Die Kinder von Schlecker-Gründer Anton Schlecker erwägen den Rückkauf der insolventen Drogeriekette. Foto: Rolf K. Wegst/dapd
Die Nachfolger suchen einen Investor. Verdi will entlassene Mitarbeiter nicht zu einer Kündigungsschutzklage ermuntern.
Berlin. Die Kinder von Schlecker-Gründer Anton Schlecker erwägen den Rückkauf der insolventen Drogeriekette. Beide seien bereits auf der Suche nach einem Co-Investor, berichtete der "Spiegel" am Wochenende unter Berufung auf Finanz- und Gläubigerkreise. Derweil will die Gewerkschaft Verdi entlassene Mitarbeiter nicht zu Kündigungsschutzklagen ermuntern. Dem "Spiegel"-Bericht zufolge hat sich von den von Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz genannten Interessenten bisher nur einer das Unternehmen genauer angeschaut. Eigentlich sprach Geiwitz von mehr als 20 Interessenten, aus denen er eine Handvoll für ab dieser Woche geplante ernsthafte Verhandlungen aussuchen wolle. Die Schlecker-Kinder Meike und Lars würden dem Bericht zufolge bei einem Zuschlag für das Unternehmen die Vermögenswerte - also die verbliebenen Filialen, Immobilien, Ware und Fuhrpark erwerben. Das neue Unternehmen könne dann ohne Altschulden weiter betrieben werden. Der Insolvenzverwalter wiederum würde mit dem Kaufpreis die Gläubiger bedienen können. Verdi-Verhandlungsführer Bernhard Franke sagte "Spiegel Online" zu möglichen Klagen der entlassenen 11.000 Schlecker-Beschäftigten: "Wir haben kein Interesse daran, Klagen zu forcieren." Verdi werde nicht zu Klagen aufrufen, aber "wir werden unsere Mitglieder natürlich beraten und gegebenenfalls Rechtsschutz gewähren".
Arbeitsrechtler rechnen mit einer Klagewelle, die womöglich auch Investoren abschrecken könne. Das Bemühen um eine Auffanggesellschaft für Schlecker-Mitarbeiter war an der Blocka-dehaltung der FDP in dieser Frage gescheitert. Der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer legte in dem Zusammenhang mit seiner Kritik an seinem Koalitionspartner FDP nach. "Ich bin sehr betroffen, dass den Schlecker-Mitarbeiterinnen durch das Veto unseres bayerischen Wirtschaftsministers der Weg in eine sichere Zukunft verbaut wurde", sagte er. CDU/CSU-Parlamentsgeschäftsführer Peter Altmaier sagte dem Sender RBB: "Ich bin schon der Auffassung, dass zur Politik auch ein gewisses Maß an Empathie und Mitgefühl gehört. Deshalb hätte ich es sehr begrüßt, wenn wir eine Auffanggesellschaft hätten bilden können." Der FDP-Spitzenkandidat für die Nordrhein-Westfalen-Wahl, Christian Lindner, wies Kritik am Verhalten der Liberalen zurück. FDP-Generalsekretär Patrick Döring gab in der Berliner "tageszeitung" Verdi eine Mitschuld an der Schlecker-Pleite, weil diese im vergangenen Jahr dazu aufgerufen habe, Schlecker wegen schlechter Arbeitsbedingungen zu boykottieren.