Martin drückt Degenkolb bei Thüringen-Rundfahrt die Daumen
Porträt
Nach der U23-Meisterschaft "Rund um die Hainleite" startet am Dienstag die Thüringen-Rundfahrt mit dem frisch gebackenen deutschen Meister John Degenkolb vom Thüringer Energie-Team (5.v.r.). Foto: Uwe Gericke
"Gruezi" aus der Schweiz! Tour de France-Hoffnung Tony Martin gratulierte John Degenkolb zum deutschen Meistertitel und traut dem 21-Jährigen ab Dienstag bei der Thüringen-Rundfahrt noch mehr zu.
Erfurt/Lugano. "Er ist Favorit aufs Podium und kann nach dieser Top-Leistung locker rangehen", sagte Martin, der noch am Abend nach dem Hainleite-Rennen per Facebook im Internet Kontakt zu "Dege" aufnahm. "Am liebsten würde ich ja selbst nach Thüringen schauen kommen, aber die Aufgaben rufen", sagt der WM-Dritte im Zeitfahren, der einst fünf Jahre im Energie-Team lernte und am Montag in der Tour de Suisse den dritten Gesamtrang verteidigte. Degenkolb habe mit dem Titel "gezeigt, dass er sich enorm weiterentwickelt hat zum komplettesten U-23-Fahrer. Er würde sicher in viele Profi-Teams passen. Aber das entscheide nicht ich", sagt der 25-Jährige vom Rennstall Columbia. "Aber erst mal drücke ich ihm für die Thüringen-Rundfahrt die Daumen."
Einer der sogar seinen Besuch zugesagt hat, ist Patrick Gretsch. Der 23-jährige Columbia-Neuprofi kehrt Dienstagabend von der Dauphiné Liberé zurück, wo er starker Zeitfahr-Zehnter im Kreis der Weltelite war. Zum heutigen Teamzeitfahren nach Bleicherode (Start 18 Uhr) werde er es wohl "nicht ganz schaffen". Jedoch die Tage danach werde er "definitiv" im Teamhotel aufkreuzen. Auch der mit WM-Rang drei Profi gewordene Thüringer gratulierte per Facebook, tröstete zudem Maximilian May ("eine Riesenentwicklung!") nach dessen viertem Hainleite-Platz. Ja, meint "Grede", die Top-5 müssten für "Dege" drin sein. "Aber wer Favorit ist, hats doppelt schwer, und die internationale Konkurrenz ist unberechenbarer." Dazu nickt nachdenklich Jens Lang. Der Erfurter hat sie alle trainiert und war von Degenkolbs Hainleite-Ritt "besonders überrascht." Weil er eben "fast per Ansage" gelang. Das sei so einzustufen, als wenn Tony Martin nach 2006 und Patrick Gretsch nach 2008 im Jahr darauf die Thüringen-Rundfahrt ein zweites Mal gewonnen hätten. Beides misslang knapp. "Wenn alle auf einen im Feld schauen, ist das oft verflixt", meint der Trainer und wandelt die Beckenbauersche Weisheit um: "Schaun mer mal von Etappe zu Etappe."