Die Lossa - ein Nebenfluss der Unstrut - drohte im Januar 2003 Leubingen zu überfluten. Feuerwehr und Bundeswehr verhinderten das, indem die Dämme mit Sandsäcken verstärkt wurden. Foto: Wolfgang Kiesel
Der Thüringer Feuerwehr-Verband sieht angesichts der Bundeswehrumstrukturierung die Zusammenarbeit bei schweren Unglücken gefährdet. Indes wurde bundesweit die erste Kooperation mit dem Landesportbund für eine gesteigerte Fitness der Feuerwehrleute unterschrieben.
Erfurt. Als im Januar 2003 das Dorf Leubingen, das zur Stadt Sömmerda gehört, von der Lossa mit Hochwasser bedroht wurde, halfen Feuerwehr und Bundeswehr die Dämme zu verstärken. Tagelang waren rund um die Uhr über 1800 Helfer im Einsatz. Mehr als 300.000 Sandsäcke wurden in wabenform aufgeschichtet, um ein Durchsickern des Schmelzwassers zu verhindern. Die Gefahr konnte gebannt werden. Ein derart schnelles Zusammenspiel wird es künftig wohl nicht mehr geben. Denn der Thüringer Feuerwehr-Verband befürchtet Defizite beim Katastrophenschutz. Lars Oschmann, der auf der 84. Verbandsversammlung am zurückliegenden Samstag von den rund 180 Teilnehmern erneut zum Vorsitzenden des Verbandes gewählt wurde, sagte: "Mit den derzeit zur Verfügung stehenden Kräften ist ein länger andauernder Katastrophenschutz nur noch schwer vorstellbar."Dabei erschwere die Bundeswehrreform mit der verringerten Standortdichte in Thüringen die Zusammenarbeit, weil nicht genügend Personal zur Verfügung stünde. So werde es zum Beispiel in Thüringen nur noch zwei spezielle ABC-Bataillone geben, die bei schweren Unglücken eingesetzt werden könnten. Zudem werde sich die Vorlaufzeit ändern, sagte der Verbandsvorsitzende und fasste es in der knappen Formulierung zusammen: "Es wird länger dauern. Und es werden weniger Leute sein."Lars Oschmann kritisierte vor allem das Thüringer Innenministerium. Obwohl der Feuerwehr-Verband bereits mehrfach darum gebeten habe, sei der Landesbeirat für den Katastrophenschutz seit Jahren nicht mehr einberufen worden.
Der so angesprochene Innenminister ging am Samstag auf die Kritik ein. "Der Landesbeirat wird noch im ersten Halbjahr einberufen", sagte Jörg Geibert
(CDU). Tatsächlich sei die technische Ausstattung nicht das Problem, aber einen Einsatz über mehrere Tage absichern, das werde schwerer. "Dazu fehlt uns die Feinplanung", räumte der Minister ein. Darüber hinaus berichtete Verbandschef Oschmann über eine Vereinbarung mit dem Landessportbund Thüringen (LSB) und der Feuerwehr-Unfallkasse Mitte. Unter dem Stichwort "Feuerwehr sportiv", sollen die Thüringer Feuerwehrleute motiviert werden, durch ein gezieltes Training die für den Feuerwehrdienst notwendige körperliche Fitness zu erreichen. Einen Testlauf habe es bereits im vergangenen Jahr gegeben, erklärte Iris Petzold, Geschäftsführerin der Feuerwehr-Unfallkasse Mitte. Nun erhielten 75 Thüringer Feuerwehrleute einen Personal Trainer, der individuelle Übungen durchführen werde. Geplant sei dazu auch der massenweise Erwerb des Sportabzeichens. Die Kosten für die ersten 500 Sportabzeichen will die Feuerwehr-Unfallkasse Mitte übernehmen. Ein Abzeichen koste 4 Euro. LSB-Präsident Peter Gösel sieht in der Kooperation nicht nur ein Zeichen für die Gesundheitsförderung, sondern vielmehr ein Signal für die Zusammenarbeit der beiden großen Organisationen. Denn angesichts des demografischen Wandels seien sie in den Dörfern die letzten Bastionen. "Es bleiben nur noch Sport und Feuerwehren, die gesellschaftliches Leben organisieren", führte Lars Oschmann aus und versprach "das Lagerdenken" in beiden Verbänden beseitigen zu wollen. Immerhin seien aus den ersten Thüringer Sportvereinen des Jahres 1861 ein paar Jahre später die Feuerwehren hervor gegangen.
Feuerwehr in Thüringen
mehr als 39.000 Frauen und Männer gehören den freiwillige Wehren an
etwa 660 Mitglieder haben die Berufsfeuerwehren
11.000 Mitglieder zählen die Jugendfeuerwehren
zu rund 27.000 Einsätzen rücken die Feuerwehren im Jahr aus
in diesem Jahr sollen etwa 110 Maschinisten ein gemeinsames Fahrtraining mit dem ADAC absolvieren
Schloss Sinnershausen in der Rhön ist das Ausbildungs- und Begegnungszentrum der Thüringer Jugendfeuerwehren