Raus aus Atomenergie: Ideen der Weimarer Studierenden

  • Arne Felgendreher hat sich auch am Projekt der Weimarer Bauhaus-Uni "Raus aus der Atomenergie" beteiligt. Dein Bild heißt: "Marschlandschaft frei nach Emil Nolde". Foto: Peter Michaelis Arne Felgendreher hat sich auch am Projekt der Weimarer Bauhaus-Uni "Raus aus der Atomenergie" beteiligt. Dein Bild heißt: "Marschlandschaft frei nach Emil Nolde". Foto: Peter Michaelis
Weimar, Jena und Erfurt im Stromspar-Wettkampf: Das ist eine der Ideen, die von Studierenden der visuellen Kommunikation am Lehrstuhl von Professor Werner Holzwarth an der Bauhaus-Uni jetzt vorgestellt wurde. Die Aufgabenstellung: Raus aus der Atomenergie.
Weimar. Doch mitten in die Umsetzung der Semesteraufgabe, der sich Teilnehmer vom zweiten bis zum siebten Semester stellten, platzte die Kehrtwende der schwarz-gelben Regierung. Der Ausstieg ist beschlossen.

Wofür jetzt noch werben? Die Studierenden haben 40 Vorschläge - zum Teil sehr praktisch und einfach umsetzbar. Da ist zum Beispiel der Steckerschutz: Christoph Hubrich und Patrick Stadler haben diese Kindersicherung grün eingefärbt und Ökostrom draufgeschrieben. Anbieter von Ökostrom könnten das kleine Ding ihren Kunden schenken. Hubrich und Stadler hatten auch die Wettkampf-Idee. Zudem präsentierten sie den Vorschlag, Plakatflächen so zu tapezieren, als seien sie Solarfelder. So könnte jeder erfahren, was so eine kleine Fläche bereits an Leistung erbringt.

 Frank Martin Dietrich geht ebenfalls ganz praktisch an die Zukunftsaufgabe ran: Über soziale Netzwerke könnten sich genügend Menschen zusammenfinden, die bereit sind, in ihrem Haushalt so viel Strom zu sparen, dass die Jahresleistung eines Kraftwerkes wegfällt. Schon wer Glühbirnen durch Sparlampen ersetzt oder öfter das Handy abschaltet, hätte einen kleinen Beitrag geleistet, der in die große Rechnung einflösse.

Noch immer wissen ganz viele Menschen nicht, was alles in ihrem Haushalt Strom frisst. Diesem Thema widmeten sich gleich mehrere Studierende. Arne Felgendreher hat daher einen "Schnarcher"-Film gedreht, der anschaulich vorführt, was beim Laptop passiert, während es vermeintlich vor sich hinschläft.

Erwin Lorenz nimmt das Standby-Symbol und dreht es nach links, dann sieht es aus wie das Euro-Zeichen - und die Botschaft lautet: Stromverschwendung ist reine Geldverschwendung. Atomstrom ist weiter im Umlauf. Um Menschen zum Umdenken bei der Energie zu bewegen, haben Jonas Althaus und Christopher Falbe einen Film über die häuslichen Risiken "schmutzigen Stroms" gedreht.

Das spricht auf witzige Weise vor allem junge Leute an. Auf Verunsicherung setzt Roman Weidhase: Er hat einen mausgrauen Überseecontainer auf einen Parkplatz in Pößneck gestellt und den Anwohnern als Chef der fiktiven Forschungsbehörde Atom- und Kern-Energie - kurz Fake - mitgeteilt, dass es sich um ein mobiles Zwischenlager handele. So werde die Strahlenlast gerechterweise überall verteilt.

Noch bis zum 10. Juli steht der Container. Von Weidhase stammt auch der Atomstromkalender mit nackten Blondinen und treudoofen Pro-Atom-Sprüchen. Nun hoffen die Studierenden, dass Wirtschaftsministerium und Frank Weber von der SPD mit für die Verbreitung der Ideen sorgen.


