TLZ-Vize Hartmut Kaczmarek kommentiert den gelungen Aprilscherz von tagesschau.de.
Porträt
Diese Nachricht ließ am Sonntag aufhorchen: Eine Spendengala für die FDP will die ARD organisieren - mit allem, was dazugehört: Prominente am Telefon und dem Versteigern von FDP-Devotionalien wie Genschers gelbem Pulli oder Scheels unveröffentlichten Liedern. Nein, keine Sorge, so weit ist es noch nicht. Aber der Aprilscherz, den sich die Macher von tagesschau.de haben einfallen lassen, ist gelungen. Weil die Bundes-FDP einen Fehler nach dem anderen macht. Aus der Schlecker-Geschichte werden Rösler und Co so schnell nicht herauskommen. Es ist wieder da: das Image der kaltherzigen Reichenpartei, die zwar Steuererleichterungen für Hoteliers durchboxt und Milliarden-Rettungsschirme für die Banken passieren, aber die Schlecker-Frauen im Regen stehen lässt.Die FDP mag ja mit ihrem konsequenten Nein ihre Kern-Klientel bedient haben - mehr nicht. Der sich tapfer durch alle Interviews lächelnde nette Herr Rösler verursacht nur noch Mitleid. Hier ist einer mit seinem Amt total überfordert, hier wird eine Partei sehentlich in den Boden geritten, die von ihren liberalen Grundpositionen her - Freiheit, Bürgerrechte - einen Stammplatz in der Parteienlandschaft verdient hätte. Und die fleißigen Kommunal- und Landespolitiker - auch in Thüringen - werden mit in den Abgrund gerissen.
Jetzt soll Christian Lindner es richten, derjenige, der erst vor einigen Monaten die Brocken hingeworfen hatte. Kann das ein Neuanfang sein? Eher ein weiteres Kapitel im Machtkampf um die Parteispitze. Nein, diese Rösler-FDP hat so keine Zukunft mehr. Nur sein Sturz und ein völliger Neuanfang können die FDP noch retten. Mutige Politiker aus den Ländern sind gefragt. Die aber brauchen keine Spenden, sondern den Mut zum Putsch.