Ein Scooter war in den 80ern ein kleines autoähnliches Gefährt, mit dem man auf dem Rummel Spaß haben konnte und heute noch haben kann. Ein Tritt aufs Pedal und es ging los. Wie beim Kymco Agility RS - ein sogenannter Scooter, mit dem man zweirädrig auf Stadtbummel gehen kann.
Porträt
Weimar. Die alten Rummel-Scooter haben mit den neuen Rollern eins gemeinsam: Keine Gangschaltung. Zumindest bei der taiwanesischen Marke Kymco muss sich der Fahrer um den richtigen Gang keine Sorgen machen. "Die haben alle eine Vario-Automatik", sagt Christian Ludwig, der für die Firma Motor Sport Accessoires (MSA) arbeitet, die seit 15 Jahren Kymco-Fahrzeuge nach Deutschland importiert. Mit der stufenlosen Variomatik, so der Fachbegriff, sind die größeren Scooter ausgestattet, die es bis 500 Kubik gibt.
Platz für einen Mitfahrer: Der Agility RS ist mit einem Soziussitz ausgestattet, der wahlweise auch als Rückenlehne hochgeklappt werden kann. Foto: Presse 21
Die TLZ hat den Agility RS getestet, ein kleines Modell mit 50 Kubik, das auch als gedrosselte Mofaversion erhält ist. Normal schafft die Maschine 45 Stundenkilometer - bergab mit Rückenwind sogar 55 Stundenkilometer. Sie ist also fast so schnell wie das alte DDR-Simson-Moped, das bis heute noch gefahren wird und für viele Thüringer mit DDR-Mopedführerschein das erste Fahrzeug überhaupt war. Dann kam das erste Auto, das erste Westauto und manch einer erinnert sich vielleicht noch an seine Mopedtage und fragt sich, ob die neuen Roller von heute da mithalten können und ob sie für Autofahrer noch von Nutzen sind. Zunächst fällt auf: Der Pizzalieferant fährt einen, vor der Unibibiliothek stehen zwischen den Fahrrädern verschiedene Rollermodelle und selbst vor dem Supermarkt ist einer geparkt. Alternative zum Auto Roller sind auf dem Vormarsch, schreibt Kymco in einer Presseinformation. 2008 sollen deutschlandweit 19 Prozent mehr von ihnen verkauft worden sein. Roller bis 50 Kubik können mit einem Autoführerschein gefahren werden. Den Agility RS gibt es für nicht ganz 1500 Euro - erschwinglich also als Alternative in der Stadt für die schönen Tage im Jahr. Ein Teil der Kosten refinanziert sich über gesparte Parkgebühren und Strafzettel. Zarte Frauen unter 1,60 Meter brauchen für den Agility RS vielleicht etwas Übung. Die Sitzhöhe - und das überrascht bei einem asiatischen Modell - ist relativ hoch, so dass der ganze Fuß auf der Straße beim Halten nur aufgesetzt werden kann, wenn man den Roller ein wenig zu Seite neigt. Ein hochgewachsener 17-Jähriger sieht dagegen auf so einer Maschine aus, als würde er Bobby-Car fahren.
Christian Ludwig rät, bei der Modellwahl auch auf die Sitzhöhe zu achten: "Die Kymco-Roller im europäischen Retro-Look der 50er Jahre, wie der Sento, haben niedrigere Bänke. Optimal für kleinere Frauen."
Kymco Agility RS. Foto: Presse21
Die große Auswahl an Rollern bei Kymco bietet auch die Möglichkeit zum persönlichen Look. Der Agility RS gehört mit seiner windschnittigen Form zu den Sportmodellen und hat wie viele Kymco-Roller ein typisch asiatisches Design, mit spitz aufeinanderzulaufenden Flächen, wie man es beispielsweise aus den Mangas kennt. Stabil auf der Straße Während der Fahrt wirkt der Agility RS recht stabil: Unebenheiten federt er gut ab, selbst bei Kopfsteinpflaster mit Schlaglöchern. Zum Bremsen genügt es meist, kein Gas zu geben. Das Model ist mit einer Vorder- und Rückbremse ausgestattet, die beide rechts und links mit den Händen betätigt werden. Antreten lässt sich der Roller wie früher die Mopeds mit einem Kickstarter. Das Modell bietet auch die stressfreie Variante - den Elektrostart per Knopfdruck. Für das schnelle Parken gibt es einen Seitenständer. Der Roller kann aufgebockt werden, wobei über eine Mechanik das eigene Körpergewicht genutzt wird, um die Kräfte zu schonen. Sehr erfreulich ist der Stauraum unter dem Sitz. Da passt entweder der Helm rein oder ein kleiner Einkauf vom Supermarkt. Der Fünf-Liter- Tank ist beim Agility RS unter dem Soziussitz zu finden. Eine Tankfüllung reicht gut 200 Kilometer. So kann man sich auf eine Überlandfahrt wagen und die nach Wiesenkräutern duftende Sommerluft einatmen. Ständiger Begleiter ist ein gleichförmiges Määääääh, das die leisen Automotoren übertönt, so dass man oft überrascht ist, wo denn das Auto herkam, das einen gerade überholt hat.