knapper - im weiten Land gehen die Preise auch für Häuser immer weiter in den Keller. Archivfoto Bezahlbarer Wohnraum vor allem in bester Lage in den Innenstädten wird knapper - im weiten Land gehen die Preise auch für Häuser immer weiter in den Keller. Archivfoto
Der bezahlbare Wohnraum in den besten Innenstadt-Lagen wird knapper - und auf dem Land sinken die Preise für Häuser. Nutznießer dieser Entwicklung sind vor allem Familien mit Kindern.
Erfurt. Die Preise für Eigentumswohnungen und Häuser schießen auch in Thüringen in die Höhe, Baubetriebe und Handwerker können sich vor Aufträgen nicht mehr retten.

Hintergrund sind vor allem die Ängste der Thüringer beim Thema Geldanlage als Folge der Schuldenkrise im Euroraum. Es wird "in Beton investiert", wie es in der Branche heißt.

Dabei öffnet sich die preisliche Schere zwischen Stadt und Land immer weiter.

Bezahlbarer Wohnraum vor allem in bester Lage in den Innenstädten wird knapper - im weiten Land gehen die Preise auch für Häuser immer weiter in den Keller.

"Wer heute ein gutes Haus im grünen Speckgürtel der Städte kaufen will, der findet es oft unter dem Herstellungspreis", sagt Stephan Höfig vom Thüringer Immobilienverband IVD. Nutznießer sind aus seiner Sicht vor allem junge Familien mit Kindern, während es die Älteren zunehmend in die Städte zieht. "Die Kinder sind aus dem Haus, die Eltern sehnen sich nach einem Restaurant- oder Theaterbesuch zurück", sagt Höfig.

Zunehmend kritischer wird es im Bereich des sozialen Wohnens für Mieter mit geringem Einkommen. Wegen rückläufiger Gelder des Bundes für die Städtebauförderung droht die Gefahr, dass der Bau preiswerten Wohnraumes für die Investoren immer unattraktiver wird.

"Hier kommt eine neue Verpflichtung auf Land und Kommunen zu", sagte die neue Staatsekretärin im Thüringer Bauministerium, Inge Klaan .

Auch in ganz Deutschland nimmt die Dynamik auf dem Wohnungsmarkt zu. Nach Angaben der Immobilienmakler von LBS und Sparkassen ist dies an höheren Preisen für gebrauchte Häuser oder Eigentumswohnungen abzulesen: Gemessen an den von ihnen vermittelten Objekten beträgt die durchschnittliche Steigerung 2011 gegenüber dem Vorjahr bei Eigenheimen aus dem Bestand 5 Prozent, bei gebrauchten Eigentumswohnungen sogar gut 8 Prozent.

"Mit Preisblasen hat das aber überhaupt nichts zu tun", so LBS-Verbandsdirektor Hartwig Hamm. "Denn die Preise sind damit immer noch niedriger als im Jahre 2000."

Gebrauchte Objekte besonders gefragt

Zurzeit konzentriert sich das Interesse aufgrund der nach wie vor zu geringen Neubautätigkeit auf gebrauchte Objekte. "Sie finden vor allem wegen der immer noch recht günstigen Einstiegspreise ihre Käufer", so Hamm. Denn Eigenheime aus dem Bestand kosteten bei den Vermittlern von LBS und Sparkassen im Jahre 2011 im Durchschnitt gut 156.000 Euro. Das ist nur wenig mehr als die Hälfte der Neubaupreise von 298.000 Euro. Bei Eigentumswohnungen ist der Abstand ähnlich groß, denn durchschnittlich knapp 100.000 Euro für Gebrauchtobjekte stehen 185.000 Euro für neue Eigentumswohnungen gegenüber. "Neubauten sind auch teurer, weil sie immer stärker in den großen Ballungsräumen entstehen", so der LBS-Sprecher.

Nach Jahren der Preisstabilität oder leichter Rückgänge macht sich jetzt allerdings auch bei Bestandsobjekten wieder ein Preisanstieg bemerkbar; der Neubau reicht offenbar nicht aus, um die weiter anziehende Nachfrage zu befriedigen.

Spürbare regionale Unterschiede

Dabei gibt es zum Teil spürbare regionale Unterschiede. "Insgesamt ist das aber eine gesunde Aufholentwicklung", machte Hamm deutlich.

Denn unter dem Strich seien die gegenwärtigen Preise noch immer niedriger als die Werte etwa des Jahres 2000.

Der genauere Blick zeigt nach Angaben des LBS-Sprechers denn auch, dass hierzulande die Zeichen für eine weitere Aufwärtsentwicklung bei der Immobiliennachfrage günstig sind: Nach wie vor finde man historisch gesehen gute Finanzierungsbedingungen vor.

Einkommen werden auch weiter positiv gesehen

Die Immobilie gelte zudem gerade jetzt als attraktive, sichere Anlage und sei eine beliebte Altersvorsorge. Hinzu komme, dass die Beschäftigungs- und Einkommensperspektiven von der Mehrheit der Menschen nach wie vor positiv eingeschätzt würden. Und noch sei das Angebot auch relativ breit und preisgünstig.

"Wenn die Finanzierung nicht oder nur wenig mehr kostet als die Miete, dann ist das nicht nur für Kapitalanleger, sondern auch für Durchschnittsverdiener ein ganz starkes Kaufsignal", so Hamm.

Immer höhere energetische Standards

Die Nettokaltmieten sind 2011 im Durchschnitt Deutschlands gegenüber dem Vorjahr real um 1,1 Prozent gesunken. Im Laufe der vergangenen zehn Jahre stiegen die Mieten lediglich im Jahr 2009. Darauf weist die Eigentümerschutz-Gemeinschaft Haus & Grund hin.

"Diese aus Sicht der Eigentümer bedenkliche Entwicklung sollten Politiker im Bund, aber auch in Ländern und Kommunen im Blick haben, wenn über höhere Steuern privater Immobilieneigentümer und verschärfte energetische Anforderungen an Wohngebäude diskutiert wird", fordert der Generalsekretär von Haus & Grund Deutschland, Andreas Stücke.


Dietmar Grosser / 02.04.12 / TA
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