Sonntagsöffnung im Advent lockt viele Thüringer nach Sachsen
Porträt
Die Einkaufspassagen in Leipzig locken während der offenen Sonntage auch Thüringer an. Archivfoto: Sebastian Willnow/ddp
Für die Händler in Thüringen hat die wichtigste Zeit des Jahres begonnen. Rund ein Fünftel des gesamten Umsatzes machen die Geschäfte in der Vorweihnachtszeit. Bei manchem Händler kommt sogar jeder dritte Euro aus dem Weihnachtsgeschäft, sagte Annette Projahn am Mittwoch in Erfurt.
Erfurt. Die Vizepräsidentin der Erfurter Industrie- und Handelskammer kennt sich aus in der Branche - sie führt als Geschäftsführerin die Modepassage am Markt in Weimar. Allerdings befürchtet nicht nur Annette Projahn, dass in den kommenden Wochen wieder einiges an Kaufkraft für Thüringens Händler verloren geht. "Aus unserer Sicht ist es ein klarer Nachteil, dass wir nur an einem Sonntag im Advent öffnen dürfen", sagte Frau Projahn. In Nachbarländern wie Sachsen sei die Regelung nicht so streng. Es dürfe bei dieser Diskussion nicht übersehen werden, dass die Kaufkraft in Thüringen ohnehin noch deutlich unter dem bundesdeutschen Durchschnitt liegt, mahnte auch IHK-Hauptgeschäftsführer Gerald Grusser an. Gleichzeitig war in den zurückliegenden Jahren die Verkaufsfläche im Freistaat kräftig angewachsen und liegt pro Einwohner betrachtet mittlerweile weit über dem Durchschnittswert in den alten Bundesländern. "Allerdings hat nach der sprunghaften Zunahme der Verkaufsfläche in den neunziger Jahren in den letzten zehn Jahren eine Stabilisierung auf hohem Niveau eingesetzt", so Gerald Grusser. Er erwartet, dass in nächster Zeit nur noch in Innenstadtlagen neue Geschäfte entstehen. Die Zeit des Neubaus von großen Handelszentren auf der grünen Wiese sei vorbei. In den zurückliegenden Jahren habe dies zu einer Verödung der Innenstädte geführt.
Trend zu Filialen in den Innenstädten hält an
Betroffen vom Ladensterben in den Orten seien dabei vor allem die inhabergeführten Geschäfte. Es gebe einen anhaltenden Trend hin zu Filialen von großen Handelsketten. Erfreut zeigte sich Annette Projahn darüber, dass es gelungen sei, den seit Jahren anhal-tenden Rückgang der Umsätze im Thüringer Einzelhandel zu stoppen. Nach den derzeitigen Prognosen werde der Umsatz im laufenden Jahr preisbereinigt sogar leicht um etwa ein Prozent zulegen.
"Das Gros der Händler ist mit der derzeitigen Lage zufrieden", berichtete Projahn von einer aktuellen Konjunkturumfrage. Allerdings drückten die anhaltende Inflation und die Unsicherheit in der politischen Situation zunehmend auf die Kauflust der Thüringer. "Vor allem die hohen Energiekosten belasten die Konsumenten", sagte Annette Projahn. Zudem verliere der Handel Umsatzanteile an die Anbieter über das Internet sowie an die Dienstleistungsbranche. "Es ist ja bekannt, dass der Deutsche nicht nur einmal, sondern zwei- oder dreimal im Jahr in den Urlaub fährt", so Projahn. Das Geld dafür könne er dann nicht mehr in den Geschäften im Land ausgeben, bedauert sie.
Weihnachtsmärkte sorgen für Zuspruch
Der zunehmenden Konkurrenz durch die Internethändler müssen die Geschäftsinhaber aus Sicht von Kammerchef Gerald Grusser das "Erlebnis-Einkaufen" entgegensetzen. Der Trend gehe eindeutig zum gemeinsamen Einkaufsbummel mit der ganzen Familie an den Wochenenden. In den nächsten Wochen seien zudem die Weihnachtsmärkte in den Innenstädten ein zusätzlicher Garant für Kundenströme. Dabei sei allerdings weiterhin absehbar, dass vor allem die Läden in den größeren Städten vom Weihnachtsgeschäft profitieren, sagte Grusser. Gebe man in Thüringen die Öffnung an weiteren Adventssonntagen frei, käme dies den kleineren Städten zugute.
Sonntagsöffnung im Advent lockt viele Thüringer nach Sachsen
Kommentare
24.11.11 - 09:39
rain
Ach Gottchen, "Erlebnis-Einkaufen" "mit der ganzen Familie". Das soll wohl der schäbige Ersatz für Kultur sein, bei der immer mehr der Rotstift angesetzt wird und nur noch für das betuchte Publikum erschwinglich ist? Für mich als Atheist hat zwar die Adventszeit außer der "gewissen" Stimmung, die sie erzeugt, keine besondere Bedeutung. Wenn dann aber jedes Jahr immer wieder von irgendwelchen Umsatzzahlen, Gewinn- bzw. Verlustbilanzen, Kaufkraft und Sonntagsöffnungszeiten geschwafelt wird, muß ich nicht auf den Kalender schauen, um festzustellen: die Weihnachtszeit ist über uns gekommen. Einziger angehimmelter Gott in dieser Zeit ist dann ein Herr namens Mammon. Und daß "der Deutsche" "zwei- oder dreimal im Jahr in den Urlaub fährt" relativiert sich insofern, als manche Menschen in über 20 Jahren nach der sog. Wende nicht ein einziges Mal verreisten (Reisefreiheit bedeutet ja nicht gleichzeitig Reisepflicht ;-).
24.11.11 - 08:27
Ruhetag
Sie stellen Behauptungen auf. Belegen sie doch bitte in Zahlen, wie viel Kaufkraft an Sachsen verloren geht aufgrund der Schließung am Sonntag. Ich persönlich begrüße dass Sonntags die Läden zu sind. Einen Tag der Woche wird man auch ohne Konsum auskommen. In Altenburg kann man ja Sondergenehmigungen ausstellen.