Zu den Umständen der Wiederwahl von Anja Siegesmund als Fraktionschefin der Grünen im Thüringer Landtag schreibt TLZ-Landesredakteur Elmar Otto:
Porträt
Was hatte Landessprecher Lauinger seinen Landtags-Grünen im Vorfeld der Wahl zum Fraktionsvorstand noch ans Herz gelegt?Ach ja, sie mögen doch bitte geschlossen auftreten. Doch die Abgeordneten ignorierten diese freundlich formulierte Forderung des Parteivorsitzenden wie pubertierende Teenager die wohlgemeinten Ratschläge ihrer Eltern. Bei der geheimen Abstimmung wurden die nie wirklich zugeschütteten Gräben zwischen Realos rund um Fraktionschefin Siegesmund und einst Fundis genannten Linken mit der parlamentarischen Geschäftsführerin Rothe-Beinlich an der Spitze wieder deutlich sichtbar.
Zwar kam es nicht zum offenen Schlagabtausch. So gab es für keines der Spitzenämter Gegenkandidaturen. Aber die sich persönlich wenig grünen Lager gönnten sich gegenseitig nicht den Triumph und meuchelten im Schutz des Wahlzettels hinterrücks. Die einen sehen darin einen Rachefeldzug für die beim Parteitag im Herbst personell auf Realokurs bereinigte Landesspitze. Die anderen vermuten, damit solle klar gestellt werden, dass Siegesmund sich auch als Fraktionschefin keinesfalls sicher sein darf, 2014 Spitzenkandidatin zu werden. Doch wie auch immer. Mit der peinlichen Personalposse haben die Grünen auf jeden Fall ihre gute inhaltliche Arbeit im Landtag ein Stück weit konterkariert.