Thüringen angeklickt: DDR-Heimcomputer läuft immer noch
www.mpm-kc85.de - Fans der Mühlhäuser Rechner tüfteln an Elektronik und Programmen
Porträt
Der KC 85 hat nicht nur auf www.mpm-kc85.de bis heute überlebt. Zahlreiche Nutzer entwickeln bis heute Elektronik und Software für den einst begehrten DDR-Heimcomputer.
Die Lebensdauer von Computern wird immer kürzer. Wachsender Arbeitsspeicherbedarf lässt die Geräte schnell zu Schrott werden. Doch immer ist das nicht der Fall, wie www.mpm-kc85.de beweist. Die liebevoll gefüllte Website widmet sich den mehr als 20 Jahre alten DDR-Computern KC 85/3 und KC 85/4. Hergestellt wurden die verschiedenen Versionen des Kleincomputers einst im VEB Mikroelektronik "Wilhelm Pieck" Mühlhausen. Die Website ist keineswegs ein reines Onlinemuseum für Computernostalgiker. Zwar werden auch die ihren Spaß haben, wenn sie sich durch die reich bebilderte KC-Welt klicken, aber die Seiten richten sich vor allem an aktuelle KC-Nutzer. Ja, die gibt es. In den Rubriken Hardware und Software finden die sogar allerlei Neues. Denn eifrige Bastler und Programmierer erhalten die DDR-Konstruktionen nicht nur, sondern peppen die KC auch auf.
Sie nutzen vor allem die Möglichkeit, die KC 85/3 oder KC 85/4 mit Einschubmodulen aufzurüsten. Neben Speichererweiterungen gibt es beispielsweise ein Modul, das es ermöglicht den KC 85 mit einem PC-Netzwerk zu verbinden. Außerdem können sogar USB-Spei- chersticks angeschlossen werden. Andere Elektronik verbindet Scanner oder moderne PC-Tastaturen mit dem Mühlhäuser Heimrechner. Die Bauteile werden genau beschrieben. Die Software holt ebenfalls so einiges aus den zeitlosen Kästen heraus: So gibt es ein Grafikprogramm mit erstaunlich vielen Funktionen. Und auch die Textverarbeitung wurde immer weiter entwickelt. Die treuen KC-ler tunen die alten Kästen so, dass angesichts der langen Nutzungsdauer der Kaufpreis sogar akzeptabel wird. Denn auch das weiß die Website zu berichten: Der KC 85/4 kam 1989 für stolze 4600 DDR-Mark in die RFT-Läden. Um ihn zu nutzen, mussten außerdem noch ein Fernseher und als Speicher ein Kassettenrekorder her.