Trainer Emmerling feiert Jubiläum beim FC Rot-Weiß Erfurt

  • Stefan Emmerling ist einer von vier Trainern seit der Wende, die es in Erfurt auf zwei Jahre bringen.  Foto: Sascha Fromm Stefan Emmerling ist einer von vier Trainern seit der Wende, die es in Erfurt auf zwei Jahre bringen. Foto: Sascha Fromm
Trainer Stefan Emmerling feiert zweijähriges Jubiläum beim FC Rot-Weiß und blickt auf eine spannende Zeit zurück. Heutiger Heimsieg gegen Saarbrücken soll den Tag krönen und die Erfurter Aufstiegschance erhalten
Erfurt. Bislang schafften es nur drei der insgesamt 22 Cheftrainer seit der Wende, zwei Jahre am Stück beim FC Rot-Weiß zu wirken. Stefan Emmerling, der am 30. März 2010 offiziell präsentiert wurde und schon einen Tag später seinen Einstand gab (0:1 bei Bayern München II), gehört seit heute dazu. Er reiht sich ein hinter Klaus Goldbach, Jürgen Raab und Pavel Dotchev.

Vor dem heutigen Heimspiel gegen Saarbrücken (14 Uhr), in dem sich die Erfurter mit einem Sieg die Aufstiegschance erhalten wollen, lässt er im Gespräch mit unserer Zeitung die jüngsten 24 Monate Revue passieren.

Mein schönster Augenblick:

Das war der Abpfiff nach meinem ersten Thüringenderby im September 2010. Wir gewannen zu Hause mit 2:1 gegen Jena. Die Fans waren völlig aus dem Häuschen - ein tolles Gefühl. Aus eigener Erfahrung weiß ich ja, wie süß Derbysiege schmecken. Allerdings kamen unsere Erfolge in Dresden und Wiesbaden in der letzten Saison dem sehr nahe.

Mein bitterster Moment:

Da gab es einige - die beiden Pokal-Niederlagen in Pößneck und Jena gehören dazu. Und natürlich schmerzt die 0:1-Heimniederlage im Vorjahr gegen Regensburg immer noch. Dadurch war der Relegationsplatz wieder futsch. Das folgende 3:4 in Ahlen - nach 3:1-Halbzeitführung - werde ich auch nie vergessen.

Meine leichteste Übung:

Mir wurde es sehr einfach gemacht, als Trainer in Erfurt Fuß zu fassen - sowohl im Verein als auch von den Fans und den Leuten in der Stadt. Das macht das Arbeiten natürlich angenehm.

Mein mutigster Schritt:

Vielleicht war dies meine Unterschrift vor zwei Jahren. Der Verein steckte in einer prekären Lage, taumelte dem Abstieg entgegen. Das Verhältnis zwischen Mannschaft und Fans war zerrüttet, fast schon vergiftet. Das hätte auch schiefgehen können. Allerdings ist es schön zu sehen, wie sich diese Sache entwickelt hat. Ich empfinde die Beziehung zwischen den Spielern und Fans mittlerweile als hervorragend.

Meine schwerste Entscheidung:

Die eine gibt es nicht. Es ist jede Woche schwer, die elf Spieler für unsere Anfangsformation zu benennen, weil ich weiß, wie enttäuscht die anderen sind. Viele Akteure bewegen sich ungefähr auf einem Level. Das macht die Entscheidung so kompliziert - immer wieder aufs Neue.

Mein schlimmster Ausraster:

Ich bin niemand, der herumschreit; mache weder am Spielfeldrand noch in der Kabine den Kasper. Ein Kollege hat einmal zu mir gesagt: "Die Halbzeit ist 15 Minuten lang." Was bringt in dieser Zeit mehr: Ausflippen oder der Mannschaft Lösungswege aufzeigen? Ich halte mich an Letzteres. Allerdings konnte ich im September nicht an mich halten, als Marcel Reichwein im Wehen-Spiel schlimm ausgepfiffen wurde. Das empfand ich als ebenso ungerecht wie die Kritik von unserem Pressesprecher Wilfried Mohren. Das musste ich ihm in aller Deutlichkeit sagen.

Mein bester Spieler:

Bei Rot-Weiß kann ich mich auf keinen festlegen. Oumari ist genauso gut wie Möckel, ein Morabit nicht schlechter als Semmer. Und Sponsel steht auch Orlishausen nichts nach. Wenn ich meine gesamte Trainerkarriere beleuchte, war es Marco Reus in Ahlen, der herausragend spielte.

Mein größter Fehler:

Die Pokal-Niederlage damals in Pößneck geht auf meine Kappe. Ich bin davon ausgegangen, dass die Spieler aus der zweiten Reihe gut genug sind, um den Oberligisten zu schlagen. Leider ein Trugschluss. Vielleicht war ich zu kurz im Amt und kannte die Qualitäten noch nicht. Aber das passiert mir nicht noch mal.

Mein liebster Kollege:

Am Spielfeldrand hat man keine Freunde, dort verändern sich alle zu sehr. Mit Sandhausens Gerd Dais besteht in der Liga der engste Kontakt. Wir haben ja auch mal zusammen gespielt. Ansonsten verstehe ich mich mit Uwe Fuchs, der jetzt in Kassel ist, und Thomas Tuchel sehr gut. Mit dem Mainzer Trainer habe ich 2006/07 den Fußballlehrer-Schein in Köln gemacht.

Meine süßeste Belohnung:

Nach besonders guten Spielen und schönen Siegen gehe ich gerne gut essen. Dann genieße ich ein Filetsteak und einen guten Rotwein umso mehr. Es wäre super, wenn es nach dem Saarbrücken-Spiel wieder so wäre.

22 Cheftrainer seit 1990

  • Lothar Kurbjuweit 1990 - 91
  • Rüdiger Schnuphase 1991
  • Josip Kuze 1991 - 92
  • Klaus Goldbach 1992 - 95
  • Horst Kiesewetter 1995
  • Frank Engel 1995 - 97
  • Hans-G. Schröder 1997
  • Rudi Gores 1997
  • Jürgen Raab 1997 - 2000
  • Frank Engel 2000
  • Hans-Ul. Thomale 2000 - 01
  • Jens Große 2001 02
  • M. Feichtenbeiner 2002 - 03
  • Alois Schwartz 2003
  • Rene Müller 2003 - 05
  • Jan Kocian 2005
  • Pavel Dotchev 2005 - 08
  • Heiko Nowak 2008
  • Karsten Baumann 2008 - 09
  • Henri Fuchs 2009
  • Rainer Hörgl 2009 - 10
  • Stefan Emmerling seit 2010

Marco Alles / 31.03.12 / TA
Z82C3UK540147
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Kommentare
31.03.12 - 12:32
THÜRINGHERZ 70
Glückwunsch,Stefan und noch viel Erfolg in Erfurt :)
 
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