Palmsonntagsprozession in Heiligenstadt: Alles ist vorbereitet
Porträt
Bernadette Heinevetter hilft seit drei Jahren beim Aufbau. Dafür hat sie auch in diesem Jahr wieder Urlaub genommen. Foto: Otto Roth
Die Heiligenstädter Palmsonntagsprozession ist einmalig im mitteldeutschen Raum. Die Jesuiten führten sie nach der Reformation ein, um den katholischen Glauben im Eichsfeld wieder zu dem zu machen, der er vor 1517 war. Erwähnt wird die Leidensprozession erstmals 1581. Da zogen die Gläubigen noch am Karfreitag durch Heiligenstadt. Später wurde die Prozession auf den Palmsonntag verlegt.
Heiligenstadt. Sechs Bilder erinnern an das Leiden und Sterben Christi. Allen voran Christus mit dem Kelch, der an das letzte Abendmahl erinnert. Es folgen die Ölberg-Szene, die Verspottung, die Kreuzigung, die Pietà und die Grablegung.
Ebenfalls seit vielen Jahren dabei: Anneliese Bergmann - hier mit Lanzen und Morgensternen für die Verspottung. Foto: Otto Roth
Aufbewahrt werden die Jahrhunderte alten Figuren im Torbogen an der Propsteikirche St. Marien. In der Woche vor Palmsonntag werden sie zum Leben erweckt und von einem eingespielten Team aufgebaut. Zuerst ist das Heilige Grab an der Reihe, dann folgt die Ölberg-Szene, die mit frischen Eibenzweigen geschmückt ist, die ein Heiligenstädter Spender jedes Jahr kostenlos zur Verfügung stellt. Dem Christus mit dem Abendmahlskelch wird erst ein dunkelroter und darüber ein blauer Mantel angelegt. Die Bekleidung sowie die anderen Textilien werden von Anneliese Bergmann aufbewahrt. Ist ein Stück verschmutzt, so wird es von ihr gewaschen oder auch repariert. Um alles sicher zu befestigen, sind mehrere Schachteln Reißzwecken, Stecknadeln und Sicherheitsnadeln nötig. Weiter gehören kleine Nägel und Holzkeile zum Zubehör. "Alles muss richtig festgemacht werden, damit es bei starkem Wind nicht wegfliegt", sagt Johannes Prohaska, der Älteste im Team. Bis vor vier Jahren war er noch einer von sechs Trägern der Verspottung. Dann hat er diese Aufgabe, die er 40 Jahre lang übernommen hat, an einen jüngeren Träger abgegeben.
Nachdem Uwe Kunze den Staub entfernt hat, reinigt er mit einem nassen Lappen den Korpus. Das schwere Kreuz tragen traditionell die Westhäuser. Uwe Kunze ist seit vielen Jahren Träger am Heiligen Grab, dem die Grabesritter vorausgehen. Foto: Otto Roth
Uwe Kunze hat gerade den Staubsauger angeschlossen, mit dem er den Staub vom gekreuzigten Heiland absaugt. Danach wird die Figur mit einem nassen Lappen abgewaschen. Bernadette Heinevetter hilft seit drei Jahren beim Aufbau. Mit Johannes Prohaska hat sie eben die Morgensterne und Lanzen aus der Kirche geholt, die die beiden jetzt auf dem Gestell der Verspottung anbringen und festschrauben. Zuvor hatten sie dem ganz in Weiß gekleideten Jesus die Augenbinde und die Fesseln angelegt. In der Mitte steht die Pietà. Sie ist in weiße Tücher gehüllt und braucht in diesem Jahr nicht abgewaschen zu werden, denn erst kürzlich wurde sie restauriert. Mit 180 Kilogramm gehört sie zu den schweren Figuren der Leidensprozession und muss von zehn Männern getragen werden. Nach drei Einsätzen sind die Figuren fertig zum Tragen. Zum Abbauen am kommenden Montag braucht das Team nur einen Tag. Weil mehrere langjährige Helfer schon ausgeschieden sind oder dies in den kommenden Jahren tun werden, sind neue Helfer jederzeit willkommen. Ob als Ordner bei der Prozession oder beim Aufbau der Figuren - jede Hand wird gebraucht.