Thüringer Kunst in Gallerie der Sparkasse Nordhausen ausgestellt

  • Gerd Mackensens "Friedrich" von 2005 in der Nordhäuser Galerie. Repro: S. Mackensen. Gerd Mackensens "Friedrich" von 2005 in der Nordhäuser Galerie. Repro: S. Mackensen.
Als vor 20 Jahren die Kreissparkasse Nordhausen ihre Kunstgalerie eröffnete, hat nicht jeder der Besucher an eine andauernde Einrichtung geglaubt. Zu viele kurzlebige Treibhausblumen schmückten schon die Landschaft.
Nordhausen. Aber die Kreissparkasse hat etwas zustande gebracht, was wirklich mit dem Erblühen einer Region zusammenhängt. Es fanden seitdem nicht nur regelmäßig Kunstausstellungen statt, sondern das Geldinstitut begann auch Kunst zu sammeln, nicht für das Depot, sondern für ein Leben mit Bildern.

Inzwischen kann man hier auf eine Sammlung von über 200 Bildern, Zeichnungen, Druckgrafiken und Skulpturen im eigenen Bestand stolz sein. Sie ergibt einen Querschnitt Thüringer Kunst, zusammengestellt aus Arbeiten von Künstlern aus der Region Sondershausen/Nordhausen wie Heinz Scharr, Gerd Mackensen, Klaus-Dieter Kerwitz.

Gleich nebenan in und um Mühlhausen und Bad Langensalza leben und arbeiten Elisabeth Weidemann, Siegfried Böhning, Marion Walter und Reiner Ende, deren Kunstwerke ebenfalls die Sammlung bereichern. Aus Weimar und Erfurt sind Horst Peter Meyer, Petra Albrecht und Walter Sachs sowie Alfred T. Mörstedt, Katrin Gassmann und Jost Heyder neben anderen mit Bildern vertreten, und selbst aus dem etwas ferneren Thüringer Wald findet sich eine schöne Radierung von Bernd Rückert, der als Maler und Grafiker in der Glasbläserstadt Lauscha lebt.

Wieder einmal lassen sich längst nicht alle Namen nennen, aber was die Betonung der regionalen Kunst durch die Sammler betrifft, sei doch angefügt, dass Künstler wie Gerd Mackensen oder Horst Peter Meyer als Vertreter ihrer Generation weit über die Region hin-auswirken und sich schon lange auch international einen Namen gemacht haben.

Wie sehr die Kreissparkasse auch mit dem Geschehen in der Stadt verbunden ist, zeigt auf angenehme Weise die Verflechtung mit dem seit 1990 von der Ilsetraut Glock-Grabe Stiftung im Kunsthaus Meyenburg vergebenen Nordhäuser Grafikpreis. 14 Namen stehen hier einschließlich der Förderpreise, die von dem Nordhäuser Finanzdienstleister vergeben werden, bis 2011 zu Buche, und alle sind in der Sammlung vertreten.

So wird auf angenehme Weise auch die verständliche Beschränkung auf das Regionale etwas aufgeweicht und Künstler wie Erik Buchholz aus Gera oder Edgar Knobloch und Karin Pietschmann aus Leipzig, Christine Matzke aus Halle oder Nikola Dicke aus Osnabrück mischen die Palette der Handschriften auf und verjüngen den Kreis der Künstler, deren Werke gesammelt werden.

Heinz Scharr ist der Senior der Künstler. Seine frischen, energischen Rohrfederzeichnungen mit Baum- und Pflanzenstrukturen von 2003 oder die Farbradierungen von 1990/1991 gehören mit zum Besten in dieser Ausstellung. Elisabeth Weidemann setzt mit ihrer "Eva der Ersatzteile" ein fröhliches Zeichen. Gerd Mackensen ist in der Sammlung mit der ganzen Spannbreite seines Schaffens vertreten, man könnte meinen, unterschiedlichen Künstlern zu begegnen, wenn "Der Reigen" (2006) als sehr lebendige, abstrakt-figürliche Findung mit dem eher realistischen Bild "Wir begleiten den Mandarin" (2012) zum Vergleich kommen.

Und dann noch der "Friedrich", der Preuße (2005), dem gegenwärtigen Lieblingsthema des Sondershäuser Künstlers. Hier zeigt sich einfach nur, wie zielstrebig Mackensen alle Möglichkeiten der Malerei ausgelotet hat und wie er die Sammler mit allen Facetten seines Schaffens begeistern kann. Sein Weimarer Kollege Horst Peter Meyer setzt als Gegengewicht andere Schwerpunkte mit den exzellenten Malereien "Kopf im Gehäuse" und "Begegnung in Ägina" (beide 2008). Ein im Juni erscheinender Katalog wird die Sammlung mit einer Auswahl der gesammelten Werke dokumentieren.

Verdienst der beeindruckenden Sammlung, hinter der vor allem das Engagement des Sparkassendirektors Wolfgang Asche steckt, ist es, einen gültigen Überblick bildender Kunst hier und heute zu zeigen. Asche hat überdies dem Mäzenatentum einen neuen Klang gegeben und stellt ein Beispiel auch für andere öffentliche Einrichtungen dieser Art vor. Die Sammlung wirkt inzwischen über die Region hinaus. Sie ist Bereicherung der Kulturlandschaft in und um Nordhausen.


Jörg-Heiko Bruns / 03.04.12 / TA
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