Loreena McKennitt beeindruckt das Publikum in der Erfurter Messe

  • Die Harfenistin Loreena McKennitt bewegt sich mit ihrer Band stufen- und mühelos zwischen den musikalischen Härtegraden. Foto: Marco Kneise Die Harfenistin Loreena McKennitt bewegt sich mit ihrer Band stufen- und mühelos zwischen den musikalischen Härtegraden. Foto: Marco Kneise
Loreena McKennitt und ihre achtköpfige Band zelebrierten in der Erfurter Messehalle nicht nur zarte Balladen. Die kanadische Harfenistin bringt den Folk auch zum Rocken.
Erfurt. Für Mehrzweckhallen ist Loreena McKennitts Musik nur mäßig geeignet. Ihre Folkballaden brauchen einen intimeren Rahmen. Insofern war es nur gut, dass die Erfurter Messe am Sonntagabend nicht annähernd ausverkauft war, als die Kanadierin mit ihrem 8-Mann-Ensemble dort ihre schottisch-irisch-galizischen Klänge zelebrierte. In der deutlich verkleinerten Halle und zwischen den locker besetzten Tribünen kam tatsächlich Konzertsaal-Atmosphäre auf; in den besten Momenten sogar Folkclub-Stimmung.

Die "Märchenfee mit Harfe", als die ihre Konzertagentur sie ankündigt, ist die 55-Jährige ohnehin nicht. Das Original erweist sich zum Glück als erheblich robuster als das Klischee. Loreena McKennitt beherrscht nicht nur zirpende, fistelnde Weisen auf zart besaiteter Harfe, sie bringt ihre Folksongs auch zum Rocken, und bei Klassikern wie "All Souls Night" oder "Santiago" hindern wohl nur die allgegenwärtigen Hartschalensitze ihre Fans daran, einfach loszutanzen.

Mit ihrer Band bewegt sie sich stufen- und mühelos zwischen den musikalischen Härtegraden. Gitarrist Brian Hughes beflügelt die "Bonny Swans" mit kräftigen E-Gitarren-Riffs und umschmeichelt die "Lady of Shalott" mit Bouzouki-Klängen; Dudley Phillips wechselt zwischen Kontra- und E-Bass. Und Hugh Marsh wandelt sich, je nach Charakter der Songs, vom Violinisten zum Folk-Fiddler. Seine Geige ist die markanteste Klangfarbe des Abends, seine Soli bekommen Szenenapplaus - nicht nur wegen ihrer Virtuosität, sondern auch wegen ihres rauchigen, urigen Charmes.

Nicht alle akustischen Instrumente behaupten sich so gut gegen E-Gitarren, Synthesizer und Schlagzeug; ein Problem, mit dem jede Folkrockband zu kämpfen hat. Von Ben Grossmans Drehleier hört man hauptsächlich die Schnarre, auch Ian Harpers Flöten haben zum Teil Mühe, sich durchzusetzen. Nicht so sein irischer Dudelsack: Die Uilleann Pipes haben genau den Klang, den man "durchdringend" nennt. Damit sind sie eine Bereicherung für die Ballade "Down by the Sally Gardens" und bewahren das Stück, das in der CD-Version sanft dahinplätschert, live vor dem Versäuseln.

Vom Liebeslied bis zum Kneipensong

Überhaupt würzen Loreena McKennitt und ihre Musiker ihre Songs auf der Bühne spürbar nach, und das tut jedem einzelnen Stück gut. So brillant und klar McKennitts Stimme auch ist - die Höhen von "The Old Ways" erklimmt sie mühelos -, die gelegentlichen Gesangspassagen im Duett mit ihrer exzellenten Cellistin Caroline Lavelle sind eine schöne Abwechslung. Und dem "Star of the County Down" hört man live endlich einmal seine Karriere als Kneipensong an. Bei diesem und anderen Stücken, die Loreena McKennitt auf dem Akkordeon spielt, verliert sich ihr Harfenfee-Image vollends, da geht sie ganz auf in ihrer mitreißenden Folkband, da tänzelt sie sogar ein paar Schrittchen über die Bühne.

Aber auch, wenn sie am Klavier oder an der Harfe sitzt wie die Lady of Shalott hinter ihrem Webstuhl, wirkt sie alles andere als entrückt. Schon gar nicht, wenn sie vom unglücklich verliebten William Butler Yeats erzählt, von ihrer Kindheit in Manitoba oder von ihrem Deutschlehrer in der Schule. Ihre letzte Zugabe singt sie solo: die erste Strophe von Heines "Loreley", auf Deutsch. Und im Publikum summt man leise mit.


Frauke Adrians / 03.04.12 / TA
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