Schließung des Eisenacher Theaters würde Millionen kosten

  • Nicht zum ersten Mal ist der Protest gegen eine drohende Schließung des Landestheaters gefragt. Am Samstag, 31.03., um 10 Uhr startet eine Lärmdemo am Theaterplatz. Foto: Norman Meißner Nicht zum ersten Mal ist der Protest gegen eine drohende Schließung des Landestheaters gefragt. Am Samstag, 31.03., um 10 Uhr startet eine Lärmdemo am Theaterplatz. Foto: Norman Meißner
Da hatten die Mitglieder des Eisenacher Stadtrates gleich zu Beginn der Sitzung schon was zu tun: Nämlich unterschreiben. Eine Resolution des Rates an die Landesregierung machte die Runde. Der Tenor ist eindeutig: Stoppt den Kulturkahlschlag á la Voß.
Eisenach. "Erhalten Sie unser Theater in der jetzigen Form. Wir haben genug gespart in all den zurückliegenden Jahren", heißt es in der von den Linken vorgelegten Resolution. Der Rat fordert darin das Land Thüringen auf, die Finanzierung des städtischen Eigenanteils zu übernehmen, bis "die kommunale Finanzausstattung in Thüringen so geregelt ist, dass wir als Stadt unsere Aufgaben erfüllen können. Mit unserem Haushaltssicherungskonzept sind wir bereits an die Grenzen gestoßen. Es kann und darf nicht sein, dass die Existenz der Kultureinrichtungen abhängig ist von der jeweiligen Haushaltslage einer Kommune".

Und ähnlich argumentierte dann auch Oberbürgermeister Matthias Doht , der die Aussagen von Finanzminister Wolfgang Voß ("Die Stadt muss ihre Hausaufgaben machen") weiter als "bodenlose Frechheit" ansieht. Allein von 2006 an, so Doht, habe die Stadt per im Rat beschlossenen Konsolidierungskonzepten die Grundsteuer A um 85 Prozent erhöht, die Grundsteuer B um 50 Prozent und die Gewerbesteuer um 20 Prozent. Dazu habe es die Erhöhung von Gebühren, Abgaben und Beiträgen in nahezu allen Bereichen des öffentlichen Lebens gegebenen - von den Kita-Elternbeiträgen bis zu den Friedhofsgebühren, von den Gebühren für Musikschule und VHS bis zu den Mieten im Lehrlingswohnheim, von Pachten und Mieten bis zu den Eintrittspreisen in den Museen. "Es gibt jetzt keine Möglichkeit mehr, noch etwas zu erhöhen", so Doht. Und er erinnert daran, was sich der Finanzminister so vorstellt, was auch Eisenach tun soll, um überhaupt noch in den Genuss von Bedarfszuweisungen zu kommen. Für Investitionen soll es das gar nicht mehr geben, "mit den für uns jetzt schon erlebbaren Folgen für Tor zur Stadt, Busbahnhof und möglicherweise auch bald Weiterbau Berufsschule", so Doht.

Neben dem Konsolidierungskonzept, das die Stadt dem Landesverwaltungsamt (so das gestrige Schreiben des Amtes) bis zum 25. April (drei Tage nach der OB-Wahl) vorlegen soll, werde die Stadt die Steuern und die Kita-Elternbeiträge weiter erhöhen müssen, "bevor wir überhaupt einen Antrag auf Bedarfszuweisungen einreichen dürfen", so Doht. Und diese Erhöhungen seien nicht zumutbar.

Zudem hat Doht "grob ausrechnen lassen, was die Schließung des Landestheaters kosten würde". Da geht es um 24 Musiker, 12 "unkündbare" Bühnenarbeiter und 64 "normale" Angestellte. Die Kosten für deren Kündigung und anschließende langjährige Abfindungszahlungen (bei einigen wären Zahlungen bis 2039 fällig) würden sich auf insgesamt rund 13,22 Millionen Euro belaufen. "Da sind die Betriebskosten für die leeren Theatergebäude noch nicht eingerechnet", so Doht.

Finanzminister Wolfgang Voß begrüßte unterdessen den Vorschlag des von der CDU nominierten OB-Kandidaten Raymond Walk . Der will für nächste Woche zu einem ersten Treffen einladen, wo die lokalen Akteure eine Stellungnahme erarbeiten, die der Präsident der Weimarer Hochschule für Musik, Professor Christoph Stölzl, an die Landesregierung heran tragen soll. Walk: "Professor Stölzl ist ein unabhängiger und überall anerkannter Experte, der den Prozess mit großem Wissen begleiten kann und integrieren kann. Er hat einen breiten Erfahrungsschatz in Politik, Verwaltung und Kultur und würde einen solchen Dialog fair und auf Augenhöhe moderieren."

Die Resolution im Stadtrat ist eindeutig: "Kultur muss eine Pflichtaufgabe werden. Eisenach ist eine alte Kulturstadt. Ihre Bürger sind stolz auf das reiche kulturelle Erbe. ... Wir sagen: Schluss mit dem Hin und Her auf dem Rücken der Stadt und der Beschäftigten des Theaters. Die Stadt hat ihre Hausaufgaben gemacht. Wir fordern von der Landesregierung ein Konzept, wie die Stadt Eisenach ihre Handlungsfähigkeit zurückerhalten kann und unser Theater künstlerischer Produktionsstandort bleibt."

Samstag, 31. März, Demonstration, 10 Uhr Theaterplatz. Dienstag, 10. April, 14 Uhr, TLZ-Podium zur Zukunft des Theaters im Landestheater.


Peter Rossbach / 01.04.12 / TLZ
Z83C3UK100260
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Kommentare
01.04.12 - 14:17
Wahrheit
Eine so kleine Stadt wie Eisenach kann die Kreisfreiheit kinesfalls auf Dauer finanziell stemmen bei dem Verwaltungsaufwand,den man sich dadurch leistet wird noch mehr als das Theater dran glauben müssen.Hier muss endlich die Notbremse gezogen werden,auch wenn so eine Oberbürgermeisterkette so manchem wie ein Heiligtum erscheint.
01.04.12 - 10:52
Dieter Schäfer
Man sollte, ohne in die Unsachlichkeit zu verfallen, den Herren Dr. Voß und auch Prof. Göbel (ehem. Kultusminister und Theaterförderer) bei der Umgestaltung des ramponierten Eisenacher Theaterplatzes unbedingt ein bleibendes Denkmal setzen. Wie die jüngsten Beispiele in unserer Stadt belegen, ist für jegliche Brunnen-bauten sowieso keine Lobby vorhanden, geschweige denn für die Wiedererrichtung des längst vergessenen Eulenspiegel- brunnen!
01.04.12 - 10:34
Isenächer
Der Weiterbetrieb kostet doch auch millionen. Der Gesamtzuschuss beträgt doch lt. Zeitung 4 -5 Mio. EUR pro Jahr . Macht in den nächsten 10 Jahren bereits 50 Millionen (ohne Abfederung von Kostensteigerungen). Davon soll die Stadt dann 20 Mio. Anteil zahlen!! Ist das noch finanzierbar???
 
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