Maßhalten bitte!

Zum Tarifstreit einschließlich der Streiks im öffentlichen Dienst schreibt Hartmut Kaczmarek, stellvertretender Chefredakteur der TLZ:
Verdi hat die Muskeln spielen lassen. Die Müllmänner haben mit den Deckeln geklappert, ein Korso aus Müllfahrzeugen hat Erfurt vorübergehend lahmgelegt, Busse und Straßenbahnen sind in anderen Bundesländern in den Depots geblieben. Die Drohkulisse für die heutige entscheidende Tarifrunde im öffentlichen Dienst in Stuttgart ist aufgebaut.

Aber, liebe Verdi-Streiter, schaltet jetzt doch mal bitte einen Gang runter. Dass 6,5 Prozent illusorisch sind, hat man auch schon zu Beginn der Tarifrunde gewusst. Und die Arbeitgeber können sich auch nicht immer nur hinter ihren klammen Kassen verstecken. Sie müssen schon den Schluck aus der Lohnpulle genehmigen. Auch wenn die Gewerkschaft akzeptieren muss, dass die Kassen der Kommunen wirklich leer sind. Jeder Cent für mehr Personal muss woanders bitter eingespart werden.

Wir alle als Steuerzahler, als Eltern, als Hausbesitzer, wollen einen Kompromiss, der für beide Seiten erträglich ist. Wir wollen nämlich nicht auf Müllbergen sitzen bleiben, wir wollen nicht für unsere Kita-Kinder händeringend nach Betreuungsmöglichkeiten suchen, wir wollen nicht morgens kilometerweit zur Arbeit laufen, weil keine Busse oder Bahnen fahren. Streiks im öffentlichen Dienst tun weh - aber nicht denen, auf die sie abzielen. Getroffen werden wir alle, wir Bürger. Und dazu müssen wir auch noch als Steuerzahler blechen für das, was die Tarifpartner aushandeln.

Deshalb ist Maßhalten heute das Gebot der Stunde. Die zwei Züge, die da scheinbar unaufhaltsam aufeinander zurollen, sind vor dem großen Crash noch zu stoppen. Wenn beide Seiten wollen. Wir Bürger erwarten das!


Hartmut Kaczmarek / 28.03.12 / TLZ
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