Umbau des Herderplatzes: Stimmen aus Weimars künftiger Mitte
Porträt
Entwurf für die Umgestaltung des Herderplatzes.
Die Parkplätze, die am Herderplatz verschwinden werden, sind für den Bioladen "Rosmarin" ein gordischer Knoten. Aus seinem Selbstverständnis kann Ladenchef Jens Elliger die Verkehrsberuhigung nur begrüßen, zumal sie die Chance eröffnet, den Platz großzügiger gastronomisch zu bespielen.
Weimar. Die Weimarer Umweltschutzszene hatte derlei seit Jahren eingefordert. Andererseits muss Elliger einräumen: "Ein Drittel unserer Kundschaft fährt mit dem Auto vor." Das Vertrackte daran: Es handelt sich bei dem motorisierten Drittel um die Kundschaft, mit der der Laden seinen größten Umsatz macht, weil deren Einkäufe größer ausfallen. Den Bioladen zwingt die Umgestaltung daher zu größeren strukturellen Entscheidungen: "Wir denken über einen zweiten Standort nach." Standorterweiterung in Weimars neuer Mitte schwebt auch Mario Trommler vor allerdings ohne Umzug. Der Wirt vom Sächsischen Hof freut sich darauf, seine Gäste künftig auch auf dem Platz bewirten zu können. Seine Vision hat konkrete Formen angenommen. Trommler träumt von Tischen, Stühlen und Sonnenschirmen an der historischen Giebelseite seines Gasthauses, gleich neben Herder. "Viele unserer Gäste kommen schon jetzt zu Fuß. Wer mal fünf Minuten durch Weimars Altstadt laufen muss, wird darüber auch nicht klagen." Trommler jedenfalls ist zufrieden mit dem Entwurf zur Platzgestaltung, den das Team um den bayerischen Landschaftsarchitekten Ludwig Schegk vorgelegt hat (TLZ berichtete). Jene Geschäftsleute, die aus der Parkplatznot auf ausbleibende Umsätze schließen, erinnert er an das Murren, das in den Neunzigern mit der Durchsetzung der strengen Weimarer Fassadenordnung einherging: "Damals war ich auch wütend. Heute bin ich froh, dass es in Weimar nicht so aussieht wie in vielen anderen Städten."
Für Trommler hat der Entwurf nur einen Makel: den Kahlschlag in der Baumreihe an der Ostseite. Damit ist er nicht allein. Eileen Dönnecke von der Fleischerei Dönnecke: "Bäume geben dem Platz Charakter." Die Neue Linke macht mit der Klage über die zu fällenden Bäume ein Fass voller Fundamentalkritik auf: Die Entente-Florale-Forderung nach "mehr Grün für Weimar" will die Fraktion auch am Herderplatz verwirklicht sehen. Suppenbar-Betreiber Anselm Graubner wartet gespannt darauf, dass Fußgänger und Radfahrer die Piazza erobern werden, für die er sich Sitzgelegenheiten und Fahrradständer wünscht. Für die wegfallenden Anwohnerparkplätze hofft er auf einen kompromissfähigen Lösungsvorschlag der Stadt. Auch Sabine Zotzmann von der Kaffee-Rösterei macht drei Kreuze, wenn die Blechlawine verschwindet: "Das heißt aber nicht, dass Geschäfte und Anlieger ohne Alternative auskommen." Eileen Dönnecke sieht das ähnlich: "Parkplätze zu verbannen ist leicht. Warum schafft man nicht Alternativen zwischen Bornberg, Badestube und Mostgasse?"