Gerlinde Sommer / 06.07.11 / TLZ
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Kommentare
11.07.11 - 14:55
Maik
@Seebox Prinzipiell richtig, der Fehler liegt m.M. nach aber in der Annahme das es sich bei dem "Müll" auch um Müll handelt. Vielmehr handelt es sich hierbei um einen Rohstoff der durchaus weiter verwendet werden kann (Stichwort Transmutation oder Laufwellenreaktoren). Andere Länder buddeln das Zeugs daher gar nicht erst ein sondern parken es auf großen Halten. Interessant wäre es im Übrigen die Reaktion der Pößnecker zu sehen wenn statt des Containers ein 300m hohes Windrad mitten in der Stadt steht...
08.07.11 - 10:34
Seebox
Lieber Jens, jede PR ist gute PR, die Leute erzählen darüber und das Thema hat es in die Köpfe geschafft. Ob positiv oder negativ, egal Hauptsache kurz daran erinnert, das wir die nächsten Jahrhunderte große Probleme haben unseren Müll der letzten Jahrzehnte zu entsorgen. Ob jetzt jemand auf Ökostrom umstellt oder nicht, spielt dabei eh keine große Rolle mehr. Der Ausstieg ist beschlossen, die Suche nach einem Endlager noch lange nicht. Den Älteren, da gebe ich dir Recht, kann es fast egal sein. Es gab aber Reaktionen von sehr jungen Bürgern, die es ziemlich uncool fanden, strahlenden Müll mitten in ihrer Stadt vorzufinden.
08.07.11 - 10:12
Jens Meier
Was heißt die Aktion fand Beachtung bei den Älteren. Jede Veränderung der gewohnten Umgebung findet Beachtung bei den Älteren. Dort gibts ja nur Ältere. Aber keiner von denen wird auf Ökostrom umsteigen ! Aktion Sinnlos. Da kannst die Leute auch im Kreisverkehr links rum fahren lassen und ein Schild mit Ökoscheiss hinstellen, wäre billiger!
07.07.11 - 13:26
seebox
Pößneck deswegen, damit sich die Leute auch mal über was anderes aufregen können, als immer nur über sogenannten "Kunstsperrmüll". Die Aktion fand jedenfalls Beachtung, vor allem bei älteren Mitmenschen, die mit FAKE, nichts anzufangen wißen. Das in der OTZ nicht drüber berichtet wurde, könnte an der beleidigten Kulturamtschefin liegen, die in die Pläne zum Zwischenlager nicht eingeweiht war, folglich auch nicht möchte, dass darüber berichtet wird. Bei einigen hat das plötzlich auftretende Atommüllproblem direkt vor ihrer Haustür vielleicht ein kurzes Nachdenken verursacht. Also Ziel erreicht! Beim nächsten Mal fairerweise eine andere Stadt, damit sich die Strahlung verteilt. Wer will schon die ganze Zeit Atommüll vor seiner eigenen Haustür haben? ;-)
06.07.11 - 17:33
ich
Die typischen althergebrachten Unwahrheiten... Glühbirne durch Energiesparlampe ersetzen...letztere braucht viel mehr Energie in Herstellung und wird dann am Ende im Bergwerk als Sondermüll entsorgt neben dem Atommüll aber soweit denken die Experten offenbar nicht. Wohl zuviel Langeweile bei den Studiosis...
06.07.11 - 13:30
Randgebirgsler
Da hat er sich aber mit Pößneck eine doofe Stadt für seinen Container ausgesucht. Die haben gerade ein Kunst-Sperrmüll-Problem, da geht der Container wohl glatt in der Thematik mit unter. Und warum immer nur Pößneck für solche Aktionen? Die sind viel zu arm für teuren Öko-Strom, der Schuss könnte nach hinten losgehen.
 
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